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Zwei Ansichten: Sonderausgabe zur Verleihung des Büchner-Preises (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Uwe Johnson
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 243 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (12. September 1992)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518386832
  • ISBN-13: 978-3518386835
  • Größe und/oder Gewicht: 17,5 x 10,6 x 1,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 280.181 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Uwe Johnson
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein Fotograf aus Holstein verliebt sich 1961 in eine Krankenschwester aus Ostberlin. Nach dem Mauerbau organisiert er ihre Flucht in den Westen. Aber hat ihre Liebe die Trennung überstanden? Eines der wenigen Beispiele großer Literatur, das die "Republikflucht" thematisiert.

Über den Autor

Uwe Johnson wurde am 20. Juli 1934 in Kammin (Pommern), dem heutigen Kamien Pomorski, geboren und starb am 22. oder 23. Februar 1984 in Sheerness-on-Sea. 1945 floh er mit seiner Mutter und seiner Schwester zunächst nach Recknitz, dann nach Güstrow in Mecklenburg. Sein Vater wurde von der Roten Armee interniert und 1948 für tot erklärt. 1953 schrieb er sich an der Universität Leipzig als Germanistikstudent ein und legte sein Diplom über Ernst Barlachs Der gestohlene Mond ab. Bereits während des Studiums begann er mit der Niederschrift des Romans Ingrid Babendererde. Reifeprüfung 1953. Er bot ihn 1956 verschiedenen Verlagen der DDR an, die eine Publikation ablehnten. 1957 lehnte auch Peter Suhrkamp die Veröffentlichung ab. Der Roman wurde erst nach dem Tode von Uwe Johnson veröffentlicht. Der erste veröffentlichte Roman von Uwe Johnson ist Mutmassungen über Jakob. Von 1966 – 1968 lebte Uwe Johnson in New York. Das erste Jahr dort arbeitete er als Schulbuch-Lektor, das zweite wurde durch ein Stipendium finanziert. Am 29. Januar 1968 schrieb er in New York die ersten Zeilen der Jahrestage. Aus dem Leben von Gesine Cresspahl nieder. Deren erste ›Lieferung‹ erschien 1970. Die Teile zwei und drei schlossen sich 1971 und 1973 an. 1974 zog Uwe Johnson nach Sheerness-on Sea in der englischen Grafschaft Kent an der Themsemündung. Dort begann er unter einer Schreibblockade zu leiden, weshalb der letzte Teil der Jahrestage erst 1983 erscheinen konnte. 1979 war Uwe Johnson Gastdozent für Poetik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt. Ein Jahr später erschienen seine Vorlesungen unter dem Titel Begleitumstände. Sein Nachlass befindet sich im Uwe Johnson-Archiv der Universität Frankfurt.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
16 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ulf Evers VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
In den „Zwei Ansichten", einer letztendlich an westdeutscher Oberflächlichkeit und vielleicht auch ostdeutschem Pragmatismus scheiternden Liebesgeschichte, geht es wesentlich um Fluchthilfe.
Einerseits in der Mitte der 60'ger Jahre ein sehr sensibles Thema, andererseits ein Thema mit hohen biografischen Bezügen. Der Roman ist zweien der Fluchthelfer von Johnsons Frau gewidmet und der Ablauf der Flucht der D. soll der tatsächlichen Flucht entsprechen.
Unter den Romanen Johnsons fristet dieses Buch ein eher kümmerliches Dasein. Nicht zuletzt Gesine Cresspahl weigert sich in den Jahrestagen, die „Ansichten" zu lesen.
Zu unrecht, wie ich finde. Es ist glänzend geschrieben. Beispielhaft möchte ich nur die Beschreibung der holsteinischen Kleinstadt herausheben: die ist derart gelungen, daß in mir sogleich ein Gefühl von Heimat entstand. Auch wie durch Verwendung bestimmter Begriffe eine alle Sinne ansprechende Erinnerung entsteht, ist Jüngeren vielleicht nicht mehr zu vermitteln, aber allein das Wort „Drehklingel" lies vor meinem Auge den Hausflur, die Treppe, die Tür mit dem Namensschild meines Großvaters entstehen, ich meinte Bohnerwachs und Essensgerüche wahrzunehmen.
Anreize für solche Bilder können nur entstehen, wenn man ähnliche Erinnerungen hat, daher bilden sie auch nicht die Grundlage für meine Empfehlung dieses Buch zu lesen.
Grundlage ist vielmehr der bereits abgebildete Kern für die vielerorts vorhandene Unfähigkeit der West- die Ostdeutschen zu verstehen und umgekehrt.
Liest man dies Buch genau, dann findet man Stellen, in denen beschrieben wird, daß die öffentliche Berichterstattung die DDR als einen nicht belebenswerten, aufgegebenen Ort schildert; daß in der kleinstädtischen Presse die Furcht, die fortschreitende Berichterstattung über die Abschließung eines Staates könne lokale Anzeigenkunden und Abonnenten vergraulen, dazu führt die Berichterstattung zurückzufahren; daß beim balzenden Mann Selbstbewußtsein und Siegeszuversicht steigen, als er von der ostdeutschen Staatsangehörigkeit der Frau erfährt. Auf der anderen Seite die Hoffnung der ostdeutschen Krankenschwester, im Falle einer Wiedervereinigung würde wenigstens das ostdeutsche Gesundheitssystem übernommen werden.
