Als Zwarwald-Fan der (fast) ersten Stunde freue ich mich auf den Tag, an dem Herr Leowald ganz groß rauskommt - dann werde ich mich immer, wenn im Bekanntenkreis seine neuen Werke zur Sprache kommen, zurücklehnen, ein Gähnen unterdrücken, und mit angemessener Überheblichkeit anmerken, dieser Werdegang zu einer der Galionsfiguren dekonstruktivistischer Comickunst habe sich schon in seinen frühen Schaffensphasen angekündigt.
Aber auch, wer seine Freunde lieber behalten möchte, sollte seinem Comicblog (falls nicht schon geschehen) mal einen Besuch abstatten - der Kauf dieses Buches könnte danach zu einer Formsache werden. Seine Comics sind überwiegend aus 4 Panelen bestehende Minigeschichten, die gekonnt und abwechslungsreich mit der Tagebuch-Idee spielen, wobei sie häufig Episoden aus dem Alltag des Zeichners erzählen oder auf das jeweilige Tagesgeschehen Bezug nehmen. Erfrischend finde ich dabei, dass Leowald weitgehend auf starre Formen verzichtet: klassische, auf Schlusspointen zielende Cartoons wechseln sich ab mit hintersinnigen, oft surrealistischen Montagen, deren Witz sich eher mittelbar zu erkennen gibt. Allen gemein ist eine unbeschwerte Experimentierfreude und ein Gespür für geistreichen Wort- und Bildwitz. Ich hoffe, dass Leo Leowald hält, was die Zahl "01" im Titel verspricht.