Anfangs war ich skeptisch, ein Buch aus dem späteren Werk der bekannten Krimi-Queen Dorothy L. Sayers zu lesen.
Das Buch enthält Theaterstücke über das Leben Jesu. Am Anfang der Stücke werden jeweils die Personen vorgestellt, allein dieses schon nach echter Sayers-Manier. Eine Kostprobe: (Die Szene spielt am Hof des Herodes)
"EPHRAIM: Er ist, denke ich, in den Sechzigern und war die letzten 45 Jahre vollauf von dem Bemühen in Atem gehalten, seinen Kopf auf den Schultern zu behalten, keine ganz einfache Aufgabe an einem Königshof, an dem niemand in größerer Gefahr für Leib und Leben war als der Günstling von Gestern ... DER PAGE: Ein junger Sklave, etwa 13 Jahre alt, ist das übliche Stückchen lästiger Verzogenheit, wie sie an orientalischen Höfen großgefüttert werden. Er ist wahrscheinlich griechischer oder levantinischer Herkunft, ein hübscher Bengel, naseweis und bis zur Verdorbenheit verwöhnt."
Die Sprache ist witzig und intelligent, keineswegs salbungsvoll frömmelnd. Für Sayers-Fans eine interessante Erfahrung, die "andere" Seite ihres Schaffens kennen zu lernen.