Wichtige Grundlagen der Pädagogik sind u.a. Psychologie und Biologie.
Die wenigsten Pädagogen bzw. Erziehungswissenschaftler jedoch kennen diese Bereiche wirklich (haben sie genauso studiert wie die paar Semester Erziehungswissenschaft).
Daher entsteht häufig bei den Meyers, Freys, Gudjohns, Dubs und sonstigen Scheinexperten der Eindruck, sie schwimmen in heuristischem Flachwasser und stehen mit beiden Beinen fest im Sumpf des ewigen Abschreibens.
Auch wenn er vor einigen Jahren verstorben ist, so ist Hans Aebli auch heute noch vielzitierter und anerkannter Kognitionspsychologe mit massiver beruflicher Reputation als Leiter eines psychologischen Institus. Er hatte dazu langjährige Praxiserfahrung als Lehrer, und ist somit eine Ausnahmeerscheinung im pädagogischen Establishment. Hier schreibt ein empirisch geprägter Wissenschaftler der selbstkritisch forscht und kein substanzloser Verkäufer oder Wiederkäuer eigener oder fremder Ideen.
Er kann jede seiner Thesen anschaulich und für Laien verständlich bis ins Tiefste erklären, begründen und auch empirisch durch Studien absichern, was in dieser "Geisteswissenschaft" zumindest in Deutschland wirklich äußerst selten ist. Er verbindet das mit aussergewöhnlich detaillierten Praxiserfahrungen als Lehrer und scharfem Auge bei der Beobachtung seiner Schüler.
Ich habe ausserordentlich viel von ihm lernen können, große Sicherheit gewonnen und viele Grundfragen in der Tiefe durchdacht. Ein wirklicher Lehrmeister also. Und wenn man genauer nachhaken möchte (z.b.: Wie entsteht ein Begriff beim Lernenden, Wie bilde ich eine Wissensnetz aus, Welche Rolle spielt Mathematik, Musik oder das Vorlesen beim Lernen) so kann man noch viel weiter einsteigen in sein psychologisches Meisterwerk "Denken: Das Ordnen des Tuns".
Ein jeder Referendar braucht in diesem Pädagogik-Sumpf einen unverrückbaren Anker, mithilfe dessen er den fiesesten Fragen und Behauptungen von Seminarleitern oder Kollegen in seinen Prüfungen standhalten kann.
Dieses Buch ist so ein Anker, mehr noch, es ist ein Fels in der Brandung. Es ist zeitlos und wird auch dann noch Antworten geben, wenn die Modewellen des Handlungsorientierten Unterrichts, des kooperativen Lernens oder das haltlose Konstruktivismus-Geblubber der Pädagogik-Gurus über uns hinweggespült sind und wir sehen, das es doch alles zu 90% nur Schaum war. Das Fundament finden Sie hier.
Es gibt dann natürlich auch den Nachteil, dass Aebli sehr gründlich und detailliert beschreibt und man sich sehr konzentrieren sollte, um die Tiefe seiner Antworten zu verstehen. Leider sind viele Lehrer nicht so veranlagt, dass sie sich in der Tiefe mit dem eigenen Fach beschäftigen wollen. Daher empfinden viele Herrn Aeblis Stil als anstrengend und lesen nur 10-25% des Buches. Das sie dann nicht verstehen, liegt auf der Hand. Ich empfehle, sich für dieses Schwergewicht 2 Wochen intensiv Zeit zu nehmen und keine Todo-Listen nach 10 Seiten oder ein kritikfreies Jubelbuch ala Brüning/Saum zu erwarten. Der Lohn ist eine neue Sicht auf die eigene Tätigkeit und eine hohe Selbstsicherheit bei der zukünftigen Unterrichtsplanung und Beurteilung neuer Modewellen.