Was macht Senior Copywriter Boris Fust, wenn er feststellt, dass einfach nur Gras und Alkohol, obwohl ungemein breuhigend, auch nicht wirklich gluecklich machen, dass Eltern und Freunde immer noch regelmaessig mit ihrem Mensch-wann-wird-denn-mal-was Richtiges-aus-Dir- Gesabbel nerven und die meisten guten Frauen mittlerweile mit McKinsey-Beratern verheiratet sind? Er schreibt ein Buch. Sowas kann natuerlich anstrengend sein und wertvolle Zeit kosten, die man sonst mit Grasrauchen, Biertrinken und Polka-Metal spielen verbringen koennte. Nur gut, dass Fust aus seinen Taetigkeiten als eifriger Kolummnenschreibling und Intro-Texter ueber ein reiches Repertoire an einfachst neu abmischbaren Textbausteinen verfuegt.
Die hier verwendeten Blurps drehen sich hauptsaechlich um irgendwelche Klischees aus der Werbe/Journalismus-Nische oder die Rezension von mehr oder weniger alten Platten, meist Indie. Munter verwurschtelt Fust weiterhin alle moeglichen Sprueche, die schon zur Schul- und Studienzeit irgendwie cool waren, und allerlei Weltweisheit, die er wohl schon immer mal loswerden wollte. Mit in die Tunke wirft er gefuehlte 50.000 nods zu diesem und jenem mehr oder weniger bemerkenswerten Opus der juengeren Musik- und Literaturgeschichte. Das entstandene Wortwerk wird halbherzig durch eine vollkommen nebensaechliche Storyline zusammengehalten, deren einzige Funktion ist, dass das Ganze nicht irgendwo als schwer zu betitelnde Kolummnensammlung verstaubt, sondern als Roman vertickt werden kann.
Anfangs liest sich das sogar ganz unterhaltsam und ist durchaus geeignet, wohlige "Genau! So isses!"-Reaktionen zu triggern. Dabei aehnelt vieles von Fusts Schreibe aufgebratenem Katoffelbrei von gestern - trotz aller Muehe recht vorhersagbar und nichts, was irgendwelche Vorfreuden ausloesen koennte. Fust, sich sowohl seines Recycling-Problems als auch der Tatsache, dass Neues zu erfinden viel zu muehsam waere, offenbar vollkommen bewusst, sucht Witz und Originalitaet in blumigem und ausschweifendem Gebrabbel. Warum etwas auf 2 Seiten sagen, wenn man auch 25 dafuer benutzen kann? So laden viele Kapitel ausladenden Gefasels zum Ueberspringen ein. Nebenbei spuerte ich so manches Mal nicht uebel Lust, einen Piper-Editor zu verdreschen.
Dazu betreibt Fust Product-Placement mit der heutzutage nicht unueblichen Holzhammer-Methode. Wer, so fragt man sich beim Lesen, sind Mobserv, diese fantastische Metalband, deren geiles Untergrundkonzert Arne, der Protagonist des Buches, besucht und die zufaellig den gleichen Namen haben wie die Agentur, in der Arne als Praktikant arbeitet? Intelligenterweise ist es eine Band, in der Fust selbst die Drumsticks schwingt. In seinem Buch uebernimmt diesen Job der labile Agenturleiter Christoph. Frueher bezeichnete man solche Selbstbewerbung als gaehnend lahm, oder rettete sich in ein leise gehuesteltes "schizophren", heute nennt man das wohl "Gesamtkunstwerk".
In line mit anderen "Generation XYZ" Buechern ist Fusts erstes Buch in nostalgischer Selbstromantisierung sabbernd verstrickt und wuerde, wenn es denn koennte, sich vermutlich den ganzen Tag mit einer Selbstgedrehten im Mund und einer Flasche in der Hand vor den Spiegel stellen, sich selbstverliebt zuzwinkern und dabei gelegentlich "soooo sexy!" fluestern. Das hat durchaus was Kuenstlerisches. Ein Buch, dass von Buzz-words und Spruechen lebt anstatt vom Inhalt - so sinnleer wie ein Praktikum in der Werbebranche eben. Prost!