...wirst du, Liebe,
ein langer Abschied sein, der nie zu Ende geht ?
Leben von Anfang an ist Trennung ...
dieses Zitat aus Lyrik von Pedro Salinas kann Motto des Romans
sein. Ein langer Abschied fürwahr. Mercedes Avendano lebt die
Erinnerung ihrer grossen Liebe. Diese leidenschaftliche tabulose
Liebe begleitet von Fantasien an Kastration und Tod (s.Titelbild
"Judith und Holofernes") endet tatsächlich mit dem Tod des jungen
Ehemanns José Maria Avendano kurz nach der Hochzeit. Er wird mehr
zufällig von aufgebrachten Landarbeitern getötet. Zur Strafe müssen diese Jahre für Jahr den Überfall und Mord auf dem Gut der
Avendanos nachspielen. Hintergrund ist die Auseinandersetzung zwischen Republik und Faschismus in Spanien zwischen 1934 und 1056. Souverän bereitet der Autor Jorge Semprún ein Tableau der spanischen Geschichte des letzten Jahrhunderts vor uns aus. Die Eigenart des Autors zwischen den Zeiten hin- und herzuspringen
erklärt sich vielleicht aus seinem langen Leben und aus den Bezügen zu Philosophie, Literatur, Malerei, die die Protagonisten in ihren politischen Diskussionen berühren.
Humorvoll werden Absurditäten beschrieben, wie z.B. die Einführung in die körperliche Liebe durch die katholische Kirche
nach den Schriften des "heiligen" Augustinus "de bono coniugali
und de coniugiis adulterinis". Überrascht lernt man mit Segen
der "alleinseligmachenden" lustvoll zu sündingen.
Dieses Buch hat so unendlich viele Facetten, die hier nicht erwähnt werden können. Deshalb sollte man es lesen. Ein ganz grosser Roman!