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Zur Genealogie der Moral
 
 
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Zur Genealogie der Moral [Gebundene Ausgabe]

Friedrich Nietzsche
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 160 Seiten
  • Verlag: Anaconda (31. Juli 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866475640
  • ISBN-13: 978-3866475649
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,8 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 273.288 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Friedrich Nietzsche
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Friedrich Nietzsches brillante Streitschrift "Zur Genealogie der Moral" (1887) zählt zu den einflussreichsten seiner Werke: Von Sigmund Freud bis Michel Foucault reicht die Riege der großen Denker, die sich von ihr faszinieren und anregen ließen. Ebenso wortgewaltig wie gedanklich präzise macht Nietzsche sich hier auf die Suche nach der Herkunft unserer moralischen Vorurteile, nach dem Ursprung jenes "Gut und Böse", das bis heute unser privates, soziales, politisches Handeln entscheidend bestimmt. Seine Grundhaltung dabei ist stets emanzipatorisch - denn wer seine Herkunft verkennt, kann keine Zukunft gestalten.

Über den Autor

Friedrich Nietzsche (1844-1900) stammte aus einer evangelischen Pfarrersfamilie, besuchte die renommierte Landesschule in Pforta bei Naumburg, studierte in Bonn und Leipzig und wurde mit 25 Jahren Professor der klassischen Philologie in Basel. Er war ein genialer Denker, Meister der Sprache und begabter Musiker und Komponist. Sein Leben war bestimmt von problematischen Beziehungen, etwa zu Richard Wagner oder Lou Andreas-Salomé, und endete in der bedrückenden Einsamkeit des Wahnsinns.Friedrich Nietzsche (1844-1900) stammte aus einer evangelischen Pfarrersfamilie, besuchte die renommierte Landesschule in Pforta bei Naumburg, studierte in Bonn und Leipzig und wurde mit 25 Jahren Professor der klassischen Philologie in Basel. Er war ein genialer Denker, Meister der Sprache und begabter Musiker und Komponist. Sein Leben war bestimmt von problematischen Beziehungen, etwa zu Richard Wagner oder Lou Andreas-Salomé, und endete in der bedrückenden Einsamkeit des Wahnsinns.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Michael Dienstbier TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Die 1887 erschienene Streitschrift "Zur Genealogie der Moral" ist eine Ergänzung zu Nietzsches kurz zuvor veröffentlichter Darstellung Jenseits von Gut und Böse und spitzt dessen Gedankengang provokant zu. Worum es ihm im Kern geht, formuliert Nietzsche in aller Deutlichkeit gleich zu Beginn des Buches: "[U]unter welchen Bedingungen erfand sich der Mensch jene Werturteile gut und böse? und welchen Wert haben sie selbst?" (Vorrede, Nr. 3) Was ist Moral? Wer bestimmt, was moralisch, was 'gut' oder 'böse' eigentlich ist? Nietzsches Ansatz zu diesen Fragen beinhaltet alle, was ihn bis heute so faszinierend gestaltet und den Leser gleichzeitig doch in regelmäßigen Abständen zusammenzucken lässt: "Alles, was auf Erden gegen 'die Vornehmen', 'die Gewaltigen', 'die Herren', 'die Machthaber' getan worden ist, ist nicht der Rede wert im Vergleich mit dem, was die Juden gegen sie getan haben, die Juden, jenes priesterliche Volk, das sich an seinen Feinden [...] zuletzt nur durch eine radikale Umwertung von deren Werten, also durch einen Akt der geistigen Rache Genugtuung zu schaffen wußte. [...] Die Juden sind es gewesen, die gegen die aristokratische Wertgleichung (gut = vornehm = mächtig = schön = glücklich = gottgeliebt) mit einer furchteinflößenden Folgerichtigkeit die Umkehrung gewagt und mit den Zähnen des abgründlichsten Hasses [...] festgehalten haben, nämlich 'die Elenden sind allein die Guten, die Armen; Ohnmächtigen, Niedrigen sind allein die Guten [...] dagegen ihr, ihr Vornehmen und Gewaltigen, ihr seid in alle Ewigkeit die Bösen, die Grausamen, die Lüsternen, die Unersättlichen, die Gottlosen'" (Erste Abhandlung, Nr. 7).

