Weil in anderen Rezensionen Rechtschreibfehler und Langatmigkeit bemängelt wurden: Es handelt sich offenbar um eine frühe, vollständige Übersetzung. Damals gab es andere, auch freiere Rechtschreibregeln. "Thier" und "thun" sind also schlicht historische Schreibung, keine Fehler. Ebenso ist der Sprachduktus für heutige Leser altertümlich, deshalb aber noch keine schlechte Übersetzung.
Die vertrauten deutschen Übersetzungen stammen meist aus den 60er und 70er Jahren, die Romane wurden zudem oft stark gekürzt. Die Reise zum Mittelpunkt der Erde z. B. hat in der damaligen Ausgabe als Fischer-Taschenbuch 140 Seiten und 30 Kapitel, eine aktuelle Neuübersetzung bei DTV hat mehr als doppelt so viele Seiten und 45 Kapitel - man erkennt den Text kaum wieder. Die damaligen Kürzungen betonen offenbar den Handlungsablauf, machen ihn "spannender", unterschlagen aber weitgehend die für Verne durchaus typischen naturkundlichen Exkurse.
Von den rein sprachlichen Qualitäten der Übersetzung, die ich nicht beurteilen will, abgesehen, hat sie wegen ihrer Vollständigkeit durchaus Vorzüge. Auch die altertümliche Sprache ist kein grundsätzlicher Nachteil. Für Franzosen dürfte Verne im Original ebenfalls etwas altertümlich klingen.
Es stimmt natürlich, dass ein Buch dadurch etwas schwerer zu lesen ist. Es ist aber auch interessant, Klassiker der "Jugenliteratur" nach der Lektüre der üblichen Kurzfassung einmal vollständig zu lesen.