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Der Autor erzählt von dem österreichischen Fotografen Karl-Joseph Zumbrunnen, der gerne seine galizischen Wurzeln finden möchte und deshalb immer wieder in die Ukraine reist. Und in diesem Land herrscht zu dieser Zeit eine Gemengelage aus Armut, Verschwendung, Unordnung, Attraktivität. Und diese Form des postsozialistischen Aufbruchs interessiert ihn vielmehr, als die im Westen existierenden starren zivilisatorischen Formen. Bei einer dieser Reisen verliebt er sich in die bereits verheiratete Dolmetscherin Roma Woronytsch. Und als sie eines Tages in der Bahn sitzen da ist es Zeit für Andruchowytsch, seine Protagonisten vorzustellen. Das Personal, sechs Helden sind es, wird eingeführt. Dann treffen sie, in dem von einem Großkapitalisten finanzierten Sporthotel, auf einen Kongress. Hier kommt es bei den Verhandlungen zwischen einem Videofilmer, einem Fotograf, Bodyguards, zwei Nacktmodellen, dem Dichter Antonytsch und einigen gescheiterten Existenzen, die sich für Intellektuelle halten, zu einer Dissonanz der Stimmen, der Meinungen, der Attitüden.
Und mit einer Beliebigkeit, die beeindruckend ist, setzt der Autor übergangslos Traumphantasien, Phantasmagorien und Sterbebilder nebeneinander. In Wirklichkeit steht im Hintergrund eine Vernichtungsgeschichte, die so viele Ruinen hinterlassen hat: Gefühlsruinen, Sprachruinen, Stadtruinen, Flussruinen. Es geht ihnen allen schrecklich dreckig. Und in diesem absoluten Chaos sieht Andruchowytsch als Dialektiker schon die Metamorphose für eine neue Zeit entstehen.
Zuletzt stirbt der Held, und auch dieser Tod besteht in einem Missverständnis. Er möchte von Dieben nur das Foto seiner Geliebten zurück haben und die denken, er will sein Geld wieder haben. Und dafür wird er umgebracht. Und da der Autor uns häufig darüber informierte, dass der Fotograf das Wasser liebt, stirbt er im Wasser. Man denkt, jetzt ist alles vorbei, da bekommt er einen Astralleib und fliegt wie ein Vampir in die Luft und macht noch einmal einen sensationellen Flug über Europa, in seine Heimat Wien, landet am Stephansdom. Dort findet er sein Paradies. Und das sind dreißig Seiten, in denen wir sehen, wie die Geschichte weiter geht.
Der Roman „Zwölf Ringe" ist eine überbordende Inszenierung einer Form von okkultistischem Realismus, wie man ihn hauptsächlich in Osteuropa zur Zeit findet. Das Buch ist von einem grenzenlosen Optimismus getragen, ganz im Gegenteil zu der Geschichte dieses dunklen Kontinents Mitteleuropa, in dem die Menschen ein Jahrhundert entweder vor den Deutsche oder vor den Russen davongelaufen sind. Aber spätestens am Schluss merkt man dann doch, der Autor hat in seinem postmodernen Roman im Kern vom Westen erzählt.
Das ist wieder seit langem ein Buch, was durchgehend illusionskritisch erzählt, das nicht ein verlorenes Paradies beschwört , also in keiner Form nostalgisch ist, dafür mitreißend, mit viel Intelligenz und Ironie, selbstreflexiv erzählt. Ein sehr vitaler Text.
Andruchowytsch ist Lyriker, und das liest man dem Text auf jeder Seite an, wirklich brillante lyrische Formulierungen, virtuos, ungeheuer spannend.
Es ist ein exorbitantes Vergnügen, sich in diesem Gemenge brillanter Einfälle zu Recht zu finden.
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