Dies alles bereits Mitte der 60'ger Jahre beschrieben macht deutlich, wie schwer es ist, einander vorurteilsfrei zu begegnen, um ohne Mauer zusammenzuleben zu können.
Ich halte die „Ansichten" daher für wichtiges & nicht genau genug zu lesendes Buch.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das Buch (das ohne Gattungsbezeichnung Roman auskommt) wurde 1965 veröffentlicht und thematisiert im Wesentlichen eine Flucht aus der DDR, die einen biografischen Hintergrund von Uwe Johnson (1934 - 1984) birgt. Allein schon das ist ein bemerkenswerter Umstand, mit dem sich der Autor vor über vierzig Jahren alleine auf weiter Flur fand. Das Buch ist aber mehr. Zunächst auffällig ist die kantige, aber äusserst präzise und deskriptive Prosa von Johnson, vor allem sein Satzbau und die häufige Verwendung des Verbs, nicht am Schluss (gleich wie die Nebensatzreihungen im Englischen). Beispiel: "Leider war das Geschäft erst zustande gekommen, nachdem B. verzichtet hatte auf einige Bilder,..." oder "So machte es ihm nichts aus, den alten Schlitten zu verschenken an ein Mädchen,...". - Interessant (für diese Zeit) ist auch, dass Johnson die direkte Rede in das Erzählte einbaut und keine Anführungs- und Schlussstriche verwendet. Inhaltlich erinnert mich das Buch an Walsers "Ehen in Philippsburg", weil auch hier die junge Bundesrepublik in ihrem von Traditionen und verkrustetem Verhalten befreiten Wirtschaftwunderwachstum mit all seinen (unbegrenzten) Möglichkeiten hervorlugt, beispielsweise, als B. in Berlin zu viel trinkt und am nächsten Morgen in der Wohnung der Wirtin aufwacht. Singuläres Exempel für diese Blüte ist hier natürlich der rote Sportwagen, der mit Hilfe von fünf Jahren Erspartem zum Auftakt angeschafft wird. Faszinierend (was eine genaue[re] Lektüre im Sinn der vorangegangenen Rezension in der Tat notwendig macht) sind die komprimierten Ansichten des Autors über Beziehungen im Allgemeinen, Politik und die Wechselwirkung der letzteren auf erstere, speziell im geteilten Deutschland. Sätze wie "...sie hatte gelernt, sich für eine andere auszugeben bei Leuten, die der Macht und Gewalt des Staates verwandt waren,..." haben geradezu visionären Charakter. Dass das Buch heute keine weitere Verbreitung mehr findet, liegt wohl neben der zunehmenden Leseschwäche junger Menschen auch am Umstand, dass die DDR eine relativ kurze Episode in der deutschen Geschichte war und man heute den diktatorischen Elementen wie auch der Überheblichkeit im Westen nicht mehr richtig nachfühlen kann. Ich habe vor kurzer Zeit eine Philologiestudentin in Rostock nach Uwe Johnson befragt. Ja, sie kennt den Autor, aber gelesen hat sie von ihm noch nichts.
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Von Tom Kadi VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Sperrig geschrieben ist diese Liebes- und Fluchtgeschichte der ostberliner Krankenschwester D, die mit Hilfe ihres Geliebten B aus dem Westen 1961 die Mauer überwindet. Mit ihrem Freund, einem Fotografen, kommt sie danach nicht mehr zusammen. Sehr lakonisch, sehr nüchtern erzählt Uwe Johnson, der sich selbst an Fluchthilfen beteiligt hatte. So distanziert, dass einem die nur mit Großbuchstaben bezeichneten Figuren schon ein wenig fremd bleiben. Und immer wieder stolpert der Leser über die dem Verb brechtisch nachgestellten Objekte "...wenn er mit dem Karren vorfuhr bei Grundsteinlegung und Scheunenbrand..." Auf der anderen Seite ist dieser kleine Roman so voller präziser Beschreibungen und Beobachtungen, dass sich diese Stolpermühe allemal lohnt. Etwa wenn er schildert, wie D im Krankenhaus einen Anruf aus westdeutschland erhält, darauf im Büro mit dem Ausruf "Dieser Affe" reagiert und sich sofort auf den Mund hätte schlagen können. "Sie hatte die Verbindnung zugegeben". Oder wieviel "mannigfaltiger, auffälliger" sich eine Grenze ausnimmt, wenn eine Stadt und nicht ein freies Feld in zwei geteilt wird. Die Athmosphäre einer kollektiven Schockstarre im Osten wird ungemein genau getroffen - ich habe nach der Lektüre des Buchs sofort von Flucht und Mauer zu träumen. So ist das Buch ist voller athmosphärisch dichter und treffender Beschreibungen, hierfür noch ein sehr schönes Beispiel: "Inzwischen planlos ging er lange durch eine Gegend, deren Hausfronten von Bäumen bis zum dritten und vierten Stockwertk verdeckt waren, in den Vorgärten erinnerten Rasensprenger an Zungenfehler, Kaffeegesellschaften auf Balkons und Veranden stellten geordnete Verhältnisse aus, Kinder und Hunde erzeugten kleinen, isolierten Lärm" - zack, sofort ist man zurückversetzt in diese geordnete, unheile Welt der frühen 60er Jahre!
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