Es gibt noch nicht viele Bücher über Regionalwirtschaft, daher betreten die Autoren manches Neuland, was ihnen aber aufgrund der abwechslungsreichen Aufbereitung des Themas gut gelingt. Ich bin auf der Suche nach neuen Antworten auf die vorhandenen Krisen vielen Büchern begegnet, dieses hat mich in manchen Anworten doch überrascht - und überzeugt.
Interessant ist z.B. der zum Teil philosophische Zugang mit der Abwendung vom Wachstumsdogma und der Schaffung neuer Begrifflichkeiten wie "Wertekulturgesellschaft", "Zuvielisation" oder "Inwertsetzung", die in der prägnanten Einleitung gut erklärt werden. Unbegrenztes Wachstum ist bei begrenzter Güterverfügbarkeit tatsächlich unlogisch, aber das wird oft ignoriert. Das ist doch ungewöhnlich für ein "Wirtschaftsbuch". Mit diesem philosophischen Unterbau heben sie sich aber angenehm von anderen Büchern ab, die die Regionalwirtschaft als kleinen Bruder der Globalwirtschaft beschreiben wollen und auf vielen Tabellen nichts sagen.
So können sie das vorhandene Gefühl einer fehlgeleiteten Wirtschaft und auch die Finanzkrise ganz gut beschreiben, da die innere Entwicklung des Menschen zugunsten des materiellen Ansammelns von Dingen vernachlässigt wurde und dadurch ein "Mangelgefühl" entsteht, das vermeintlich neue Güter verlangt, aber nur innere Werte vermisst. Aber es bleibt nicht bei der Analyse, die auf Brodbeck und E.F. Schuhmacher bzw. Leopold Kohr beruht. Die Autoren bringen eine Vielzahl von Beispielen, wie eine Wirtschaft "nach menschlichem Maß", wie es im Vorwort heißt, funktionieren kann. Ausführlich wird auf das steirische Vulkanland eingegangen (das bereits in "Politik der Inwertsetzung" eine Hauptrolle hatte), aber auch das bekannte Beispiel SEKEM in Afrika miteinbezogen.
Für mich persönlich waren die im Text integrierten Interviews mit bekannten Experten wie dem Change-Management-Papst Peter Kruse oder Prof. Birger Priddat oder dem Autor von Klimakriege, Harald Welzer, ein echte Bereicherung; was will man mehr?