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Zurückkehren: Roman
 
 
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Zurückkehren: Roman [Gebundene Ausgabe]

Tahar Ben Jelloun , Christiane Kayser
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
  • Verlag: Berlin Verlag (12. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3827009057
  • ISBN-13: 978-3827009050
  • Originaltitel: Au pays
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 14,2 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 376.309 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Tahar Ben Jelloun
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Ein ergreifender Roman mit Beckett'schen Zügen." (LE MAGAZINE LITTÉRAIRE )

Kurzbeschreibung

Mohamed ist Muslim, Familienvater und Marokkaner - in dieser Reihenfolge. Und ein vorbildlicher Arbeiter: Vierzig Jahre hat er bei Renault in Paris am Fließband gestanden, Tag für Tag, nie kam er zu spät: Die Arbeit war sein Leben. Jetzt steht ihm die Rente bevor, und er zieht Bilanz: wie er 1962 sein Dorf in Marokko verlässt, nur den Koran in der Hand, der eingeschlagen ist in ein Stück vom Leichentuch seines Vaters und den er nicht lesen kann; die Heirat mit seiner Cousine; seine tiefe Religiosität, die ihm keine Assimilierung an die französischen Sitten gestattet, sein Abscheu aber auch vor den Fanatikern; seine fünf Kinder, die sich ihm entfremdet haben, "Lafrance", davon ist er überzeugt, hat ihm zwar Arbeit gegeben, ihm aber seine Kinder gestohlen: Er versteht ihr Französisch nicht, der eine Sohn hat eine Christin geheiratet und der andere, Rachid, nennt sich Richard. Halt findet er nur in einem alten Traum: nach Marokko zurückkehren, um das "Haus des Glücks und des Friedens" zu bauen, in dem er seine ganze Familie versammeln kann. Es wird das größte Haus im Dorf, überdimensioniert, mit Gebetsraum, Hamam und Schwimmbecken, nur fehlt es an Wasser und Strom - ein Zement gewordener Wahn. Hier wartet Mohamed auf seine Kinder, er hat sie zum nächsten Aid el Kebir, dem großen Hammelfest, eingeladen. Aber sie werden nicht kommen ... In einem phantasmagorischen Schlussbild lässt Tahar Ben Jelloun seine Figur Mohamed verschwinden. Das Haus wird zum Grab. Und das Dorf hat einen neuen Heiligen, "Mohamed, den Immigranten", den Mann, "den die Rente getötet hatte".

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Von A. Zanker TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Mohammed ist zuerst Muslim, dann Marrokaner, dann Einwanderer. Der Islam ist für ihn Moral, Kultur, Identität. 1962 wird er in Frankreich einwandern, 5 Kinder haben und 40 Jahre lang bei Renault am Fliessband arbeiten. Jetzt geht er in "Verrente" wie er es nennt, er tut sich schwer damit, sich auf den Ruhestand einzustellen, in der Fabrik zu arbeiten war Teil seines Lebensinhalts. "Seine Kinder konnten ihn noch so oft verbessern, er sagte weiterhin Verrente, statt Rente oder Pension. Dies war der unsichtbare Feind, ein zweideutiger Geselle, denn für manche war es die Freiheit, aber für ihn bedeutete es das Ende des Lebens. Nicht mehr und nicht weniger. Das Ende von allem. Ende seines Alltags, Ende seines wohlverdienten bezahlten Urlaubs, den er jedes Jahr in seinem Dorf in Marokko verbrachte." 2800 KM entfernt, baut er während dieser Zeit ein grosses Haus, mit Gebetshaus, Hammam und Schwimmbecken. Sein Lebenstraum: Seine Kinder dort in dem Dorf, wo er einst aufgewachsen ist auf ein Fest einzuladen.

Wie in kleinen Lebensläufen erzählt Tahar Ben Jelloun, der übrigens den Prix Goncourt für Die Nacht der Unschuld und 2004 den Impac-Literaturpreis erhielt, von Mohammeds gelebten Leben, vor allem aber von Menschen, denen Mohammed begegnet sind, in Erzählungen und persönlichen Begegnungen. Grosse Bedeutung haben dabei immer wieder, welche Frau sich für welchen Mann entscheidet, wer wen heiratet, versprochen wird, wer mit wem welche Ehe eingegangen ist. Wie in kleinen Lebensskizzen, werden hier Werdegänge, Lebensverläufe, Menschenschicksale vor den Augen des Lesers gezeichnet. Auch vierzig Jahre Frankreich hatten ihn nicht verändert, er war derselbe geblieben. Sein Leben ist von einer gewissen Bitterkeit durchdrungen. "Ich bin traurig, seit ich in Frankreich angekommen bin. Dieses Land ist nicht schuld an meiner Trauer, doch es hat mich auch nicht zum Lächeln gebracht, mir weder Grund zur Freude noch zur Fröhlichkeit gegeben. Es ist einfach so, ich kann nichts dafür."

