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Zurückgekehrt [Gebundene Ausgabe]

Karin Hartewig

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Jüdische Kommunisten in der DDR

Enttäuschte Hoffnungen einer intellektuellen Elite

Die der Mordmaschinerie Hitlers entgangenen jüdischen Kommunisten kehrten nach dem Zweiten Weltkrieg aus den Konzentrationslagern oder aus der westlichen Emigration in der Hoffnung zurück, beim Aufbau eines besseren Deutschland mitwirken zu können. Sie waren zum Kommunismus gekommen, weil er ihnen, anders als die mit immer neuen Zurückweisungen verbundene Assimilation in der bürgerlichen Welt, die radikalste Form der Abkehr von den Traditionen und Bindungen ihrer jüdischen Herkunft versprach. Viele von ihnen hatten sich in der zionistischen Jugendbewegung betätigt, einige hatten sich zeitweise unter dem britischen Mandat in Israel aufgehalten, doch angesichts der Herausforderung des Nationalsozialismus hatten sie sich dem Kommunismus als stärkster Gegenposition verschrieben.

Verdächtigungen und Antisemitismus

Die nach Deutschland Zurückgekehrten fanden in den ersten Nachkriegsjahren unter der sowjetischen Militäradministration bereitwillige Aufnahme. Nach der Ausschaltung der nationalsozialistischen Parteigänger standen ihnen führende Funktionen in der Presse, in der Wissenschaft und im Kulturleben offen. Eine erste Enttäuschung erlebten sie in der frühen Beendigung der Entnazifizierung, als bekehrte Nazis in wichtige Positionen zurückkehrten und auch in die regierende SED aufgenommen wurden. Schwierig wurde es für die jüdischen Intellektuellen in der DDR, als in Prag und Budapest Regierungsmitglieder und andere hohe Funktionäre jüdischer Herkunft wegen angeblicher Spionage für den Westen vor Gericht gestellt wurden. In der DDR gab es zwar keine Schauprozesse mit Todesurteilen, aber eine innerparteiliche Säuberungskampagne, in der namentlich die aus der Westemigration Zurückgekehrten ihre Posten verloren und peinlichen Befragungen über ihren gesamten Lebenslauf unterworfen wurden.

Zugleich schlug die Staatspartei einen zwar nie offen deklarierten, aber konsequent befolgten antisemitischen und antiisraelischen Kurs ein. Als Bundeskanzler Adenauer für die Bundesrepublik die Verpflichtung zu Wiedergutmachungszahlungen an Israel übernahm, weigerte sich die DDR nachzuziehen mit der Begründung, der Staat Israel sei die «Speerspitze des Imperialismus» und eine Rückgabe enteigneter jüdischer Vermögen komme nicht in Frage, weil diese als Resultat kapitalistischer Ausbeutung in «Volkseigentum» übergegangen seien. Die SED folgte damit dem Beispiel der Sowjetunion, wo der Antisemitismus in den letzten Jahren Stalins im Prozess gegen die jüdischen Kreml-Ärzte gipfelte.

Späte Hinwendung

Erst in den siebziger Jahren, als die DDR sich um internationale Anerkennung bemühte, trat in den Beziehungen zu Israel und zu den einheimischen Judengemeinschaften eine Wende ein. Nun fiel auf einmal auf, dass die jüdischen Gemeinden in den ostdeutschen Grossstädten ein kümmerliches Dasein mit nur wenigen hundert Mitgliedern in prekären Verhältnissen fristeten und auf Hilfe aus dem Westen zur Erhaltung ihrer Synagogen und Friedhöfe angewiesen waren. Erst im letzten Jahrzehnt der DDR begann sich der Staat um die Schaffung einer jüdischen Gedenkstätte in den Ruinen der Neuen Synagoge in Berlin zu interessieren, während die früher errichteten Mahnmale in den ehemaligen Konzentrationslagern nicht an das besondere Schicksal der jüdischen Opfer erinnern durften. Kurz vor dem Fall der Mauer liess die Regierung ihre Bereitschaft verlauten, 100 Millionen Dollar für Entschädigungen an Überlebende des Holocaust zur Verfügung zu stellen. Zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel kam es abgesehen von vorbereitenden Schritten nicht mehr.

In einem umfangreichen Werk zeichnet Karin Hartewig, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Erfurt, gestützt auf ein breites Quellenmaterial, die wechselhafte Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR und des Verhältnisses zwischen dem kommunistischen deutschen Staat und dem Judentum nach. Sie wählt einerseits einen biographischen Ansatz mit der Schilderung ausgewählter Lebensläufe, bettet diese jedoch anderseits in eine mehr systematische Darstellung der offiziellen Politik des ostdeutschen Teilstaats ein. Das führt naturgemäss zu zahlreichen Wiederholungen und Überschneidungen. Überhaupt trägt das Buch die Merkmale einer im Voraus festgelegten und nachträglich ausgefüllten Systematik, wobei der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit oft mit dem Bemühen um Lesbarkeit kollidiert. Man wird das Gefühl nicht los, dass das Thema eine konzentriertere und zugleich eingängigere Behandlung verdient hätte. Die Autorin dürfte jedoch mit der Aufbereitung des Materials nützliche Vorarbeit für weitere Werke geleistet haben.

Christian Kind

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 11.06.2001
Christian Kind ist enttäuscht von dieser Studie, die sich mit dem Schicksal der jüdischen Kommunisten in der DDR beschäftigt. Ein grundsätzliches Problem sieht er in der Kollision zweier methodologischer Ansätze, da sich die Autorin einerseits zu einer biografischen, andererseits zu einer systematischen Vorgehensweise entschlossen habe. Dies, meint der Rezensent, führt zu "zahlreichen Wiederholungen und Überschneidungen". Dass die Untersuchung aufgrund ihres wissenschaftlichen Anspruches nicht besonders lesbar geraten ist, bekümmert den Rezensenten zusätzlich. Und so schließt Kind mit dem zweifelhaften Lob, die Autorin habe "nützliche Vorarbeit" für zukünftige Studien zu dem Thema geleistet.

© Perlentaucher Medien GmbH

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