Hauptsächlich sind es also zwei teils miteinander verflochtene Lebensläufe, die einander in diesem Buch gegenübergestellt werden: der des Ernest Meissonier, der mit aparten Szenen aus dem 18. Jahrhundert und Darstellungen von Napoleons Heldentaten ein Vermögen verdiente, und der des Edouard Manet, dessen Berufsleben fast ausschließlich von bitteren Enttäuschungen gekennzeichnet war. In einem wunderbaren Erzählstil, sehr spannend und anhand von vielen nützlichen Hintergrundinformationen lässt der Autor den Leser am Leben im turbulenten Paris dreier Jahrzehnte fast schon unmittelbar teilhaben. Anschaulicher kann man die Geburtswehen der modernen französischen Malerei sicher nicht darstellen. Die Verzweiflung der jungen Maler, die sich bei den bornierten meinungsbildenden Oberen der Ecole des Beaux-Arts jahrzehntelang vergeblich um eine Chance zur Anerkennung ihrer Richtung bemühten, und die Einflüsse der Gräuel von Krieg und Bürgerkrieg werden dem Leser ebenso verständlich wie die hochinteressanten Beziehungen, Freundschaften wie Feindschaften, der Maler untereinander und mit Künstlern anderer Métiers, darunter Dichter und Schriftsteller wie Baudelaire und Zola. Vorzüglich stellt der Autor zudem die Arbeitstechniken der Protagonisten vor, wobei der scheinbaren, vom damaligen Publikum angeprangerten Schlampigkeit Manets der Perfektionismus Meissoniers gegenübersteht, der sich sogar Bahnschienen im Garten verlegen ließ, um den Galopp der Pferde intensiv studieren zu können. Bemerkenswerterweise setzte sich Meissonier trotzdem jahrelang für die modernen, jüngeren Kollegen ein, wenn auch erfolglos.
Das Buch enthält einen Teil mit farbigen Abbildungen der bedeutsamsten besprochenen Werke sowie etliche Schwarzweißabbildungen, darunter weitere wichtige Bilder und Skizzen zu einigen Werken sowie Fotos der Personen, die im Buch eine bedeutende Rolle spielen.
Abbildungen einiger weiterer Kunstwerke wären allerdings wünschenswert, zumal der umstrittenen, die sich häufig nicht einmal in umfangreichen Bildbänden zum Impressionismus finden (dem Manet allerdings auch nicht klar zugeordnet werden kann).
Aufgrund der kenntnisreichen, anschaulichen und sensiblen Darstellung ist das Buch sehr zu empfehlen, zumal es sich, ohne seinen Sachbuchcharakter je einzubüßen, spannend wie ein historischer Roman liest. Es eignet sich daher auch nicht nur für Kunstliebhaber, sondern ebenso für Lesende, die sich für Geschichte und außergewöhnliche Persönlichkeiten interessieren.