"Zwei Engel für Amor" ist eine wirklich nette Serie, aber tritt sie leider in zu große Fußstapfen.
Die Idee des sprechenden, auftraggebenden Marmor-Engels ist wirklich gut umgesetzt und man merkt auch, dass die Crew mit Liebe bei der Sache war. Die Charaktere entfalten sich langsam und geben immer mehr von ihrer Vergangenheit, ihrer derzeitigen Situation sowie ihren Wünschen und Träumen preis und Kim (eine 26jährige Ex-Studentin mit schlechtem Abschluss, die einfach keine Einstellung als Lehrerin bekommt) und Max (ein 35jähriger, eingebildeter Schauspieler, dem es mehr Sorgen macht, als er zugibt, dass er "nicht mehr der Jüngste" ist) sind liebenswert und lebensnah gestaltete Serienfiguren.
"Berlin, Berlin" ist eine Serie, die den "zum Heulen schönen" Lebensabschnitt von 20 bis 30 Jahren aus verschiedenen Blickwinkeln beschreibt. Bei "Zwei Engel für Amor" wirkt alles etwas konstruiert: Kai Lentrodt spielt quasi den Harald, der aus dem Vorgänger bekannt war, nur ohne psychische Probleme und mit wiedergewonnenem Beau-Charme aus "Ladykracher" und mit neuem Namen Max. Theresa Scholze spielt wunderbar als Kim, die in Liebeskummer nur so untergeht, aber im Gegensatz zu Felicitas Woll bei "Berlin, Berlin" kann sie "Zwei Engel für Amor" nicht wirklich tragen. Sie ist Lolle vom Humor, von der Art her zu ähnlich, kommt aber einfach nicht an Lolle heran. Auch Kims Schwester Paula ist Rosalie bzw. Sarah aus "Berlin Berlin" zu ähnlich, hat aber einfach nicht diese schroffe Art, die die Zuschauer an Sarah und Rosalie so lieben - man hat sie als BB-Fan auch noch immer als Öko-Mutter Kerstin im Hinterkopf. So geht es einem mit vielen Charakteren und man hat das Gefühl, man ist in eine Parallelwelt von "Berlin, Berlin" gelangt - als dann auch noch Felicitas Woll als Felicitas Woll (!) auftaucht, fragt man sich ernsthaft, ob man nicht doch eine 5. Staffel der erfolgreichsten, preisgekrönten Vorabendserie sieht, die in einem so ähnlichen, aber doch ganz anderem Berlin spielt...
Die Sprüche aus der Serie sind wirklich gut, aber ein bisschen weniger "Berlin, Berlin"-Flair und ein bisschen mehr Eigenes hätte der Serie nicht geschadet. Nur weil David Safier die Serie macht, muss es ja nicht heißen, dass alles gleich ist. "Berlin, Berlin" und "Mein Leben und ich" sind zwei tolle Serien, die er (mit-)geschaffen hat, dennoch sind sie völlig unterschiedlich.
"Zwei Engel für Amor" versucht also, nach meinem Ermessen, krampfhaft an "Berlin, Berlin" als seine Nachfolgeserie heranzukommen, aber es gelingt der Serie auf Brechen und Biegen einfach nicht. Lolle fesselte schon ab der ersten Folge und Kim und Max brauchen etwas um warm zu werden, wobei die Umsetzung und die Message der einzelnen Folgen wirklich immer den Kern treffen und man viel über zwischenmenschliche Beziehungen lernt.
Ich habe mir die DVDs dennoch gekauft, weil ich die Serie im TV nicht wirklich verfolgen konnte, aber mir war beim Sehen schnell klar, dass "Zwei Engel für Amor" nicht so süchtig macht wie ein "Berlin, Berlin". Leider wird man einfach den Gedanken nicht los, dass die Macher genau das versucht haben. Aber jeder sollte sich selbst von der Serie überzeugen. Und obwohl die Quoten nach meinen Informationen so schlecht waren, scheint es ja, nach den Amazon-Rezensionen, doch Menschen zu geben, die auch dieser Serie 5 Sterne geben.