20 Minuten Pause von Ernest L. Rossi ist keines der Ratgeberbücher, die Dir empfehlen wollen hie und da mal halblang zu machen, weil dann alles besser wird. Der eher langweilige Titel " 20 Minuten Pause" verwirrt etwas, das Buch ist viel mehr als das:
Es präsentiert einen natürlichen Selbsthypnoseansatz mit dem Anspruch, die Möglichkeiten unbewußter Veränderung optimal zu nutzen. Dafür nutzt Rossi die wissenschaftlich belegte Tatsache, daß wir alle 90-120 Minuten ohnehin und meist unmerklich in einen natürlichen Trancezustand gehen, bzw. gehen müßten, die sogenannte "Alltagstrance".
Er stellt aber auch ganz klar heraus: Es geht nicht nur um die Nutzung dieses natürlichen Rhythmus, sondern auch darum, daß die Störung dieses natürlichen Prozesses über einen langen Zeitraum unweigerlich in einen permanenten Streßzustand führt. Und es gibt bekanntlich kaum einen Faktor, der an mehr psychischen und psychosomatischen Krankheiten beteiligt ist als Streß.
Die Einhaltung zumindest einiger dieser natürlichen Zyklen kann hingegen ungemein heilsame, kreative, problemlösende oder gesundheitsfördernde Resultate haben.
Wer mit Rossis Mind-Body-Healing nähere Erfahrungen gemacht hat weiß, daß das stimmt und wirklich und wahrhaftig funktioniert, auch wenn die Beschreibung dessen manchmal phantastisch klingt. Die Ergebnisse sind es aber häufig auch.
Diese ist im Grunde eines der besten Bücher über Selbsthypnose, da es sich wohltuend von der Anwendung stumpfsinniger suggestiver Methoden unterscheidet - auch wenn Rossi es nicht Selbsthypnose, sondern "ultradiane Heilreakion" nennt.
Das Buch hat mich auch insofern restlos begeistert, da auch ich schon selber positive Fremd- und Eigenerfahrungen mit dieser Methode habe machen können. Es sollte Pflichtlektüre für alle Hypnosetherapeuten, Psychotherapeuten und auch für alle Manager werden, denen neben Gewinnmaximierung auch das Wohl und die Leistungsfähigkeit ihrer Angestellten am Herzen liegt. Ich meine, daß die Beachtung der in Rossis Buch geschilderten Prinzipien den Bedarf an psychotherapeutischer Behandlung in unsere Streß- und Konsumgesellschaft erhebliche verringern könnte (bin selbst Therapeut).
Das Buch selbst ist leicht verständlich geschrieben und verzichtet zu Gunsten der Lesbarkeit auf den verkrampften wissenschaftlichen Stil, den man in unserem Land an den Tag legen muß, um erstgenommen zu werden. Ich hoffe, es bekommt trotzdem eine Chance. Das einzige was mir noch fehlte, ist mehr an Darstellung wie Rossi seine eigenen Patienten in sein System einführt - es ist darüber schon vieles in dem Buch zu finden, aber mehr wäre noch besser...
Alles in allem jedoch ein absolut empfehlenswertes Buch, das im Grunde eine neue Philosophie der Selbstheilungsfähigkeit in der Psychotherapie beinhaltet. Ernest L. Rossi, der den bislang weltweit erfolgreichsten Psychotherapeuten und Begründer der modernen Hypnose Milton H. Erickson viele Jahre begleitet hat und Herausgeber oder Co-Autor aller wichtigen Schriften Ericksons ist, zeigt, daß er sich zum einem wirklich würdigen Nachfolger Ericksons gemausert hat. Rossi hat die Essenz der ericksonschen Hypnose gefunden (die Selbstheilung) und er macht sie nun auch für die Selbsthypnose verfügbar.
Wie gut, daß Erickson von solch einem hellen Kopf begleitet worden ist! (Sorry, Jeff)