- Pappbilderbuch: 84 Seiten
- Verlag: Reclam (1979)
- ASIN: B004HK8WYA
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation
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Wer aber noch tiefer in die Analyse dieses Klassikers einsteigen möchte, dem sei dieser Sammelband des hervorragenden Kant-Kenners Otfried Höffe empfohlen. höffe selber beschäftigt sich mit dem vernachlässigten Ideal des Friedens, Jean-Christophe Merle legt eine Geschichte des Friedensbegriffs vor Kant dar, wobei er Antike und Mittelalter ebenso einbezieht wie Reformation und Naturrecht. Hans Saner untersucht die negativen Bedingungen des Friedens und geht dabei auf den Anlass der Schrift Kants, den Baseler Frieden zwischen Frankreich und Preußen ein und zeigt den Unterschied zwischen Verträgen und Kants Intention auf, der im Gegensatz dazu keinen Mustervertrag für Friedensverträge vorlegen wollte, sondern "den Krieg in den Frieen" überführen will. Kant geht es um Bedingungen, dauerhaften Frieden zu schaffen. Weitere Beiträge in dem Sammelband untersuchen das "Problem der Erlaubnisgesetze im Spätwerk Kants" (Reinhard Brandt), die notwendigen Elemente einer republikanischen Verfassung in: "Die bürgerliche Verfassung in jedem Staate soll republikanisch sein" (Wolfgang Kersting), die Frage, ob es einen Völkerbund (von Kant befürwortet) oder eine Weltrepublik (von Kant abgelehnt) geben soll (Otfried Höffe). Hier hat in dem oben zitierten Aufsatz auch Eberl ganz klar den Realismus von Kants Lösungsvorschlag herausgearbeitet: eine Weltrepublik wäre ein Zwangstaat, so Eberl in Anlehnung an Kant, der mit seiner Anmaßung globaler Gewalt notwendigerweise Widerspruch hervorrufen müsse, während ein Völkerbund (nach diesem Vorbild entstand die heutige UNO) den Vorteil der Freiwilligkeit des Zusammenschlusses habe. Nur ein solcher verspräche die Anerkennung des globalen Rechtes - wie man ja derzeit an den Schwierigkeiten im Irak feststellen kann (so Eberl korrekt). Auch Höffe betont in seinem Beitrag die Notwendigkeit einer sanktionsbedingten Rechtsordnung, also einer gewissen Staatlichkeit. Und ist es nicht der allerorts zu beobachtende Staatszerfall einerseits wie auch Beobachtungen eines demokratisch nicht zu kontrollierenden Weltstaates, der zum Despotismus neigt (so Ingeborg Maus: "Vom Nationalstaat zum Globalstaat oder: Der Niedergang der Demokratie" in: "Weltstaat oder Staatenwelt? Für und wider die Idee einer Weltrepublik, 2002, zit. nach Eberl), die zeigt, wie aktuell und real Kants Überlegungen sind? Diese zeitlose Aktualität Kants wird auch in den weiteren Beiträgen dieses Sammelbandes deutlich. So untersucht Reinhard Brandt das "Weltbürgerrecht", Pierre Laberge beschreibt die inneren und äußeren Bedingungen des "ewigen Friedens", wobei er im Kapitel: "Der äußere Krieg" auch den sogenannten Neorealismus, eine Theorie in den Internationalen Beziehungen, mit in die Untersuchung einbezieht. Volker Gernhardt untersucht in seinem Beitrag: "Der Thronverzicht der Philosophie" das Verhältnis von Philosophie und Politik bei Kant und zeigt, dass sich Kant der systematischen Differenz zwischen philosophischer Theorie und pragmatischen [politischen] Handeln bewußt gewesen ist, was auch für seinen Realismus spricht. Monique Castillo untersucht dieses Spannungsverhältnis in ihrem Beitrag:"Moral und Politik: Misshelligkeit und Einhelligkeit". Michael W. Doyle, einer der Begründer der Theorie des "Demokratischen Friedens" in den Internationalen Beziehungen, vergleicht in seinem Aufsatz: "Die Stimme der Völker" die Theorien von Thukydides, Rousseau, Kant und Schumpeter, allesamt Verfechter einer demokratischen und repräsentativen Regierungsform, miteinander und die Frage, inwieweit Demokratie und Mehrheitsprinzip Bedingungen füreinen Friedenszustand sein mögen und ob die Theorie des Demokratischen Friedens daher zutreffe oder nicht. Willfähigkeit, Kreuzzugsmentalität und übersteigerte Verfolgungsangst seien kriegsfördernde und friedenshemmende Bedingungen. Versäumnisse in jedem dieser drei Bereiche könnten unsere friedlichen Aussichten daher "radikal verändern" (S. 242). Abschließend unterscuht Otfried Höffe in einem faszinierenden Aufsatz, inwieweit die Vereinten Nationen der eines Völkerbundes im Sinne Kants entspräche, wobei er eine "halbierte Übereinstimmung" der Ziele und Ideen der UN mit Kants Vorstellungen konstatiert (S. 249).
Insgesamt eine faszinierende Interpretationsschrift, die zeigt, welch bleibende Aktualität Kants Schrift vom ewigen Frieden auch heute noch - gerade nach den Ereignissen des Irak-Krieges - besitzt. Der zitierte Aufsatz von Eberl in den "Blättern" sollte unbedingt als Ergänzung zu den vorliegenden Aufsätzen gelesen werden. Sie zeigt die Wichtigkeit und Realitätsnähe von Kant auch in der heutigen Zeit auf.
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