Wer Golf spielt kennt den Effekt, wenn man das anvisierte Objekt nicht trifft. Mich beschlich dieses taumelnde Gefühl, nachdem ich Holger Rusts Rundschlag gegen Gurus, Powertrainer und Trendforscher gelesen hatte. Da tritt ein renommierter Hochschullehrer für Soziologie an, um der Welt wieder mal ins Gewissen zu reden, was wissenschaftliches Arbeiten bedeutet und dass die Welt ohne seriöse Akademiker stillstehen würde. Solche Verbalattacken sind keineswegs sinnlos. Allerdings erwarte ich als Leser, dass mir für das Hinweggefegte ein brauchbarer Ersatz geboten wird. Bleibt jedoch vorwiegend Leere zurück, fühle ich mich ebenso über den Tisch gezogen wie von den kritisierten Gurus. Holger Rust mag in seiner täglichen Arbeit an der Unversität Hannover durchaus wissenschaftlich vorgehen, in seinem Buch tut er es jedoch nicht. Wenn er davon spricht, dass Wissenschaft das Abenteuer des unvoreingenommenen Blicks auf den Alltag sei, kommt er ebenso schwammig daher wie die von ihm kritisierten Fachautoren. Seine Abrechnung mit den Erfolgsautoren der letzten zehn Jahre gliedert Rust in drei Wünsche an die gute Fee. Und die lauten: Erfolg, Kundenorientierung und Führungskompetenz. Jedes dieser Kapitel ist unterteilt in: 1. Jubel - Heilsversprechen der Gurus; 2. Skepsis - Stimmen der Vernunft; 3. Praxis - Prinzipen für den Alltag. Dieses Ordnungsmuster klingt vielversprechend, um das Chaos, das die abzockenden Ratschläger in den Managerköpfen hinterliessen zu beseitigen. Doch was in den jeweiligen Praxisteilen hätte geliefert werden müssen, um als vollwertiger Ersatz zu gelten, ist ziemlich dürftig. Und so komm ich als Gelegenheitsjünger der von Rust in Grund und Boden verdammten Gurus zum Urteil, dass ich nach 232 Seiten Lektüre zwar eine gesunde Portion Skepsis mitbekommen habe, aber trotzdem nicht geläutert bin. Um mich auf den rechten Pfad zu führen, hätte Holger Rust auch auf die Gründe der magischen Anziehungskräfte falscher Propheten eingehen müssen. Und vielleicht hätte diese Abrechnung mit den verhassten Autoren an Glaubwürdigkeit gewonnen, wenn der Autor sich Gedanken gemacht hätte, weshalb die wahren Wissenschafter beim gemeinen Fussvolk so wenig Gehör finden. Ohne eine Prise Selbstkritik kommt es zwangsläufig zum lästigen Gefühl nach dem Schlag ins Leere.