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Die letzten Jahrzehnte haben das Bild der klassischen griechischen Kunst gewaltig verändert. Viele neue Funde machten die Neubewertung von Zeitstellungen notwendig, vor allem aber ist die Frage der Originalität wieder stark in den Vordergrund getreten. Dieses Thema zieht sich wie ein roter Faden durch die Fachbeiträge in dem ausstellungsbegleitenden Katalog "Zurück zur Klassik".
Im 18. und frühen 19. Jahrhundert verkörperten die (ergänzten) Gipskopien klassischer Marmorstatuen die "wahre Größe" griechischer und römischer Kunst, in der irrigen Annahme, dass Weiß die ursprüngliche Farbe gewesen sei (S. Settis). Schon damals bekannte Farbspuren an den Originalen wurden schlichtweg verdrängt. Und hier zeigt sich auch ein Problem, das sich durch die Jahrhunderte bis in unsere Zeit fortschreibt: Wir neigen dazu, unsere Erwartungshaltung in die Interpretation von Kunst einfließen zu lassen. Im 19. Jahrhundert mussten alle herausragenden Bildwerke fast zwangsläufig einem berühmten Bildhauer und einem hehren, moralisch überhöhten Thema zugeordnet werden. Der "Discobol" wurde zum Athleten, obwohl er Hykinthos, den Geliebten des Apoll darstellt. Der "Torso vom Belvedere" wurde als Herkules angesprochen, obwohl er das Fragment einer Satyrfigur aus dem dionysischen Themenkreis ist. Im 19. Jahrhundert wäre das schlichtweg nicht vermittelbar gewesen.
Vinzenz Brinkmann geht im einleitenden Kapitel sehr ausführlich auf die Frage nach Original und Kopie ein, die heute wesentlich differenzierter betrachtet wird als noch vor 50 Jahren. Waren damals "alle" griechischen Originale aus Bronze, weiß man heute, dass dies so pauschal nicht stimmt und man kann sogar aus dem Konstruktionsprinzip einer Statue mit relativ großer Sicherheit ableiten, ob das zugrundeliegende Original aus Bronze oder Marmor gefertigt wurde. U. Mandel und A. Ribbek setzen am Beispiel des Phidias diese Erkenntnisse in die Praxis um und bewerten die Authentizität der erhaltenen Bildwerke vor materialwissenschaftlichem und kunsthistorischem Hintergrund. Einer ähnlichen Frage widmet sich dann S. Mancuso, indem er die antike Rezeptionsgeschichte des Apollon Sauroktonos durchleuchtet. Bereits am Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr. gab es in Griechenland Bildhauerwerkstätten, die Kopien berühmter Statuen gleich in Serie für die Villen reicher Römer anfertigten. Sie verwendeten schon damals das Dreipunktverfahren und als Vorlage dienten nachweislich Gipsabformungen der Originale.

Ohne die Einordnung in die Geschichte lässt sich auch die griechische Kunst nicht wirklich interpretieren. Einige Beiträge (A. Stewart, H. J. Gehrke) betrachten den zeitlichen Einfluss von politischen und kriegerischen Umwälzungen auf die Entwicklung von Stilen und Kunsttheorie. Der Aphaia-Tempel auf Ägina ist so ein Wendepunkt in der Kunstgeschichte und obwohl die Giebel schon vor 200 Jahren sehr eindrucksvoll (und bemerkenswert sensibel) in München rekonstruiert wurden, bietet er immer wieder Überraschungen. N. Eschbach erläutert den Stand der Forschung zum Aphaia-Tempel und I. Jenkins analysiert die inhaltliche Botschaft des Parthenonfrieses. Dieser stellt nicht nur künstlerisch, sondern auch thematisch einen vollkommenen Bruch mit der Tradition dar und weist weit in die Zukunft.

Aus meiner Sicht thematisch etwas abwegig ist dagegen der Beitrag von O. Primavesi zu den Renaissancefresken im Dom von Orvieto. Zumindest hat sich mir der Zusammenhang zur klassischen Archäologie und Kunstgeschichte nicht wirklich erschlossen.

Ein besonders interessantes Kapitel geht der Frage nach, wann das Individualportrait Eingang in die Kunst nahm (W. Raeck). Auch hier wird wieder einmal deutlich, wie sehr die Erwartungshaltung in der Vergangenheit die Interpretation beeinflusst hat und die Vermutung über die Erkenntnis setzte. "Etabliertes" Wissen kann auch nach Jahrhunderten noch ins Wanken geraten, und vor diesem Hintergrund ist es kaum verwunderlich, dass die klassische Typologie von Gesichtern selbst heute noch unsere Einschätzung von Personen bestimmt.

In der Antike war die Malerei die Königsdisziplin der Künste. Umso bedauerlicher ist es, dass von dieser Kunst kaum etwas erhalten ist. Mehrere Beiträge (Koch-Brinkmann, Saatsoglou-Paliadeli) fassen den Stand der Erkenntnis zusammen und zeigen die Entwicklung von der Umrisszeichnung zur Licht-Schattenmalerei. Die Täuschung des Auges war das Ziel der Künstler und einige erhaltene Zeugnisse (Vasenmalerei, Fresko im Philipsgrab) beweisen das außerordentlich hohe Niveau.

Die aus meiner Sicht interessantesten und auch umfangreichsten Beiträge im fachlichen Teil des Katalogs befassen sich mit der Frage nach der Herstellungstechnik und originalen Patinierung griechischer Bronzen (Brinkmann, Formigli). Die Erkenntnisse durch die moderne Materialanalyse und verbesserte Restaurierungstechniken in den letzten Jahren sind geradezu revolutionär. Am Beispiel der Krieger von Riace, die unter der Leitung von E. Formigli erst kürzlich erneut restauriert wurden, lassen sich diese Fortschritte sehr anschaulich nachvollziehen. Alleine das technische Niveau in der Herstellung dieser beiden Bronzen ist unfassbar hoch. Heutige Gießereien wären kaum in der Lage, alle Arbeitsschritte nachzuvollziehen, ein Beleg für die bemerkenswerte Beherrschung von Material und Oberfläche im alten Griechenland. Die Riace-Kapitel im Katalog lesen sich phasenweise wie eine restauratorische Detektivgeschichte und man mag kaum glauben, was für einen ungeheuren Aufwand die griechischen Bildhauer getrieben haben, um alle diese atemberaubenden Details darzustellen.

Natürlich enthält der Katalog auch die ausführliche Beschreibung aller Ausstellungsstücke. Auf keinen Fall sollte man aber die Kunstwerke losgelöst von den Fachbeiträgen betrachten, denn sind die internationalen Leihgaben und Bestandsstücke des Liebieghauses alleine auch schon von herausragender Qualität, so bekommen sie doch eine ganz andere Tiefe, wenn man die Hintergründe kennt. Man kann den Kuratoren nur gratulieren, mit wieviel Gespür für die Zusammenhänge sie ihre Auswahl getroffen haben und dass es ihnen gelungen ist, so hochkarätige Stücke auszuleihen. Eigentlich fehlen nur die Krieger von Riace ...
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