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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
30 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein bemerkenswerter Autor,
Von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) (HALL OF FAME REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Zwölf Ringe: Roman (Gebundene Ausgabe)
Juri Andruchowytsch ist uns bisher durch zwei Essay Bände bekannt geworden, „Das letzte Territorium" war der eine, „Mein Europa", mit dem Polen Andrzej Stasuik gemeinsam geschrieben, war der andere. Der Autor erzählt von dem österreichischen Fotografen Karl-Joseph Zumbrunnen, der gerne seine galizischen Wurzeln finden möchte und deshalb immer wieder in die Ukraine reist. Und in diesem Land herrscht zu dieser Zeit eine Gemengelage aus Armut, Verschwendung, Unordnung, Attraktivität. Und diese Form des postsozialistischen Aufbruchs interessiert ihn vielmehr, als die im Westen existierenden starren zivilisatorischen Formen. Bei einer dieser Reisen verliebt er sich in die bereits verheiratete Dolmetscherin Roma Woronytsch. Und als sie eines Tages in der Bahn sitzen da ist es Zeit für Andruchowytsch, seine Protagonisten vorzustellen. Das Personal, sechs Helden sind es, wird eingeführt. Dann treffen sie, in dem von einem Großkapitalisten finanzierten Sporthotel, auf einen Kongress. Hier kommt es bei den Verhandlungen zwischen einem Videofilmer, einem Fotograf, Bodyguards, zwei Nacktmodellen, dem Dichter Antonytsch und einigen gescheiterten Existenzen, die sich für Intellektuelle halten, zu einer Dissonanz der Stimmen, der Meinungen, der Attitüden. Und mit einer Beliebigkeit, die beeindruckend ist, setzt der Autor übergangslos Traumphantasien, Phantasmagorien und Sterbebilder nebeneinander. In Wirklichkeit steht im Hintergrund eine Vernichtungsgeschichte, die so viele Ruinen hinterlassen hat: Gefühlsruinen, Sprachruinen, Stadtruinen, Flussruinen. Es geht ihnen allen schrecklich dreckig. Und in diesem absoluten Chaos sieht Andruchowytsch als Dialektiker schon die Metamorphose für eine neue Zeit entstehen. Zuletzt stirbt der Held, und auch dieser Tod besteht in einem Missverständnis. Er möchte von Dieben nur das Foto seiner Geliebten zurück haben und die denken, er will sein Geld wieder haben. Und dafür wird er umgebracht. Und da der Autor uns häufig darüber informierte, dass der Fotograf das Wasser liebt, stirbt er im Wasser. Man denkt, jetzt ist alles vorbei, da bekommt er einen Astralleib und fliegt wie ein Vampir in die Luft und macht noch einmal einen sensationellen Flug über Europa, in seine Heimat Wien, landet am Stephansdom. Dort findet er sein Paradies. Und das sind dreißig Seiten, in denen wir sehen, wie die Geschichte weiter geht. Der Roman „Zwölf Ringe" ist eine überbordende Inszenierung einer Form von okkultistischem Realismus, wie man ihn hauptsächlich in Osteuropa zur Zeit findet. Das Buch ist von einem grenzenlosen Optimismus getragen, ganz im Gegenteil zu der Geschichte dieses dunklen Kontinents Mitteleuropa, in dem die Menschen ein Jahrhundert entweder vor den Deutsche oder vor den Russen davongelaufen sind. Aber spätestens am Schluss merkt man dann doch, der Autor hat in seinem postmodernen Roman im Kern vom Westen erzählt. Das ist wieder seit langem ein Buch, was durchgehend illusionskritisch erzählt, das nicht ein verlorenes Paradies beschwört , also in keiner Form nostalgisch ist, dafür mitreißend, mit viel Intelligenz und Ironie, selbstreflexiv erzählt. Ein sehr vitaler Text. Es ist ein exorbitantes Vergnügen, sich in diesem Gemenge brillanter Einfälle zu Recht zu finden. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ein regionaler und doch europäischer Roman,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwölf Ringe: Roman (Gebundene Ausgabe)
In "Zwölf Ringe" geht es um ... womit beginnen?Da wäre der tragische Held Karl-Joseph Zumbrunnen, ein Österreicher, den es in den neunziger Jahren immer wieder in den galizischen Teil der Ukraine zieht, in die Karpaten, wobei sowohl die Landschaft und die von ihr beeinflussten Menschen als auch seine Dolmetscherin Roma diese Anziehung ausmachen. In einem geschichtsträchtigen Hotel in den Karpaten findet sich eine seltsam gemischte Gesellschaft: der österreichische Fotograf Zumbrunnen, Roma mit ihrem Mann und ihrer fast erwachsenen Tochter, ein Videofilmer, zwei Stripperinnen und nicht zuletzt der Geist eines Wegbereiters der modernen ukrainischen Literatur, Antonytsch. Entsprechend vielschichtig präsentieren sich die Handlung, oft sehr konkret, dann wieder mystisch-abstrakt, und die Sprache, wo nötig, alltäglich, banal und auch vulgär, oder wiederum überraschend lyrisch. Es geht vor allem um die Verständigung von Mensch zu Mensch, bei der sprachlich, kulturell, charakterlich und intellektuell bedingte Unterschiede Grenzen setzen, sowie die Verständigung zwischen dem Menschen und seiner Umwelt, die bedrohlich sein kann und in die er doch fest eingebettet ist. Hierzu bildet die wildromantische Karpatenlandschaft einen perfekt eingepassten Hintergrund. Nicht zuletzt porträtiert Andruchowytsch auch die Ukraine selbst auf ihrem schmerzlichen Weg zur Selbstständigkeit, der von skrupellosen Neureichen, prosowjetischen Kräften und unzähligen gestrandeten Existenzen gesäumt wird. Das Karpatenvolk der Huzulen liefert einen folkloristisch-bunten Rahmen. Die naive Faszination des österreichischen Protagonisten, seine zunehmende Verstrickung in das Schicksal der Region und ihrer Menschen und sein letztlich tödliches Scheitern verleihen dem Roman eine über Galizien und die Ukraine hinausgehende, europäische Komponente. Die Vielfalt an Symbolen - Antonytschs "zwölf Ringe des Frühlings" ziehen sich tonangebend durch das ganze Werk -, Gleichnissen und literarischen Anspielungen ist kaum zu übertreffen. Ein Lob an die Übersetzer darf hier nicht fehlen, denn die gekonnte Übertragung der erwähnten, auch sprachlichen Vielschichtigkeit und der zahlreichen Wortspiele aus einer slawischen in die deutsche Sprache stellt sicherlich eine Meisterleistung dar. Wenn ich trotz der Begeisterung für einen außergewöhnlichen Roman einen Stern abziehe, dann ganz subjektiv dafür, dass mir die gesamte Darstellung gelegentlich doch überfrachtet und aus den Fugen geraten scheint - auch wenn dies möglicherweise zur Intention des Autors gehört. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
1 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
eher schlecht,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zwölf Ringe: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Dieses Buch hat mich geärgert, und ich habe die Lektüre nach einigen Kapiteln aufgegeben. Die Charaktere sind unverständlich, und der assoziative Schreibstil des Autors ist verwirrend. Die Handlung ist langweilig. Alles was offensichtlich originelle Ideen sein sollen, wirkt abgeschmackt. Ein Buch, das nicht lustig ist.
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