Kurzbeschreibung
Essad Bey, kränkliches Kind eines Ölmillionärs aus Baku, Azerbaidschan, erhält von seinem Vater die Erlaubnis, den Sommer zusammen mit seinem Milchbruder (d.h. dem ehemaligen Mit-Säugling seiner kaukasischen Amme) Ali-Bey zur Erholung in dessen Heimatdorf im wilden Kaukasus zu verbringen. So machen sie sich, in der Obhut eines weisen Dieners, auf den Weg in jene archaische Welt, in der Ritterlichkeit mehr zählte als Wirtschaftskraft und Dichter höher angesehen waren als Fürsten in das Land, das alles Verschollene und Vergessene wie eine Raritätensammlung der Weltgeschichte getreu konserviert hatte. Dies ist Essad Beys zweites Buch, das erstmals 1930 erschienen ist. In ihm entfaltet der Autor mithilfe seiner orientalischen Imaginationskraft ein groß angelegtes Panorama des Kaukasus, seiner Völker, Sitten und Bräuche. So entstand ein atmosphärisch dichtes und frisches, wenn auch nicht unbedingt wissenschaftlich akkurates Werk. Mit manch märchenhaftem Einschub gelingt es dem Autor, Geist und Herz jener archaischen Welt lebendig werden zu lassen, die er als Kind erlebt und lieben gelernt hat.
Über den Autor
Geboren 1905 in Baku, Aserbaidschan als Lev Nussimbaum. Jüdische Eltern. Vater: Ölmillionär, Mutter: russische Revolutionärin. 1917 Flucht vor den Bolschewiken über die Türkei, Italien und Frankreich nach Deutschland. In Berlin Übertritt zum Islam. Ab 1926 Mitarbeit bei
Die Literarische Welt; 1929/1930 Veröffentlichung von
Öl und Blut im Orient. Innerhalb der nächsten 10 Jahre 14 weitere Bücher, die alle in fremde Sprachen übersetzt wurden. 1937 und 1938 zwei Romane unter dem Pseudonym
Kurban Said, darunter der Welterfolg (
Ali und Nino). Ab 1938 Exil in Italien. 1942 Tod, mit nur 36 Jahren.
Der amerikanische Autor Tom Reiss hat die vielbeachtete Biografie Essad Beys vorgelegt. Titel: Der Orientalist