Mit dem bereits 1964 erschienenem Band >Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen< wurde Peter Bichsel bekannt. Was Bichsel in diesem Werk mit seinen reizvoll schlichten Miniaturen aus dem kleinbürgerlichen Alltagsmileu beginnt, vollendet er 1993 mit >Zur Stadt Paris<.
Nicht weniger als 49 Geschichten auf gerade einmal 100 Seiten erwarten den Leser. Doch es sind nicht nur Geschichten. Es sind Episoden, Augenblicke - oder vielmehr offene Einblicke in das Leben von Menschen wie Du und ich.
Im Gegensatz zu >Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen< reicht die Spannweite seiner Protagonisten vom Eskimo, der sich in einen Transsexuellen verliebt, bis zur lieben Enkelin.
Bichsel schreibt in einer sehr persönlichen, meist auktorialen Perspektive - offenbart sich als Sammler von Geschichten. Er erzählt auf solch eine natürliche Art und Weise, wie man Geschichten nur erzählen kann. Die Geschichten beinhalten Auslassungen, offene Enden und immer wieder schaltet sich Bichsel direkt in den Dialog mit dem Leser ein.
Seine teilweise auch distanzierte Sicht bringt den Leser so nah an das Geschehen, dass man voll und ganz in den kurzen Geschichten eintauchen kann.
Dabei bringt es gerade die Kürze auf den Punkt. Die teils einseitigen Kurzprosa sagen dabei mehr als mancher Roman, gerade wenn man versucht hinter die Geschichten zu sehen. Sie vermitteln durch ihren außerordentlichen Fokus einen tiefen Einblick, der mit einer leichten Ironie einhergeht.
Was dem Witz die Pointe ist der Schluss für Bichsels Geschichten. Er bringt es auf den Punkt, stellt alles auf den Kopf oder sucht für das Ende sogar einen Schuldigen. Und manchmal sitzt selbst der Leser auf der Anklagebank.