Wenig vermag dem Mitbürger ein solches Gruseln den Rücken herunter zu jagen wie die Fallgeschichten von Serienmördern, die aus dem Verborgenen heraus unschuldige Menschen niedermetzeln. Insofern ist Literatur über Serienmörder immer auch Unterhaltungsliteratur. Ob es dann auch noch zur Fachliteratur reicht, zeigen die wissenschaftlichen Fallkommentare, mit denen man versuchen kann, das Unerklärliche zu erklären.
Das vorliegende Buch gehört ganz uneingeschränkt in die Kategorie der Unterhaltungsliteratur und zwar in die des Horror-Schockers. Es handelt sich um eine Sammlung von Fallgeschichten im internationalen Kontext: amerikanische Nekrophile, russische Lustmörder, deutsche Menschenfresser, französische Psychopathen und viele andere mehr erhalten ihren anschaulichen Auftritt auf der Bühne des Schreckens, wobei der Autor wie etwa im Fall Tschikatilos (53 Morde ) auch vor blutigsten Details nicht zurückschreckt. Die sprachliche Gestaltung der Fallgeschichten ist gepflegte Handwerksarbeit auf dem Niveau eines Jerry Cotton-Romans, insgesamt aber sind die Fälle relativ anschaulich und entsprechend erschröcklich geschildert. Immer wieder wundert man sich über die Ungefährdetheit, mit der die Mörder, auch wenn sie bereits vorbestraft waren, ihrem Verbrechen nachgehen konnten. 17mal mordete Jeffrey Dahmer in den USA, und einmal half ihm sogar die Polizei ein halb betäubtes Opfer, das mit letzter Kraft nackt auf die Straße geflüchtet war, wieder in die Wohnung zu bringen. Opa Denke ermordete und verspeiste 30 Wanderburschen und Bettler in den Zwanziger Jahren, sammelte ihre 400 Zähne in einer Blechdose und trug Hosenträger aus Menschenhaut, ehe er nur zufällig aufflog. Dass übrigens nicht nur Männer Serienmörder sein müssen, belegt etwa der Fall von Aileen Wornos, die in Florida acht Männer bestialisch zusammenschoss und Maybrett Tinning, die in den USA in den siebziger Jahren ihre acht Kinder einfach umbrachte, ehe man ihr endlich beim neunten Kindstod den Mord nachweisen konnte. Und dass es immer nur die sexuellen Triebe sind, die einen Menschen zu Serienkiller werden lassen, scheint auch nicht wahr zu sein. So ermordete der französischen Arztes Petiot im besetzten Frankreich als scheinbarer Fluchthelfer Dutzende Juden, um deren Fluchthelfergeld für sich zu behalten. Wer sich also für die Abgründe menschlicher Mordgier interessiert, kann also mit dem Buch in der Hand tatsächlich einen düsteren Abend verleben. Die "wissenschaftlichen" Erklärungen mit all ihrem Psychologenquark und ihren banalen Zirkelschlüssen kann man allerdings getrost überlesen.