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Zusammen ist man weniger allein
 
 
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Zusammen ist man weniger allein [Taschenbuch]

Anna Gavalda , Ina Kronenberger
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (274 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Anna Gavalda ist eine Art literarische Fachfrau fürs Verlassen und Verlassenwerden, für missglückte Leben und Lieben -- Lieben, in denen sich nicht zuletzt die Dinge selbst gegen zwischenmenschliche Beziehungen verschwören. In ihrem Überraschungserfolg Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet waren es unter anderem ein Handy, ein Sportwagen und ein IKEA-Bett, die das Zusammenleben zwischen Mann und Frau auf recht unterschiedliche Arten und Weisen zumindest im Wege standen. Und in dem Nachfolgeband Ich habe sie geliebt muss die Protagonistin erfahren, dass sie sich mit ihrem Mann (wegen eines knarrenden Bettgestells) wohl allzu diskret geliebt hat, um ihr gegenseitiges Begehren über die Jahre zu retten. In Gavaldas -- im Übrigen wieder einmal wundervoll einfühlsam von Ina Kronenberger ins Deutsche übertragenen -- Roman Zusammen ist man weniger allein nun geht es einmal mehr um die Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit: an Hand von Menschen, die in einer Pariser Wohngemeinschaft eher zufällig zusammengekommen sind.

Da ist der schüchterne Philibert, von Geburt her von Adel, aber im Verhältnis zu Frauen eher ein Kretin: ganz im Gegensatz zu Franck, einem gutmütigen Koch, der seine geliebte, schon etwas sehr altersschwache Großmutter Paulette durchs Leben bringt. Und da ist natürlich noch Camille, die den Gaumenfreuden Francks krankhaft widersteht -- und im Alltag zwar als Putzfrau arbeiten muss, eigentlich aber eine künstlerische Karriere verdient hätte. Eine verrückte Vierergruppe, die das Leben zusammengespült hat.

Zusammen ist man weniger allein ist eine Art moderner Variante von Goethes Wahlverwandtschaften, wobei nie so ganz sicher ist, ob die Chemie zwischen den Figuren stimmt, und eigentlich auch ohne Wahl. Aber es ist nicht nur dicker, sondern auch etwas fröhlicher und glücklicher als Gavaldas frühere Bücher. Und das tut der Geschichte keinen Abbruch -- ganz im Gegenteil. Überaus vergnüglich, witzig, und nur manchmal traurig. --Stefan Kellerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"Anna Gavalda erzählt so genau, klug und witzig [von der Liebe], dass die 550 Seiten viel zu schnell ausgelesen sind und man noch lange nicht von diesem Buch lassen möchte."
BRIGITTE

Kurzbeschreibung

Philibert ist zwar ein historisches Genie, doch wenn er mit Menschen spricht, gerät er ins Stottern. Camille, magersüchtig und künstlerisch begabt, arbeitet in einer Putzkolonne, und Franck schuftet als Koch in einem Feinschmeckerlokal. Er liebt Frauen, Mototrräder und seine Großmutter Paulette, die keine Lust aufs Altersheim hat. Vier grundverschiedene Menschen in einer verrückten Pariser Wohngemeinschaft, die sich lieben, streiten und versuchen, irgendwie zurecht zu kommen.

Über 50 Wochen auf der Spiegel - Bestsellerliste

Über den Autor

Anna Gavalda, Jahrgang 1970, ist auf dem Land aufgewachsen, hat in Paris Literatur studiert und arbeitete als Französischlehrerin. Sie veröffentlichte ihr erstes Buch in einem kleinen Verlag und avancierte damit zum Star der französischen Literaturszene. Anna Gavalda ist geschieden und lebt mit ihren beiden Kindern in der Nähe von Paris.

Auszug aus Zusammen ist man weniger allein von Anna Gavalda, Ina Kronenberger. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Aus dem Französischen von Ina Kronenberger

In den ersten Tagen kam Paulette nicht aus ihrem Zimmer. Sie hatte Angst zu stören, sie hatte Angst, sich zu verlaufen, sie hatte Angst zu fallen (sie hatten ihr Wägelchen vergessen), und vor allem hatte sie Angst, ihre Kurzschlußhandlung zu bereuen.
Oft kam sie durcheinander, redete davon, daß sie sehr schöne Ferien verbringe, und fragte, wann sie die Absicht hätten, sie wieder nach Hause zu bringen.
"Wo soll das sein, dein Zuhause?" regte Franck sich auf.
"Das weißt du doch, zu Hause, bei mir..."
Seufzend ging er aus dem Zimmer:
"Ich hab euch ja gesagt, das ist eine Schnapsidee. Jetzt dreht sie völlig durch."
Camille sah Philibert an, und Philibert sah woandershin.

