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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.12.2000
Wenig in dieser Untersuchung zur Rekatholisierung in deutschen Landen, so der Rezensent Wolfgang Reinhard, sei bahnbrechend neu. Dennoch wird dem Buch ein erhebliches Verdienst zugesprochen: hier werde "konsequent Geschichte aus der Sicht der Opfer geschrieben". Die These, dass der Hexenwahn in indirektem Zusammenhang mit der Rekatholisierung steht, werde bekräftigt. Reinhard sieht aber auch Probleme: einseitig werden seiner Ansicht nach "Vorurteile über den katholischen Monopolanspruch" bedient, die protestantischen Zwangsbeglückungen hingegen werden verschwiegen. Der Rezensent betont, dass die ganze Thematik heute fremd und anachronistisch anmute. Nicht einmal Ratzinger wolle heute noch jemanden zum ewigen Heil zwingen. Und mehr noch: womöglich hat "der heutige Mensch (...) gar kein Gewissen mehr".
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Kurzbeschreibung
Ein Glaube - ein Staat
Seit dem späten 16. Jahrhundert setzten die katholischen Fürsten ihre Konfession auch bei den protestantischen Untertanen durch. Dieser fundamentale Prozess hatte erhebliche Bedeutung für die Entwicklung des modernen Staates, bedeutet aber gleichzeitig einen tiefen Eingriff in das Leben der Betroffenen.Reformation und Konfessionalisierung veränderten die Lebenswelt der Menschen in grundlegender Weise. Ein fundamentaler, aber wenig bekannter Prozess innerhalb der Konfessionalisierung ist die Rekatholisierung protestantischer Untertanen. Auf der Grundlage des Augsburger Religionsfriedens, der die einheitliche Konfession als Staatsprinzip festschrieb, wurde seit den 1580er Jahren in den habsburgischen Staaten, den geistlichen Territorien und in Bayern das katholische Bekenntnis weitgehend mit Gewalt als allein gültige Konfession durchgesetzt.
Die Rekatholisierung war vor allem eine Aktion des sich entwickelnden modernen Staates. Die einheitliche Konfession war eine seiner wichtigsten Säulen; sie sicherte die Loyalität der Untertanen und ebnete Widerstandspotentiale ein. Wer sich zur katholischen Konfession bekannte und die Kirchengebote einhielt, bekannte sich damit auch zum absoluten Herrscher und zum Staat. Arno Herzig stellt die Rolle des Staates in den Mittelpunkt, geht aber auch darüber hinaus: Mit welchen theologischen und staatsphilosophischen Positionen wurden die verschiedenen Ziele und Strategien legitimiert? Welche Rolle spielten die Jesuiten und andere Reformorden? Wie verhielten sich die Betroffenen der Rekatholisierung? Welche Formen des Widerstands gab es? Arno Herzigs Buch beschreibt einen zentralen Schnittpunkt von staatlichen, kirchlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen und trägt damit auch zum generellen Verständnis der frühneuzeitlichen Geschichte bei.Dr. Arno Herzig ist Professor für Neuere Geschichte mit dem Schwerpunkt Frühe Neuzeit an der Universität Hamburg.