Mit der jüdisch-christlichen Religion beginnt für Nietzsche der "Sklavenaufstand in der Moral" (Erste Abhandlung, Nr. 10), der alles Starke und Edle für böse erklärt und im Gegensatz Schwäche und Demut sublimiert und moralisch für gut erklärt. Träger dieser Sklavenmoral sei seit 2000 Jahren das Christentum, gegen das Nietzsche immer wieder heftig zu Felde gezogen ist, am deutlichsten in seiner Polemik Der Antichrist: Versuch einer Kritik des Christentums.

Nietzsches Ideal ist der Mensch, der die Kraft hat, sich über die herrschenden Grundsätze der Moral hinwegzusetzen und aus sich selbst heraus neue Werte schafft: "Dieser Mensch der Zukunft [...] dieser Glockenschlag des Mittags und der großen Entscheidung, der den Willen wieder frei macht, der der Erde ihr Ziel und dem Menschen seine Hoffnung zurückgibt, dieser Antichrist und Antinihilist, dieser Besieger Gottes und des Nichts - er muß einst kommen..." (Zweite Abhandlung, Nr. 24). Diesen Menschen, der sich selbst Quelle aller Moral ist, bezeichnet Nietzsche unvergesslich als Übermenschen.

Noch heute wird man von der Wucht dieser Philosophie und seiner hämmernden Rhetorik mitgerissen, so dass sich der heutige Leser kaum noch vorstellen kann, wie wohl Nietzsches Zeitgenossen gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf seine Schriften reagiert haben. Seine radikale Ablehnung der jüdisch-christlichen Moralvorstellungen, die in Europa bis dahin unangefochten den Diskurs von gut und böse dominiert hatte, stellte etwas Ungeheuerliches und quasi eine Art Sündenfall der abendländischen Philosophie dar.

Seine Diktion sowie seine Rhetorik gestaltete es für die Nazis recht einfach, ihn für ihre Weltanschauung zu instrumentalisieren. Und in der Tat fällt es sehr schwer, einige Stellen des Buches zu lesen, ohne an den späteren Verlauf der deutschen Geschichte zu denken: "Die Größe eines "Fortschritts" bemißt sich sogar nach der Masse dessen, was ihr alles geopfert werden mußte; die Menschheit als Masse dem Gedeihen einer einzelnen Spezies Mensch geopfert - das wäre ein Fortschritt" (Zweite Abhandlung, Nr. 12). Diese stärkere "Spezies Mensch" zeichnet sich für Nietzsche allerdings nicht durch den Besitz bestimmter körperlicher Eigenschaften aus, sondern bezieht sich auf die Fähigkeit und den Willen eines Menschen, sich über die althergebrachten Moralvorstellungen hinwegzusetzen und aus sich selbst heraus Werte zu schaffen.

Fazit: Rhetorisch brillant, inhaltlich provokant und bis heute faszinierend und mitreißend. "Zur Genealogie der Moral" eignet sich auch gut als Einstieg für den Nietzsche-Anfänger, da hier zentrale Konzepte seines Denkens in aller Klarheit dargestellt werden und gleichzeitig deutlich wird, was ihn bis heute zu einem der am kontrovers diskutiertesten Philosophen macht.
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18 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Übermenschlich 27. März 2007
Format:Taschenbuch
Einen besseren Einstieg in Nietzsches Denken kann man sich gar nicht träumen lassen. Zwar ist der Zarathustra sein Hauptwerk, doch habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass man den Zarathustra nur mit seinen anderen Werken im Hinterkopf so richtig verstehen kann.

Für diesen Preis sollte man sich das Werk auf jeden Fall zulegen, zumal man es sicherlich nicht nur einmal lesen wird.

Oft lese ich Nietzsche einfach nur, um mich an seinem ihm ganz eigenen, unverwechselbaren Sprachstil und seiner Suggestionskraft zu ergötzen. Vor allem dieses Buch ist zu solchem Zwecke gleich zur Hand.