"Paulette?"
"Ah, du bist's, Kleines. Du... Wie heißt du noch?"
"Camille."
"Genau. Was möchtest du, Liebes?"

Camille redete Klartext mit ihr, unverblümt. Erinnerte sie daran, woher sie kam, warum sie bei ihnen war, was die drei an ihrem Lebenswandel schon geändert hatten und noch ändern würden, um bei ihr zu sein. Sie erwähnte noch unzählige weitere einschneidende Details, die die alte Dame völlig hilflos machten:
"Dann werde ich also nie mehr nach Hause zurückkehren?"
"Nein."
"Nein?"
"Kommen Sie mit, Paulette."
Camille nahm sie bei der Hand und machte noch einmal eine Führung. Langsamer dieses Mal. Sie klopfte alles noch mal fest:
"Das hier sind die Toiletten. Sehen Sie, Franck ist dabei, Griffe an der Wand zu montieren, damit Sie sich daran festhalten können."
"Unfug", brummte er.

"Das hier ist die Küche. Ganz schön groß, oder? Und kalt. Deshalb habe ich gestern den Teewagen geflickt. Damit Sie in Ihrem Zimmer essen können..."
"... oder im Salon", stellte Philibert klar, "Sie müssen sich nicht den ganzen Tag einschließen, wissen Sie?"
"Gut, der Flur, der ist sehr lang, aber Sie können sich an der Wandtäfelung festhalten, nicht wahr? Wenn Sie Hilfe brauchen, gehen wir in die Apotheke und leihen uns ein Wägelchen aus."
"Ja, das wäre gut."
"Kein Problem! Einen Motorradfahrer haben wir ja schon im Haus."
"Hier, das Badezimmer. Und da müssen wir uns ernsthaft unterhalten, Paulette. Setzen Sie sich auf den Stuhl... Schauen Sie sich um. Sehen Sie, wie schön es ist?"
"Sehr schön. So was habe ich in meiner Gegend noch nie gesehen."
"Gut. Und wissen Sie, was Ihr Enkel und seine Freunde morgen machen?"
"Nein."
"Sie werden es verwüsten. Sie werden für Sie eine Duschkabine einbauen, weil die Badewanne zum Hineinsteigen zu hoch ist. Bevor es also zu spät ist, müssen Sie sich endgültig entscheiden. Entweder Sie bleiben hier, und die Jungs machen sich an die Arbeit, oder aber Sie haben keine rechte Lust zu bleiben - kein Problem, Sie entscheiden, wie Sie wollen, Paulette -, aber dann müssen Sie es uns jetzt sagen, verstehen Sie?"
"Verstehen Sie?" wiederholte Philibert.
Die alte Dame seufzte, spielte einige Sekunden, die ihnen wie eine Ewigkeit vorkamen, mit dem Zipfel ihrer Strickjacke, hob dann den Kopf und fragte besorgt:
"Habt ihr an den Schemel gedacht?"
"Pardon?"
"Ich bin nicht behindert, wißt ihr? Ich kann sehr wohl allein duschen, aber ich brauche einen Schemel, sonst..."
Philibert tat, als notierte er es auf dem Handteller:
"Einen Schemel für die Dame am Ende des Flurs! Ist vermerkt! Was noch, bitte sehr?"
Sie lächelte:
"Sonst nichts."
"Sonst nichts?"
Dann legte sie los:
"Doch. Ich hätte gern meinen Télé Star, meine Kreuzworträtsel, meine Stricknadeln und Wolle für die Kleine, eine Dose Niveacreme, weil ich meine vergessen habe, Bonbons, ein kleines Radio auf dem Nachttisch, Brausetabletten für mein Gebiß, Strumpfhalter, Hausschuhe und einen wärmeren Morgenmantel, weil es hier überall zieht, Vorlagen, Puder, mein Parfümfläschchen, das Franck neulich vergessen hat, ein zweites Kopfkissen, eine Lupe und auch, daß ihr meinen Sessel näher ans Fenster stellt, und..."
"Und?" fragte Philibert besorgt.
"Und das war's."
Franck, der sich mit seinem Werkzeugkasten zu ihnen gesellt hatte, schlug seinem Kollegen auf die Schulter:
"Verflucht, Alter, jetzt haben wir zwei Prinzessinnen im Haus."
"Vorsicht!" schimpfte Camille, "du verteilst hier überall Staub."
"Und hör bitte auf, so zu fluchen!" fügte seine Großmutter hinzu.

