Beim Psychiatrie-Verlag erschien erst kürzlich das Buch "Psychose und Partnerschaft". Ich habe es bestellt, weil ich Anregungen erhoffte für den ganz normalen Alltag. Es las sich sehr gut. In einer unkomplizierten Sprache spricht es eine Vielzahl von Problemen an, die in einer Partnerschaft oder auch Familie auftauchen können, wenn jemand psychosekrank wird. Die oft immensen Schwierigkeiten werden benannt. Schon das ist hilfreich, bleibt in einem doch vieles stecken, wenn man eine Psychose erlebt hat und kommt einfach nicht nach außen. Hier im Buch fühlt man sich verstanden. Und es werden sehr unterschiedliche Möglichkeiten aufgezählt, wie man Konflikte durch Krankheitsfall lösen kann. Das Gespräch spielt da vielleicht die Hauptrolle. Die Autoren machen immer wieder darauf aufmerksam, daß die Partner sich als gleichberechtigte Personen begegnen müssen, der kranke Partner darf nicht entmündigt werden. Das hat zur Folge, daß auch der gesunde Partner von seinen Verletzungen reden darf, denn die treten ebenso auf wie die beim sehr dünnhäutigen kranken Partner. "Es geht gleichwohl bei der Auseinandersetzung mit der Verletzung nicht um eine Schuldfrage, denn es ist völlig klar, daß der Kranke auf Grund seiner Krankheit so gehandelt hat. Vielmehr geht es darum, die Gefühle des verletzten Partners anzuerkennen und ihnen Raum zu geben." Es werden die Fragen angesprochen, die im Falle einer Klinikseinweisung auftreten, wenn der kranke Partner sich verraten fühlt. Ein großes Gewicht erhält das gemeinsame Wahrnehmen der Frühwarnzeichen. Und immer wieder wird betont, daß der kranke Partner es lernen muß, sich an Absprachen zu halten. So kann es unter Umständen auch gelingen, eine Psychose zu Hause durchzustehen. Sicher wird das beim erstmaligen Ausbruch einer Psychose kaum möglich sein. Aber falls das Geschehen sich wiederholt, kann man erfahren damit umgehen. Die besondere Verantwortung wird thematisiert, die ein Paar hat, wenn einer von beiden krank ist und Kinderwunsch besteht. Immer sollte klar sein, wer für die Kinder da ist, wenn eine Psychose ausbricht. "Das Wohl der Kinder steht vor dem Wohl des Erkrankten, denn dieser bleibt in seiner Elternverantwortung, auch wenn er krank geworden ist." An Beispielen wird anschaulich gemacht, welche schier unlösbaren Probleme es geben kann, aber auch welche behutsamen Wege es gibt, die Probleme zu meistern. Nicht nur Partnerschaftsprobleme werden angesprochen. Auch der Umgang mit Nachbarn, mit Arbeitskollegen, mit dem Vorgesetzten werden thematisiert. Immer wieder geht es den Autoren um die Behutsamkeit, die von allen Seiten beachtet werden muß, um Konflikte zu lösen. "Je intensiver die Partner sich in gesunden Zeiten über die Krankheit ausgetauscht haben, desto sicherer wird sich der gesunde Partner als Psychosebegleiter sehen." Eine durchgestandene Krise kann zu enger Bindung der Partner aneinander führen. Es muß also nicht die Zerstörung der Beziehung am Ende stehen, wenn ein Partner psychosekrank ist. Die Autoren wissen, wovon sie sprechen, denn sie schreiben aus eigener Erfahrung.