Die in England geborene Autorin hatte schon als Kind lernen müssen, nach diversen Krankheiten und Unfällen wieder aufzustehen und erst einmal wieder gehen zu lernen.
Anfang der 2000er Jahre war sie erfolgreiche Unternehmerin in Deutschland, der durch die Terroranschläge am 11. September 2001 ihr Geschäft zusammen brach. Sie kam nicht aus ihren langfristigen Verträgen heraus, sodass sie Insolvenz anmelden musste.
Sie verlor in der folgenden Zeit alles - Wohnung, Auto, Erspartes, Altersvorsorge sowie, was vielleicht anfangs ihr größtes Problem war, ihr Konto. Sie berichtet sehr persönlich von ihren Erfahrungen, Gefühlen, der Sorge um die Kinder und wie man als "Pleitier" zum Außenseiter wird. Sie will jedoch nicht aufgeben, sondern im Gegenteil, möglichst viele ihrer Schulden in den sechs Jahren, in denen ihr Restschuldbefreiungsverfahren läuft, zurück zahlen. Sie entschließt sich, ihr Scheitern zu vermarkten und Andere von ihren Erfahrungen profitieren zu lassen. Dabei stößt sie anfangs auf wenig Interesse - Erfolgsgeschichten sind gefragt und nicht Erfahrungen einer Gescheiterten. Aber langsam und beharrlich beißt sie sich durch.
Immer wieder blitzt ihr englischer Humor auf. Ihre Betrachtungen der Eigenarten der deutschen Sprache sind nicht nur amüsant, sondern laden auch zum Nachdenken ein ("Warum heißt die Klobrille nicht Klomonokel und wohin schauen denn die Deutschen durch diese Brille? In England heißt das Toilettensitz und wir setzen uns darauf und schauen nach vorne."). Auch einige Abschweifungen in englische Weihnachtsbräuche und die dort so beliebten Christmas Crackers (Knallbonbons) lockern das Buch auf und lassen den Leser trotz des ernsten Themas immer wieder schmunzeln.
Das Buch ist ein Plädoyer für eine bessere Insolvenzordnung und eine andere gesellschaftliche Einstellung zum Scheitern: weniger den Misserfolg als viel mehr den Zuwachs an Erfahrung sehen, lautet die Botschaft. Erschreckend war für mich, dass von dem in den sechs Jahren erarbeiteten Geld nur gut 10% bei den Gläubigern ankam, der Rest versickerte beispielsweise in den Taschen des Insolvenzverwalters.
Es scheint, als habe die Politik bei Anne Koark nachgelesen, weil manche Dinge in jüngster Zeit verbessert wurden, z.B. mit dem Pfändungsschutzkonto.
Das Buch weist an einigen Stellen Längen auf, ist aber dennoch ein Gewinn auch für "Nicht-Pleitiers". Den Mut zu haben weiter zu machen trotz scheinbar aussichtsloser Situation ist in vielen Situationen ein wichtiger Baustein zu Erfolg.