Er schlurfte davon:
"Oooh Verflixxxxt und zugenääääht. Das wird was geben. Das geht nicht gut, Kumpel, das geht nicht gut. Ich mach mich wie-der auf zur Arbeit, dort ist es ruhiger. Wenn jemand einkaufen geht, bringt mir Kartoffeln mit, damit ich euch Gehacktes machen kann. Und die richtigen diesmal, habt ihr gehört! Ihr müßt genau hinschauen. Mehlige Kartoffeln. Das ist doch nicht schwer, das steht drauf auf dem Netz."

"Das geht nicht gut, das geht nicht gut", hatte er vorausgesagt und lag mit seiner Einschätzung ziemlich daneben. Im Gegenteil, es war ihnen noch nie im Leben so gut gegangen.

So ausgedrückt, klang es ein wenig albern, aber nun, es entsprach der Wahrheit, und es war lange her, daß ihnen Lappalien etwas anhaben konnten: Zum ersten Mal und alle miteinander hatten sie das Gefühl, eine echte Familie zu haben.
Besser noch als eine echte, eine selbstgewählte, eine gewollte, eine, für die sie sich eingesetzt hatten und die nichts weiter forderte, als daß sie zusammen glücklich waren. Nicht einmal glücklich, so vermessen waren sie gar nicht mehr. Zusammenzusein war alles. Und schon mehr als erwartet.

[ ... ]

Paulette wurde immer als erste wach und wartete darauf, daß ihr einer der Jungen das Frühstück ans Bett brachte. Wenn Philibert diese Aufgabe zufiel, geschah es stets auf einem Tablett mit Zukkerzange, einer bestickten Serviette und einem kleinen Milchkännchen. Er half ihr anschließend beim Aufstehen, schüttelte ihre Kopfkissen aus und zog die Vorhänge auf, wobei er eine kleine Bemerkung über das Wetter fallenließ. Noch nie war ein Mann ihr gegenüber so zuvorkommend gewesen, und so kam es, wie es kommen mußte: Sie begann, auch ihn zu vergöttern. Wenn Franck an der Reihe war, fiel es... eh... rustikaler aus. Er stellte ihr eine Schale Malzkaffee auf den Nachttisch, rutschte ihr schnell mit seinem Stoppelbart über die Wange und fluchte, weil er schon wieder zu spät dran war.
"Mußt du nicht pinkeln?"
"Ich warte auf die Kleine."
"He, Omi, is gut jetzt. Laß sie in Ruhe! Vielleicht schläft sie noch 'ne Stunde! Du wirst dich doch nicht so lange zurückhalten."
Unerschütterlich wiederholte sie:
"Ich warte auf sie."
Franck zog grummelnd davon.
Na gut, dann wart halt auf sie. Wart auf sie. Gemein ist das, alles dreht sich nur noch um dich. Ich wart auch auf sie, verdammte Scheiße! Was muß ich denn anstellen? Muß ich mir beide Beine brechen, damit sie mir auch schöntut? Die geht mir auf den Zeiger, unsere Mary Poppins, geht mir echt auf den Zeiger.

In dem Moment kam sie aus ihrem Zimmer und streckte sich:
"Was knurrst du schon wieder?"
"Nix. Ich wohn mit Prinz Charles und Schwester Emmanuelle zusammen und bin tierisch gut drauf. Aus dem Weg, ich bin spät dran. Ach, übrigens?"
"Was?"
"Gib mir mal deinen Arm. Sehr gut!" sagte er belustigt, während er sie befühlte. "Alle Achtung, du Mops. Aufgepaßt, sonst wirst du bald vernascht..."
"Nicht im Traum, Herr Küchenmeister. Nicht im Traum."
"Aber ja, mein Täubchen, doch, doch."
Ja, die Welt war viel fröhlicher.

Mit der Jacke unterm Arm kam er zurück:
"Nächsten Mittwoch..."
"Was nächsten Mittwoch?"
"Da ist Faschingsmittwoch, am Dienstag hab ich nämlich zuviel zu tun, da wartest du mit dem Abendessen auf mich."
"Bis Mitternacht?"
"Ich will versuchen, früher zu kommen, und ich werde dir Faschingscrêpes machen, wie du sie noch nie im Leben gegessen hast."
"Ah! Ich hab schon Angst gekriegt! Ich dachte, du hättest dir den Tag ausgesucht, um mich zu vernaschen!"
"Ich mach dir Crêpes, und hinterher vernasch ich dich."
"Perfekt."