Jelloun gibt Einblick in ein Menschenleben, das von der Religiösität und der Mentalität, arabischen Ursprungs zeugt. Für ihn ist es befremdlich, dass seine Kinder "französisch" aufwachsen. "Lafrance" hat ihm zwar Geld und Unterkunft gegeben, doch hat es ihm seine Kinder genommen. Ein Menschenleben, das mit dem Verlust von Sinn und Bedeutung zu kämpfen hat. Das in der alten Heimat verwurzelt ist und ihm einen letzten Traum vergegenwärtigt, dessen ganze Hoffnung daran gebunden ist, seine Familie dort zu vereinen, doch seine Kinder fühlen sich dort nicht mehr zugehörig. Ihr Leben beginnt an einem anderen Ort, sie wollen sich nicht mehr auf die Wurzeln des Vaters einlassen. Ein Roman, der ein wenig melancholisch durchdrungen ist, nachdenklich macht, berührt, Anteil an einem Menschenleben ermöglicht, dadurch den Blick weitet, was Menschen aus dem arabischen Lebensraum hier wie am Beispiel Frankreich, beschäftigt und wie sie damit im Leben stehen.

Fazit: Ein berührendes Lebensporträt eines alten Mannes, der zwischen sich, seiner Familie, seiner Frau, seinem Glauben und der bevorstehenden Pensionierung sieht, womit er sich mit allem schwer tut. Einzig seine Heimat, sein dort gebautes Haus, geben ihm das wovon er sich verspricht, dass es ihn glücklich macht. Doch er ist allein damit, ein wenig bitter, ein wenig traurig. Tahar Ben Jelloun gibt mit diesem Roman, einen sehr detailierten Einblick in arabisches, muslimisches Denken, Handeln, man kann sich förmlich in diese Mentalität, die nicht selten in "Schwarz-Weiss-Denken" gezeichnet ist, richtig hineinversetzen. Eine wertvolle Verarbeitung, über die Integration von Menschen aus Nordafrika, die in Europa Fuss fassen wollen, und wie sehr im Grunde ihr Innerstes dagegen rebelliert.

Wenn es nur das Geld ist und alles andere einem fremd bleibt, ist die Möglichkeit gross, daran zu verbittern oder gar zu zerbrechen. Ist es das Unvermögen sich auf Neues einzustellen, oder die Nicht-Bereitschaft sich auf neues Leben einzustellen, weil man so sehr von der eigenen Heimat geprägt ist? Das vorliegende Buch ist eine Lebensauswertung, die zwischen Hoffnung, Bitterheit, Sinnverlust und Sinnsuche angesiedelt ist. Es erzählt davon, wie sehr ein Mensch von seiner Heimat, seiner Herkunft geprägt ist und ihn sein ganzes Leben lang in Besitz nimmt, ihn nicht loslässt, ein Festhalten an alten Wurzeln, die Teil der eigenen Persönlichkeit geworden sind...
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
bitteres Ende 3. Mai 2010
Von Christian Döring HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Mohammed kam vor fast einem halben Jahrhundert von Marokko nach Frankreich. Jetzt ist er alt und seine Kinder sind ihm fremd geworden. Er, der Muslim ist eng mit seiner Religion verbunden bis heute, seine Kinder sind in Frankreich groß geworden und sehen alles viel lockerer und zum Teil auch ganz anders.

Der alte Mann ist traurig darüber. Einer seiner Söhne hat sogar eine Christin geheiratet. Sein anderer Sohn, Rachid, nennt sich heute Richard. Schämt er sich Muslim zu sein?

Tahar Ben Jelloun hat mit diesem Buch einer verlorenen, inzwischen alt gewordenen Generation ein Denkmal gesetzt. Es gibt viele Alte wie Mohammed. Ihrer Religion haben sie die Treue gehalten, haben Jahrzehnte für den Wohlstand Westeuropas gearbeitet und sind darüber heimatlos und im schlimmsten Fall familienlos geworden. Ein bitteres Ende.

In einen Traum flüchtet sich Mohammed. Er will zurück nach Marokko. Dort will er seine Familie wieder vereinen. Mohammed träumt vom Frieden den es nicht geben wird. Tahar Ben Jelloun hat mit diesem Werk ein bitteres und sehr nachdenklich machendes Meisterwerk geschaffen.
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