Ich finde die Thematik von einer Welt nach dem Untergang der Menschheit grundsätzlich faszinierend und dachte, diese Dokumentation würde sich diesem Themenfeld wissenschaftlich stellen und interessante Fakten präsentieren. Absolute Fehlanzeige. Was den Zuschauer erwartet ist eine reißerische, miserabel recherchierte Dokumentation, in der immer wieder mit plakativer Kriegsmetaphorik kommentiert wird, wie einzelne Amerikanische Wahrzeichen im Laufe der Zeit zusammenbrechen.
WAS MICH STÖRT:
--- Die Dokumentation ist für Menschen mit der Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs produziert ---
Bilder werden nicht länger als 2 Sekunden eingeblendet und sowohl pro Folge als auch über beide Staffeln der Serie wieder und wieder genutzt. Es entsteht der Eindruck eines unprofessionell zusammengestellten Musikvideos, begleitet von hektischer Musik. Die selben "Fakten" oder Entwicklungen werden im Laufe einer Folge unerträglich oft wiedergekäut - unter anderem in offenen Fragen wie "Wird Gebäude XY dem gewalttätigen Angriff der Naturgewalten widerstehen können?" an den Punkten der Serie nach denen in Amerika vermutlich Werbung eingespielt wird. Begleitet wird die Fragestellung wieder und wieder von Bildmaterial, das den Einsturz eben jenes Gebäudes XY zeigt. Subtil wie der berühmte Ziegelstein in der Socke.
--- Immer gleiche Themen ---
Wie in anderen Rezensionen erwähnt stellt die Dokumentation keine allgemeinen Fragen, sondern verfolgt lediglich den Untergang von Amerikanischen Wahrzeichen (Las Vegas, diverse Wolkenkratzer und Brücken, Flugzeugträger, Washington D.C., die Unabhängigkeitserklärung etc.) sowie einer handvoll europäischer Orte und Kunstgegenstände (Mona Lisa im Louvre, Eiffelturm), die plakativ verrotten und/oder zusammenbrechen.
Andere relevante Themen wie die Zukunft von Kernkraftwerken, momentan noch gewarteten Atombomben und Raketen sowie Chemikalien beispielsweise werden vollkommen ignoriert.
--- Viel Mumpitz ---
Die Frage danach, welche Tiere den Schritt von Domestikation in die freie Wildbahn schaffen, beantwortet die Serie mit einer ganzen Menge an Idiotie. Da entkommen Elefanten und Hyänen aus dem Zoo, vermehren sich urplötzlich explosiv und ziehen als Herden durch den Süden der USA. Wie das funktionieren soll (ich nehme an, auch in den USA werden die Gehege in Zoos so konstruiert, dass genau das NICHT passieren kann) wird bequemerweise nicht erwähnt. Statt dessen wird darüber spekuliert, ob Schimpansen lernen könnten, Tauben zum Zwecke der Eigewinnung zu beschützen und menschliche Konstruktionen nachzuahmen bzw. ob Delphine noch Jahrhunderte nach dem Untergang der Menschheit von uns singen und uns als Götter sehen werden. Kein Witz.
--- Vortagsweise eher plakativ als informativ ---
Die Dokumentation stellt die gesamte Umwelt, die in Abwesenheit der Menschheit natürlich auch vor Städten und nationalen Schätzen nicht Halt macht, als aggressive Eroberer dar: Städte werden "zurückerobert", Schäden durch Tauben- und Möwenkot werden zum "Luftangriff", Ein Schneesturm zum "brutalen, rücksichtslosen Angriff" auf irgendein amerikanisches Wahrzeichen. Untermalt wird das ganze von der Art Musik, die man bei epischen Angriffsszenen oder Kampfszenen aus Actionfilmen kennt, und auf wissenschaftliche Begründungen der vorgestellten Szenarien wartet man vergeblich. Hauptsache irgendwas explodiert oder stürzt ein. Informativ ist anders.
WAS ICH MOCHTE
Hin und wieder wird etwa zwei Minuten lang eine amerikanische Geisterstadt aufgesucht und als illustrierendes Beispiel für die Entwicklung von Städten herangezogen. Und bisweilen werden auch interessante Fakten erwähnt. Ich wusste beispielsweise nicht, dass das Wrack eines 1968 gesunkenen russischen Atom-U-Boots im Pazifik (K-129) nach wie vor nukleare Sprengköpfe an Bord hat, die nicht geborgen wurden.
FAZIT
Die "Dokumentation" ist nicht mehr als ein Vorwand, um Bilder von einstürzenden amerikanischen Wahrzeichen zu zeigen. Für die enthaltenen 10 Minuten an interessanter Information muss man insgesamt 7.5 Stunden an plakativem Mist durchstehen, und das ist es schlicht nicht wert. Wer wissenschaftliche oder zumindest glaubwürdige und relevante Informationen will, ist bei dieser Serie falsch.