Aus der Amazon.de-Redaktion
Wäre da nicht sein Freund, der glücklose Schauspieler Henry (Henry van Lyck), dann wäre der Schlagertexter Martin (Werner Enke) an seinem 25. Geburtstag wohl kaum aus dem Bett gekommen. Doch Henry, der die Passivität seines hoch begabten Freundes, dessen Desinteresse an den Dingen des Lebens, nicht verstehen kann, zwingt Martin, der in der Nacht zuvor einen Einbruch und Diebstahl beobachtet hat, zur Polizei zu gehen. Damit setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, in deren Verlauf der "Pseudophilosoph" Martin die fast ebenso eigenwillige Barbara (Uschi Glas) kennen lernt. Die Stunden mit ihr sind für ihn, der davon überzeugt ist, dass es böse enden wird, ein Geschenk des Schicksals, das ihn letztlich aber auch nicht von seinem selbstzerstörerischen Weg abbringen kann.
1967 entstanden, nimmt Zur Sache Schätzchen die Stimmung der Jahre 1968 und 1969 voraus. Martins Lethargie und später dann die Art, in der er sich durch Schwabing treiben lässt, immer auf der Flucht vor der Polizei, die er mit seinem gegen jede Autorität gerichteten Auftreten provoziert hat, sind nicht einfach nur eine Form von Verweigerung. Sie drücken die vielleicht reinste Anarchie überhaupt aus, eine Anarchie, die sich selbst jede gesellschaftliche und politische Dimension versagt. Martin ist eben kein Revolutionär, er ist vielmehr ein Erbe der satirischen Romantiker des frühen 19. Jahrhunderts, dessen große Leidenschaft der Sprache und ihrer subversiven Kraft gilt.
Die Dialoge, die May Spils zusammen mit Rüdiger Leberecht und ihrem Anti-Star Werner Enke geschrieben hat, sind einzigartig im deutschen Film. Sie haben sie nicht der Wirklichkeit und einem bestimmten Milieu abgelauscht, sondern eine ganz eigene Sprache geschaffen, die einer ganzen Generation ein neues Vokabular geben sollte. Selbst heute noch, da wir um das Prophetische des überraschend pessimistischen Endes von Zur Sache Schätzchen wissen und Martins Worte und Wendungen schon wieder weit gehend vergessen sind, geht von den Dialogen des Films wie von Uschi Glas' unschuldiger Koketterie und Werner Enkes romantischem Philosophieren eine unwiderstehliche Magie aus. --Sascha Westphal
Amazon.de DVD-Bewertung
Abgerundet wird die Edition durch zwei Kurzfilme, die kleine kollektiv produzierte Doku Jahrgang 1942: Weiblich und Peter Schamonis gesellschaftskritischen So zwitschern die Jungen. Beide vermitteln sie im Zusammenspiel mit Zur Sache Schätzchen einen faszinierenden Einblick in die so ungeheuer widerspruchsreiche Zeit des Neuen Deutschen Films. Der einzige größere Makel ist, dass der Film nicht in einzeln anwählbare Kapitel eingeteilt worden ist, man also keinen direkten Zugriff auf einzelne Szenen hat. Außerdem kann man sich darüber streiten, ob es nun gerade sinnvoll ist, dass beim Einlegen der DVD der Trailer zu Zur Sache Schätzchen automatisch gestartet wird und man ihn nicht, wie sonst üblich, getrennt über das Menü der DVD aufrufen kann. --Sascha Westphal
Video Jakob Kurzinhalt
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Blickpunkt: Film
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Kurzbeschreibung
1968 war der kultverdächtige Film der Überraschungshit an den Kinokassen. Mit 26 Jahren präsentierte May Spils dem staunend-amüsierten Publikum als erste deutsche Regisseurin der Nachkriegsgeneration eine Komödie, die frech und frisch den Zeitgeist traf.
Werner Enke verkörpert sein alter ego, den verschlafen-dynamischen Nichtstuer Martin, der die Welt mit pseudophilosophischen Sprüchen beglückt, und zusammen mit seinem "Manager" Henry (Henry van Lyck), der ständig die "genialen" Schlagertexte des charmanten Taugenichts in bare Münze verwandeln will, in den Tag hinein lebt. Wenn man nicht gerade Polizisten und andere Zeitgenossen ärgert. "Es wird böse enden..." sagt Martin.
Aber dann wirbelt die Begegnung mit Barbara (Uschi Glas), knackige aber wohlbehütete Tochter aus gutbürgerlichem Hause, mit der man so schön kuscheln kann, sein Leben fröhlich durcheinander.