Inhaltlich legt er eine kühne Moralgeschichte und Moralwertung vor, die an Sprengkraft seinesgleichen sucht.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mag Sarah Krampl TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Friedrich Nietzsche (1844-1900) wertete wie kein anderer Denker vor ihm sämtliche gesellschaftlichen, menschlichen, politischen, künstlerischen und geschichtsdominanten Werte um. Seine Philosophie ist eigentlich eine lebensbejahende Philosophie, seine ganze Gedankenwelt dreht sich darum, einen neuen Menschentypus zu schaffen, einen "Übermenschen", einen über sich hinauswachsenden Menschen, der das nichtige, sinnlose, sich in Ewigkeit wiederholende Leben trotzdem bejaht und sich somit durch seinen Willen zur Macht zum dyonisischen Herrscher erhebt. Nietzsche kritisierte Sämtliches. Sein größter Hass jedoch galt dem Christentum mit seiner falschen, schwächenden Mitleidsmoral, sowie jeder Art von Scheinerkenntnissen und Oberflächlichkeit. Der so genannte hochgepriesene "Gutmensch" war für ihn alles andere als gut, der Mensch war geboren um zu herrschen und zu leben und nicht um sich unterdrücken zu lassen und dem schönen Schein zu erliegen. Er überwarf sich im Laufe seines Lebens mit sämtlichen großen Vorgeistern, wie Kant, Hegel, John Locke, aber auch mit seinen früheren Freunden Schopenhauer und Richard Wagner.
In seinem letzten Werk "Ecce Homo", worin Friedrich Nietzsche sich mit seiner eigenen Gedankenwelt befasst, schreibt Nietzsche über sein Werk "Genealogie der Moral" folgendes:

"Genealogie der Moral .. Die Wahrheit der ersten Abhandlung ist die Psychologie des Christentums: die Geburt des Christentums aus dem Geiste des Ressentiment, nicht, wie wohl geglaubt wird, aus dem "Geiste", - eine Gegenbewegung ihrem Wesen nach, der große Aufstand gegen die Herrschaft vornehmer Werte. Die zweite Abhandlung gibt die Psychologie des Gewissens: dasselbe ist nicht, wie wohl geglaubt wird, "die Stimme Gottes im Menschen", - es ist der Instinkt der Grausamkeit, der sich rückwärts wendet, nachdem er nicht mehr nach außen hin sich entladen kann."

Zum Einen geht es Nietzsche in diesem Werk darum, das so genannte "Gute" und so genannte "Böse" zu hinterfragen. Womöglich ist das, was die Menschen unter "gut" verstehen, gar nicht so gut. Nietzsche verabscheut die "Gutmenschen", denn sie sind es, die den Menschen unterdrücken und schwächen. Die Moral muss laut Nietzsche erst entdeckt werden, denn er unterscheidet nur zwischen Herren- und Sklavenmoral, beides hat aber nichts mit Ethik zu tun, im Gegenteil, die Sklavenmoral entstand aufgrund der christlichen Lehre: schwache, kranke, ohnmächtige, niedrige, hässliche, arme und leidende Menschen wendeten sich mithilfe des asketischen Priesters gegen alle starken Lebensregungen, gegen Lebenslust und Lebenswille indem sie das gesamte natürliche Leben unterdrückten und als böse titulierten. Dies ist der größte Vorwurf Nietzsches gegen die christliche Religion, die es geschafft hat, dem Menschen für jede seiner menschlichen Regungen, ein schlechtes Gewissen einzureden. Ressentiment nennt er dieses falsche, schlechte Gewissen, das nichts anderes ist als "rückwärts gewendete Grausamkeit". Der Mensch lernt von Klein auf sich seiner Instinkte und seiner Stärken zu schämen, denn er soll seinen Nächsten lieben und ein guter Mensch, mit guten Gedanken sein. Das führt aber nur dazu, dass der Mensch seines Nächsten überdrüssig wird, der Mensch ermüdet, die Nächstenliebe, die Anpassung, die Gewohnheit, die fixen Ideen machen müde, denn sie verkleinern den Menschen. Der Gottesglaube hat seinen Ursprung in der Furcht und stilisiert sich zum Willen zum Nichts, zum Willen gegen das Leben selbst. Furcht vor den Menschen ist aber für Nietzsche eine Vorbedingung für die Ehrfurcht und Liebe. Nächstenliebe, wie sie von der Kirche gepredigt wird, mündet in Verachtung des Nächsten. Heute ist es schön ersichtlich, wohin die gut gemeinten Missionierungen und Einmischungen in der Welt geführt haben. Selbst im kleinen, eigenen Umkreis muss man sich eingestehen, dass man seinem Nächsten nichts Gutes tut, wenn man sich in seine Angelegenheiten mischt und sich einbildet, ihm behilflich sein zu können. Denn jeder der einem anderen hilft tut es nur deshalb, um sich selbst stark zu fühlen und um Macht über denjenigen ausüben zu können. Ich glaube nicht, dass es viel Hilfsbereitschaft unter den Menschen geben würde, wenn nicht jeder Helfer dadurch entweder Geld, Ansehen oder Macht und Eigenstärke gewinnen würde.

