Das Buch ist ein sogar verfilmter Bestseller, das behandelte Thema (leider) von beinahe zeitlosem Interesse - die Erwartungen an die Hörfassung von „Zwei Frauen" sind also zurecht hoch gesteckt. Doch die Enttäuschung wartet schon mit dem ersten gesprochenen Wort auf den gespannten Hörer: die Stimme der selbst lesenden Autorin vereitelt sogleich jeglichen Hörgenuss. Ob das als genialer Trick der Regie zur Erhöhung der Authentizität der Krankheitsgeschichte gedacht war: lass den Hörer leiden, dann kann er das geschilderte Leid besser verstehen?
Auch der Inhalt will nicht recht schmecken: die Geschichte ist melodramatisch, weitgehend oberflächlich und die Schwerpunkte werden zielsicher an den falschen Stellen gesetzt. Aufgrund des autobiographischen Charakters der Geschichte wäre eine tiefgehende Beschreibung von Krankheitsverlauf, Gedanken, Gefühlen und persönlichen Erkenntnissen der Patientin zu erwarten gewesen. Statt dessen verliert sich die Geschichte jedoch in belanglosen Dialogen und verwundert durch inhaltliche und zeitliche Sprünge, die zeigen, dass das Buch für die Hörfassung einschneidend (und lieblos) gekürzt wurde. Als Beispiel kann das letzte Kapitel genannt werden, in dem die Patientin die Klinik weitgehend geheilt wieder verlässt. Er ist der längste Abschnitt der Geschichte, besteht aber leider nur aus landläufigen Binsenweisheiten und kann auch nicht jene Hoffnung vermitteln, die man von jemanden, der „es geschafft hat" erwarten würde.
Rückblickend wundert man sich am Ende sogar über den Titel („Zwei Frauen"), denn auch die Freundschaft der beiden Leidensgenossinnen ist nur ein Randthema in diesem Hörbuch - lediglich eine Stelle kann nachvollziehbar schildern wie die Krankheit die beiden Frauen zusammenschweißt. Zyniker könnten sogar darauf bestehen, dass der passendere Titel „Ich" gewesen wäre, denn letztendlich dreht sich alles nur um die kleine Gedankenwelt der Hauptfigur.
Das Buch mag aufgrund seines größeren Umfangs (555 Seiten) besser sein. Demjenigen, der sich die Hörversion kauft, ist damit freilich wenig geholfen.