Das Buch von Maxeiner/Miersch: „Die Zukunft und ihre Feinde" regt zum Nachdenken an und enthält viele wissenwerte Fakten, die geeignet sind, gängige Denkschemata zu durchbrechen. Welches sind die Faktoren, die eine Gesellschaft weiter bringen und wer -oder was - trägt zu gesellschaftlicher Stagnation bei? Dieser Frage gehen die Autoren nach und beschreiben dabei - sehr zutreffend - eine Welt voller Widersprüche. Wir leben heute gesünder und länger als jede Generation vor uns. Dennoch beherrschen Angst vor der Zukunft und Unsicherheit die gesellschaftlichen Debatten. Jede Innovation wird mit Skepsis oder gar Feindseligkeit aufgenommen, auch wenn diese große Vorteile für die Menschheit mit sich bringt: Das Handy hat z.B in den vergangenen Jahren zahlreiche Menschenleben gerettet. Die Frage, ob der vermeintliche „Elektrosmog", der von Handys ausgeht, Gehirnschäden verursacht, dominiert jedoch die gesellschaftliche Diskussion. Die Globalisierung ist zu einem Schreckgespenst der Moderne geworden und wird allgemein als die Ursache für die Verarmung der Welt angesehen. Wer weiß schon, dass es heute den Menschen, auch in den ärmeren Ländern, in der Regel besser geht als vor noch fünfzig Jahren und dass dies ohne die Globalisierung nicht möglich gewesen wäre? Zahlreiche Beispiele dieser Art machen das Buch lesenswert.
Maxeiner und Miersch meinen, es lohne sich „zukunftsoffen" zu sein und an das positive, kreative Potenzial des Menschen zu glauben. Die Auseinandersetzung mit den Hauptargumenten der gesellschaftlichen „Bremser" ist daher ein wesentlicher Bestandteil des Buches. Interessant ist in diesem Zusammenhang der Hinweis, dass sich viele Endzeitprognosen der achtziger Jahre als Hirngespinste einer zunehmend verunsicherten Wohlstandsgesellschaft erwiesen haben (Stichwort: Waldsterben, Ressourcenknappheit). Legitim ist auch das Infragestellen moderner „Paniken", die der gleichen vermeintlichen Logik entspringen wie die bereits widerlegten Angstszenarien (z.B. solche, die mit statistischen Hochrechnungen, basierend auf einer Projektion des Ist-Zustands in die Zukunft, begründet werden). Die Autoren zeigen, dass die zur Zeit stark ausgeprägte Fortschrittsfeindlichkeit durchaus sehr negative Folgen für die Gesellschaft hat. Harmlos klingende Forderungen wie die Beurteilung neuer Erfindungen nach dem „Vorsichtsprinzip" oder mehr „Nachhaltigkeit" in der Entwicklungspolitik dienen als Begründung bzw. Legitimierung gesellschaftlicher Rückschritte.
Dass sich die herkömmlichen Strukturen und Organisationsformen der Gesellschaft verändern bzw. bereits grundlegend gewandelt haben ist ebenfalls Thema dieses Buches. Rückschrittliche bzw fortschrittliche Kräfte lassen sich nicht in das alte „rechts-links Schema" einordnen. Dieses Buch versucht, die neuen Allianzen und gesellschaftspolitischen Parteien zu definieren. Die Benennung der Fortschrittsfeinde wirkt jedoch manchmal etwas weniger gut recherchiert als der Rest des Buches - vor allem die Ausführungen zu Ostdeutschland wirken teilweise recht „flach".
Dennoch: Mir hat das Lesen viel Spass bereitet - nicht nur weil es stilistisch sehr gut geschrieben ist - sondern auch, weil es diese Art Bücher, die sich gegen die gängige „Miesmacherei" richten, viel zu selten gibt.