Im Mittelpunkt dieses Sammelbandes voller Nischen-, Hintergrund- und Abschlussgeschichten rund um die Kriminalfälle der fünf Vorgängerbände steht: Simon Polt, Radl fahrender Gendarmerieinspektor, beschaulich, in sich ruhender Einzelgänger und einziger Angestellter seines Katers Cernohorsky. Ihn, den dann und wann verstockten, leicht depressiven und seinem leichten Hang zum Phlegmatischen gerne nachgebenden zieht aus nicht nur von Berufs wegen, sondern auch aus Neigung an die Ränder und in die Grauzonen des dörflichen und nur scheinbar beschaulichen Lebens. Hier im Wiesbachtal kennt halt jeder jeden und jeder traut jedem alles und wiederrum gar nichts zu. Vor allem dann, wenn es um die zwei wichtigsten Dinge im Tal - dunkle menschliche Abgründe und Wein - geht, dann wird auch der Gesprächigste taub und stumm.
Aber eigentlich passiert ja auch nicht viel in Brunndorf und Umgebung: mal fährt halt mal ein stockbesoffener Weinbauer nach einer Verkostung einen tot, mal ertrinkt ein deutscher Journalist in der Maische oder ein japanischer Tourist in einem Weinfassl, mal wird Cernohorsky des Diebstahls überführt und ab und zu will sich halt mal irgendjemand bei irgendwem wegen irgendwas rächen. Und immer geht es rückblickend und abschließend um frühere Fälle des Inspektors. Diese Anthologie spannt einen weiten zeitlichen und auch inhaltlichen Bogen des Protagonisten, vom ersten Arbeitstag des jungen Inspektors bis hin zu vielem Privatem. So ergibt sich für Alfred Komarek die Möglichkeit die Charaktere der Wiesbachtaler über einen langen Zeitraum weiter zu entwickeln - und er nutzt diese Chance: Selten kann man in einem einzigen Buch eine derartige Entwicklung der Figuren - wie der allwissenden Gemischtwarenhändlerin Frau Habesam, dem Winzer Franz Höllenbauer, Karin Walter, der Frau an Polts Seite und natürlich seinem Kater Czernohorsky - erleben!
Lassen sich also mit Simon Polt, diesem sympathischen, leicht depressiven und vor allem trinkfreudigsten Dorfgendarmen Europas, wenn nicht sogar des niederösterreichischen Weinviertels mit seinem unnachahmlichen Gespür für Land und Leute durch die Zeit treiben; und das am besten mit einem Glaserl Blauberger oder Veltliner dazu!