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Zum Fressen gern: Zwischen Haustier und Schlachtvieh
 
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Zum Fressen gern: Zwischen Haustier und Schlachtvieh [Taschenbuch]

Bernhard Kathan
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 256 Seiten
  • Verlag: Kulturverlag Kadmos; Auflage: 1 (2. Januar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3931659488
  • ISBN-13: 978-3931659486
  • Größe und/oder Gewicht: 22,6 x 15 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 973.601 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Bernhard Kathan
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Produktbeschreibungen

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 24.03.2004
Richard David Precht hat in diesem Buch des Künstlers und Sozialwissenschaftlers Bernhard Kathan eine, wie er lobt, "kleine, aber sehr genau gezeichnete Phänomenologie all der Widersprüche" im menschlichen Verhältnis zum Tier gefunden, die "im Kopf des Normalmenschen gemeinhin nicht aufeinander treffen". Auch glaubt der Rezensent, dass sich kein anderes Buch diesen widersprüchlichen Verhältnissen bislang "auf vergleichbar ungewöhnlichen Pfaden" genähert haben dürfte. So liegt Kathans Stärke für den Rezensent in den "oft spitzfindigen" psychologischen Beobachtungen und "minutiösen Gedankenexperimente" etwa zur Frage, wie groß ein Tier sein muss, damit "uns sein Todeskampf noch bewegt".

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Die Zeit, 29.04.2004
Das Bewusstsein für Tierschutz ist ein Phänomen der Neuzeit - das lässt sich aus Bernhard Kathans kulturgeschichtlichen Untersuchungen zweifelsfrei festhalten. Den Schock der Erkenntnis, dass zwischen Mensch und Tier eine beträchtliche Verwandtschaft besteht, datiert er auf das Jahr 1699, in dem Edward Tysons Buch "Orang-Outang, sive Homo Sylvestris, or, the Anatomy of a Pygmie Compared with that of a Monkey, an Ape, and a Man" erschien. Das Ganze gipfelte dann in Darwins Abstammungslehre. Eine Umkehrbewegung setzte allerdings rasch ein: In der technischen Ausgrenzung des Leidens der Tiere aus unserer Aufmerksamkeit. Der Schmerz des Schlachthoftodes bleibt uns fern. Rezensent Gerhard Neumann ist von Kathans Buch sehr angetan. "Angenehm" findet er es, dass der Autor weder "sentimentalisiert" noch "moralisiert", höchstens einmal in beinahe "poetischen" Szenen wie der der Einschläferung einer Katze klar macht, auf welcher Seite er steht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Pressestimmen

"Scharfsinnig und kenntnisreich bewegt sich der Autor im Spannungsfeld zwischen den beiden extremen Rollen, die der Mensch dem Tier zugedacht hat: Schlachtvieh und Kuscheltier. Mit provokanten und unkonventionellen Ansätzen, aber ohne missionarischen Eifer, wird der Leser mit den Widersprüchen unserer Beziehung zum Tier konfrontiert. ... Ein sehr intellektuelles, spannendes Buch; allerdings nicht ganz leicht zu verdauen." (Tiroler Tageszeitung)

"Kathan schildert das, was ihm wichtig ist, recht treffend und weiß - meist allerdings fernab von seinem Hauptthema - etliche Zusammenhänge eindringlich zu schildern." (Psychologie heute)

"Der Wissenschaftler wählt in seinem spannend geschriebenen Buch "Zum Fressen gern" aber lieber den nüchternen Blick des Kulturhistorikers, anstatt an die moralisch-vegetarische Vernunft zu appellieren. ... Bestechend ist Kathans minutiöse Analyse des modernen Schlachthofs als einer Stätte des erbarmungslosen Tötens, in der das Tier nur noch als Gut zur industriellen Weiterverwertung, aber nicht mehr als fühlende Kreatur behandelt wird." (STZ)