[ ... ]

Camille ging anschließend mit ihrem Tee zu ihr. Sie setzte sich aufs Bett, zog an der Daunendecke, und gemeinsam warteten sie, bis die Jungs gegangen waren, um sich eine Verkaufssendung anzusehen. Sie waren verzückt, glucksten, lachten über die Kleider der Weiber, und Paulette, die den Übergang zum Euro noch nicht verinnerlicht hatte, wunderte sich darüber, wie günstig das Leben
in Paris war. Die Zeit existierte nicht mehr, dehnte sich träge vom Teekessel zum Monoprix und vom Monoprix zum Zeitungsverkäufer.
Sie fühlten sich wie im Urlaub. Dem ersten seit Jahren für Camille und dem ersten überhaupt für die alte Frau. Sie verstanden sich gut, ohne viel Worte, und wurden beide jünger, je länger die Tage wurden.

[ ... ]

Und jeden Freitag, am frühen Morgen, wenn die Stadt erwachte, setzte sie Paulette ganz zerknautscht ans Busfenster und hielt Paris by day fest, indem sie im Vorbeifahren - in ihr Heft und je nach Stau - ein Pudelpaar mit Burberry-Mantel auf dem Pont Royal einfing, das Hackfleischmuster der Mauern des Louvre, die Käfige und die Buchsbäume des Quai de la Mégisserie, den Sockel des Genies der Bastille oder den oberen Teil der Familiengrüfte auf dem Friedhof Père-Lachaise, anschließend las sie von schwangeren Prinzessinnen und verlassenen Sängern, während ihre Freundin unter der Trockenhaube strahlte. Sie aßen in einer Kneipe an der Place Gambetta. Nicht im Gambetta, das für ihren Geschmack zu hip war, sondern in der Bar du Métro, die nach kaltem Rauch, nach gescheiterten Millionären und gereizter Bedienung roch.

Paulette, die sich ihres Katechismus erinnerte, nahm jedesmal eine gebackene Forelle mit Mandeln, und Camille, die keine moralischen Bedenken kannte, biß in einen Croque-Monsieur und schloß dabei die Augen. Sie bestellten einen Krug Wein, na klar, und stießen von Herzen damit an. Auf uns! Auf dem Nachhauseweg setzte sie sich ihr gegenüber und malte exakt dieselben Dinge, nur mit dem Blick auf eine kleine schmucke, übermäßig herausgeputzte Dame, die sich nicht gegen die Scheibe zu lehnen wagte, aus Angst, ihre blaßlila Löckchen plattzudrücken. (Johanna, die Friseuse, hatte sie davon überzeugt, eine andere Farbe zu nehmen: "Dann sind Sie also einverstanden? Ich nehme für Sie eine aschblonde Opaline, ja? Sehen Sie, Nummer 34, hier." Paulette wollte Camille mit Blicken befragen, aber diese war in eine Geschichte über eine mißglückte Fettabsaugung vertieft. "Wirkt das nicht ein wenig traurig?" fragte sie beunruhigt. "Traurig! Überhaupt nicht! Im Gegenteil, richtig fröhlich!")
In der Tat, das... das war das Wort. Es wirkte sehr fröhlich, und noch am selben Tag stiegen sie an der Ecke zum Quai Voltaire aus, um bei Sennelier Künstlerbedarf unter anderem einen kleinen Topf Aquarellfarbe zu kaufen.
Paulettes Haare waren von einem stark verdünnten Rosa mit Goldstich zu einem Windsor-Violett übergegangen.
Ah! Es war sofort viel schicker.

An den übrigen Tagen stand der Monoprix auf dem Programm.
Sie brauchten über eine Stunde, um zweihundert Meter zurückzulegen, kosteten den neuen Danette, machten bei idiotischen Meinungsumfragen mit, probierten Lippenstifte oder schreckliche Schals aus Musselin. Sie trödelten, schwatzten, blieben unterwegs stehen, kommentierten das Aussehen der vornehmen Damen des 7. Arrondissements und die Fröhlichkeit der Jugendlichen. Ihre Lachanfälle, ihre hirnrissigen Geschichten, das Bimmeln ihrer Handys und ihre Rucksäcke, in denen viel Kleinkram aneinanderklapperte. Sie amüsierten sich, seufzten, mokierten sich und erholten sich behutsam. Sie hatten die Zeit, das Leben vor sich... -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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