Dass heute die Religion des Christentums im Sterben begriffen ist, hat Nietzsche schon erkannt, er hat auch erkannt, dass der Atheismus eigentlich nichts anderes ist als eine Zuspitzung des christlichen Glaubens:
"Der unbedingte redliche Atheismus (- und seine Luft allein atmen wir, wir geistigeren Menschen dieses Zeitalters!) steht demgemäß nicht im Gegensatz zu jenem Ideale, wie es den Anschein hat; er ist vielmehr nur eine seiner letzten Entwicklungsphasen, eine seiner Schlussformen und inneren Folgenichtigkeiten, - er ist die Ehrfurcht gebietende Katastrophe einer zwei tausendjährigen Zucht zur Wahrheit, welche am Schluss sich die Lüge im Glauben an Gott verbietet."

"Zur Genealogie der Moral" übte großen Einfluss auf Freuds Psychoanalyse und wurde, nachdem einige Passagen von Nietzsches Schwester Elisabeth Förster Nietzsche gefälscht wurden, von den Nazis als ideologische Vorlage herangezogen. Nietzsche selbst war kein Nationalsozialist oder Faschist, im Gegenteil, jede Art von Nationalismus und Antisemitismus verurteilte er.

Hier noch ein paar der besten Sätze in diesem Werk:

Ist heute schon genug Stolz, Wagnis, Tapferkeit, Selbstgewissheit, Wille des Geistes, Wille zur Verantwortlichkeit, Freiheit des Willens vorhanden, dass wirklich nunmehr auf Erden "der Philosoph" - möglich ist?

Man versteht mich bereits: dieser asketische Priester, dieser anscheinende Feind des Lebens, dieser Verneinende, - er gerade gehört zu den ganz großen konservierenden und Ja-schaffenden Gewalten des Lebens... Woran sie hängt, jene Krankhaftigkeit? Denn der Mensch ist kränker, unsicherer, wechselnder, unfestgestellter als irgendein Tier sonst, daran ist kein Zweifel, - er ist das kranke Tier: woher kommt das? Sicherlich hat er auch mehr gewagt, geneuert, getrotzt, das Schicksal herausgefordert als alle übrigen Tiere zusammen genommen: er, der große Experimentator mit sich, der Unbefriedigte, Ungesättigte, der um die letzte Herrschaft mit Tier, Natur und Göttern ringt, - er, der immer noch Unbezwungene, der ewig-zukünftige, der vor seiner eigenen drängenden Kraft keine Ruhe mehr findet, so dass ihm seine Zukunft unerbittlich wie ein Sporn im Fleische jeder Gegenwart wühlt.

Die von vornherein Verunglückten, Niedergeworfenen, Zerbrochenen - sie sind es, die Schwächsten sind es, welche am meisten das Leben unter Menschen unterminieren, welche unser Vertrauen zum Leben, zum Menschen, zu uns am gefährlichsten vergiften und in Frage stellen.

...wie als ob Gesundheit, Wohlgeratenheit, Stärke, Stolz, Machtgefühl an sich schon lasterhafte Dinge seien, für die man einst büßen, bitter büßen müsse: o wie sie im Grunde dazu selbst bereit sind, büßen zu machen, wie sie danach dürsten, Henker zu sein.

Das Übergewicht des Mandarinen bedeutet niemals etwas Gutes: sowenig als die Heraufkunft der Demokratie des Friedens-Schiedsgerichte an Stelle der Kriege, der Frauen-Gleichberechtigung, der Religion des Mitleids und was es sonst alles für Symptome des absinkenden Lebens gibt.
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