Leider ist die Beschreibung des Buches durch den Verlag grob verzeichnet,
was hier vorliegt ist allerhöchstens in zweiter Hinsicht
ein Text über das Hören von Musik bzw. eine Phänomenologie des Hörens.
Was der Text zuerst wiedergibt, sind hochkomplexe Gedanken zur Frage
der ursprünglichen Gestimmtheit des Selbst und damit zur Frage
der Konstitution von Subjektivität überhaupt.
Es sind also Fragen, die Nancy spätestens seit CORPUS beschäftigen.
Es geht um eine Antwort auf die Frage, was unser jeweiliges sprachliches Selbst
zu einem Idiomatisch-Unwiederholbaren macht. Wieso
unterscheiden wir uns so im Timbre und Rhythmus des Sprechens
und des Schreibens ? Wieso stösst so vieles auf taube Ohren?
Kann das für eine Theorie des singulär-pluralen Seins nützlich sein ?
Wie kann diese ursprüngliche "Musikalität eines Textes" bestimmt werden ?
Diese Fragen versucht Nancy, mit Hilfe von Derridas Theorie der "Urschrift"
und seiner Dekonstruktion der Selbstgegenwart der Stimme, Lacoue-Labarthes Lektüren
von Theodor Reik, Nicolas Abraham, Gerard Granels berühmter Analyse der Melodie
in Husserls Zeitphilosophie, Heidegger, Jacques Lacan und Levinas zu beantworten.
Fazit: Ein sehr schwerer Text über fundamentalphilosophische Fragen, der
erst in zweiter Hinsicht ein Text über die Musik ist. Es ist eher
ein Text über die ursprüngliche Musik, die in uns spielt und uns
zu dem macht, was wir sind. Aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades
und der starken thematischen Fokussierung auf schwerste
philosophische Fragen vergebe ich 4 Sterne.