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Interdisziplinär verfahrende Kulturwissenschaft ist eine vergleichsweise neue Disziplin, deren populärer verfaßten Resultate auf den Buchmarkt drängen. Nicht alle Produkte sind über jeden Zweifel an ihrem Nutzen erhaben. Bücher, deren Untertitel mit "Eine Kulturgeschichte der/des..." beginnt, haben sich mittlerweile nicht nur Elementarem gewidmet (Kulturgeschichten der Liebe, des Todes, der Krankenfürsorge, der Mode, des ReIsens, der Gottesverehrung, der Musik, des Theaters etc.) sondern auch entlegenere Bereiche nicht gescheut: auch dem Spülklo, den Blasinstrumenten, dem Tabakrauchen, der Kosmetik, der Unterwäsche, der Mumien-Herstellung usw. wurden schon kulturhistorische Explorationen gegönnt. Bernhard Kathans Arbeit, schon seit vier Jahren auf dem Markt, bearbeitet ein brandaktuelles, "heißes" Thema: die Kulturgeschichte des Mensch-Tier-Verhältnisses unter besonderer Berücksichtigung des Tötens und Schlachtens, des Verbrauchs und Verzehrs unserer Mitgeschöpfe sowie, und das ist wichtig, zugleich der Geschichte des Diskurses darüber. Die Tiere - als Opfer, Nahrung, Transportmittel, Energie- und Rohstofflieferant, als anatomisches Präparat und viviseziertes, gemartertes Forschungsobjekt, als Kuscheltier, Luxusgegenstand und Dekorationsobjekt, als häusliche Emotonialprothese, Baby-Surrogat oder Fleischkonserve, als lebende "Biomasse" in der vollautomatischen Massentötungsanlage, Tiere als Spielzeuge, Familienmitglieder, Stimulatoren, Trophäen, Geldanlage, Statussymbol, Schaustück: Es gibt kaum einen Aspekt des Menschseins, der nicht auf offene oder verborgene Weise auch dadurch bestimmt ist, wie das Tier, bestimmte Tiere, irgendwelche Tiere oder Tiere überhaupt dabei eine ihrer vielen, selten erstrebenswerten Rollen spielen.
Der Mensch war es vielleicht nicht von Anbeginn - jetzt jedenfalls ist er Karnivore. In vormodernen Zeiten mußte, wer Fleisch essen wollte, das dazu benötigte Tier, wenigstens prinzipiell, jagen, fangen und vor allem: töten. In der Antike war das Töten von Tieren ein feierlicher, sakraler, aufgrund des mit dem Akt verbundenen Grauens vielfach ritualisierter Akt, verbunden mit dem Sakrament des Opfers. Der Verzehr des Fleisches der Opfertiere blieb ein marginaler Randaspekt, der erst ganz allmählich an größerer Bedeutung gewann. Das Grauen, das Schuldempfinden, die Idee, durch den Tier-Mord ein Gesetz elementarer Brüderlichkeit verletzt zu haben, blieb noch lange virulent. Noch bis in die Neuzeit war der Beruf des Schlachters dem des Henkers verähnelt und mit sozialen Tabus und Sanktionen umgeben. Seit Beginn der industrialisierten Moderne hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Die riesigen, automatisierten Schlachthöfe liegen im anonymen Nirgendwo jenseits der Vororte; Tiertransporte finden klandestin und verdeckt vor der Öffentlichkeit statt; selbst die Zucht -und Mastfabriken, in denen Tiere "produziert" werden wie Fabrikware, liegen außerhalb des öffentlichen Gesichtskreises. Selbst in den Massenmedien kommen sie nur selten vor. Der Tod ist kein Mysterium mehr, und kein Skandal: Man hat ihn schlichtweg zum Verschwinden gebracht. Kinder von heute haben, wenn überhaupt, nur vage Vorstellungen, woher ihre Hamburger, Chicken Nuggets, Curry-Würste und Fischstäbchen herkommen.
Dass ein Spektakel wie der spanische Stierkampf, das einzige verbliebene ästhetisch-rituelle Fest, bei dem öffentlich, am hellen Tag, vor Publikum, das Töten von Tieren zelebriert, vorgeführt und real vollzogen wird, die heuchlerische Empörung gedankenloser Moralapostel herausfordert, zeigt ex negativo, wie sehr die Tatsache inzwischen verdrängt wird, dass wir ausnahmslos alle (die Vegetarier keineswegs ausgeschlossen) unsere Existenz dadurch bestreiten, dass wir Tiere töten (lassen).
Bernhard Kathans materialstrotzendes, mit vielen aufschlußreichen Illustrationen versehenes Buch verfolgt den kulturhistorischen Prozess, in dem das Bewußtsein von Tiermord und Fleischverzehr verschwand, aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, nutzt die Filmgeschichte, Malerei und Karikatur, die dokumentierte Entwicklung der Tischsitten, das Genre der Kochbücher, die Zubereitungs- und Zerlegungstechniken, die Technologie von Tischbesteck und Kochwerkzeug, die Darstellung des Tieres in Mythos, Poesie und Literatur, um für die Leser nicht nur sinnlich erfahrbar zu machen, was geschehen ist, sondern diesen Prozess auch einzubetten in die vielfältigen Bezüge der Lebenswelt. Die assoziationsreiche, essayistische Art der Darstellung trägt der Kompliziertheit der Thematik Rechnung. Jenseits platter Agitation und plumper Parolen zeichnet der Autorein differenziertes Bild der ungeheuer komplexen, facettenreichen Beziehung von Mensch und Tier, die sich ko-evolutiv, verstrickt in gewaltgeprägte Relationen, gemeinsam zu dem entwickelt haben, was sie sind. Kathans Buch taugt nicht als Pamphlet; wer moralische Traktate liebt oder sich von der Lektüre das angenehme Gefühl verspricht, "zu den Guten zu gehören", die sich durch die Lektüre ein gutes Gewissen verschaffen konnten, spare sich die Anschaffung. Kathans zweite kulturgeschichtliche Arbeit (die erste, ähnlich brisante, befaßt sich mit dem "Elend der ärztlichen Kunst") moralisiert nicht, ist deswegen aber nicht indifferent. Alle, die schlichte Simplifizierungen, monokausale Erklärungsmuster und eindimensionale Verurteilungen nicht für sachdienlich halten, finden bei Kathan viel Material zum Nach- und Weiterdenken. -
Warum nicht die volle Zahl Sterne? Nur darum, weil es einfach zu schade ist, dass der Verlag nicht das Geld für besseres Papier und farbige Abbildungen aufbringen konnte. Die fleißig zusammengetragenen, oft äußerst beziehungsreichen und anregenden Illustrationen farbig zu drucken, hätte das Buch zu einem Prachstück gemacht, das in keinem kulturanthropologischen Apparat fehlen sollte. Aber auch so: schon ein wirklich empfehlenswertes Buch!
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