Das Therapiemanual von Oelkers, Hautzinger und Bleibel richtet sich an die selektive Zielgruppe der Psychologischen Psychotherapeuten. Es ist dahingehend ausgelegt, dass es direkt nach der Diagnosestellung "Zwangsstörung" angewandt werden kann. Daher wird in der vorgelegten Arbeit Vorwissen vorausgesetzt und nur noch kurz auf theoretische Aspekte eingegangen. Danach wird umso dezidierter auf die Therapie der Zwangsstörung eingegangen.
Grob lässt sich das Manual in drei Abschnitte unterteilen: In eine kurze Beschreibung des Störungsbildes, in ein Modul zur Behandlung der Zwangssymptomatik und ein Modul zum Sozialen Adaptationstraining. Das hauptsächliche Augenmerk liegt auf den Therapieprogrammen zur Zwangssymptomatik bzw. zum Sozialen Adaptationstraining. Ergänzt werden die beiden Therapieprogramme durch einen komplexen Anhang, der Arbeitsblätter für die Patienten sowie Overheadfolien zur Illustration komplexer Sachverhalte während der Therapie im Gruppen- oder Einzelsetting enthält. Diese Therapiehilfen liegen sowohl als Kopiervorlagen im Anhang des Buches als auch digitalisiert auf einer CD-ROM, die dem Manual beiliegt, vor.
Das Manual zeigt eine Reihe von Gemeinsamkeiten zu anderen Therapie-manualen auf, die sich auf das kognitiv-verhaltenstherapeutische Modell beziehen. Sie betonen alle die Notwendigkeit psychoedukativer Elemente vor dem Einsatz konkreter Interventionsstrategien und beziehen sich in der Diagnose auf die gängigen Klassifikationssysteme DSM IV und ICD-10. Die vergleichbaren Therapiemanuale benennen identische psychometrische Verfahren und Selbstbeoachtungssysteme. Die Analyse des zwanghaften Verhaltens bezieht sich auf ähnliche Modellvorstellungen, die sowohl Prädispositionen, Auslösung und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung betreffen. Daher stimmen auch die Interventionsstrategien überein, indem verschiedene Autorengruppen die Exposition mit Reaktionsmanagement als zentralen Baustein bei der Behandlung von Zwängen herausstellen. Gemeinsam ist auch, dass den Funktionalitäten von Zwängen bei deren Behandlung Raum zugemessen wird.
Das Manual von Oelkers et al. unterscheidet sich jedoch auch von anderen Arbeiten: Einige Autoren legen Bücher vor, die einer breiten Zielgruppe gewidmet sind, die auch Laien und interessierte Betroffene mit einschließt. Daraus folgt, dass keine Wissenvoraussetzungen angenommen werden können. Entsprechend sind diese Bücher so aufgebaut, dass Grundwissen zum Thema Zwänge teilweise redundant vermittelt wird. Die Arbeiten sind oft als "Lesebuch" konzipiert mit streckenweise unübersichtlichem Layout und teilweise belletristischen Formulierungen. Obwohl gegen den Inhalt keine Einwände zu machen sind, sind die Kapitelzusammenfassungen unübersichtlich und weitschweifig; Arbeitsblätter und ein Sachregister fehlen in manchen Fällen völlig.
Oelkers, Hautzinger und Bleibel legen demgegenüber ein Manual vor, das sich auf eine definierte Zielgruppe bezieht. Es werden Grundkenntnisse der Klinischen Psychologie und eine Orientierungsfähigkeit in klinisch-psychologischen Fragestellungen vorausgesetzt. Die Darlegungen, die vor der Darstellung der Interventionsstrategien erfolgen, haben den Sinn, diese zu begründen und die dafür notwendigen Modelle und Vorstellungen kurz anzureißen. Ferner werden neuere Forschungsergebnisse integriert, um dem Anwender eine aktualisierte Vorstellung als Basis für die Anwendung der Intervention zu vermitteln. Das Manual ist definitionsgemäß eine konkrete, standardisierte Anleitung, die auch die didaktische Vermittlung der Inhalte mit einschließt. Die gilt sowohl für das Modul zum Abbau der Zwangsstörung wie auch das Modul zur Verbesserung zwangstypischer sozialer Kompetenzdefizite. Aufgrund der wissenschaftlichen Konzeption des Buches erscheinen die Formulierungen sachlich und vergleichsweise kühl und distanziert, was für ein Manual kein Nachteil sein muss.
Das gesamte Erscheinungsbild und das Layout des Buches spricht professionell orientierte Leser an, die eine konkrete, wissenschaftliche und moderne Anleitung zur Behandlung von Zwängen mit überprüftem Arbeitsmaterial suchen und die an einem ökonomischen Zeitmanagement interessiert sind.