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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
KANT und der Körper ...,
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Rezension bezieht sich auf: Zuhaus bei Kant: Ein Beitrag zur Kenntnis seines Charakters und häuslichen Lebens aus dem täglichen Umgang mit ihm (Gebundene Ausgabe)
Pastor Ehregott Andreas Christian Wasianski, eng verbunden mit dem Philosophen KANT und häufig in seinem Haushalt zugegen, - er lieferte uns die unverfälschesten Nachrichten über den Menschen KANT - zuerst erschienen 1804 (Neuauflage nun im Semele Verlag Berlin 2006). Die Kantische Philosophie scheint unterschwellig stark beeinträchtigt von der Stoa - jener römischen Richtung, die Vernunftkühle vorzog jedwedem emphatischen Schwulst, egal in welche Richtung überschwappend. Dergleichen suchte Kant jedoch nicht nur in seinen Schriften wie ein Manifest einzubetonieren, es machte auch sein Leben vergleichsweise demjenigen der Schildkröten gleich. Dies unterstreicht auch der kluge, dem Tatsachenbericht von Ehregott A. Chr. Wasianski angefügte moderne Essay von Martin Burckhardt. Nie besiegte den Immanuel eine Frau. Nur einmal - fast: Es war eine Dame, die ihm seine über alles geliebte Uhr abschwatzen wollte, mit dem Vorwand, diejenige des Nachbarn sei stehen geblieben, er solle die Uhr kurz herausgeben, damit der Nachbar die seine stellen könne. Kant durchschaute den Diebestrick, plusterte sich auf und schlug somit die "Dame" in die Flucht. Stolz berichtete er dem bald eintreffenden Freund und Biograph Pastor Ehregott Andreas Christian Wasianski von diesem glimpflich überlebten Machtkampf. Kant wollte sich auch nicht über Wanzen im Bett ärgern müssen, berichtet Wasianski. Weil der Königsberger Gelehrte der etwas klopsigen Theorie anhing, dass Wanzen bei Lichteinstrahlung sich bestens vermehren (bei Pflanzen trifft dies sicherlich auch zu), hielt er konsequent Tag und Nacht jegliches Licht aus seinem Schlafraum fern. Damit er des Nachts, wenn er hoch musste, nicht vor alle Möbel rannte, hatte er ein Führungs- und Tastseil vom Bett in Richtung Tür gespannt, an welchem er sich wie eine nachtblinde Straßenbahn entlanghangelte. Die Uhr war ihm übrigens heilig (so spekuliert im Nachwort Martin Burckhardt), weil sie eine Abstraktion von der Zeit darstellte. Sie war eine Verallgemeinerung der Zeit, versank nicht in einer persönlich gestimmten Individual-Zeit. Kant zog stets die keimfreie Abstraktion einer überbordenden Realität vor. Musik war ihm zumeist zuwider. Dass es die Reiserei in den Knochen-erschütternden Kutschen der damaligen Zeit auch war, mag man nachvollziehen können. Dass Bier-Trinken gefährlich sei, vertrat er rigoros. Wasianski notierte: "Wenn jemand in den besten Jahren seines Lebens gestorben war, so sagte Kant: Er hat vermutlich Bier getrunken." Obwohl Kant alles beachtete, was den Körper beunruhigen könnte, starb er dennoch. Der große Geist war wohl an irgendeiner Stelle leider doch noch mit Körperlichkeit kontaminiert: Weil es damals weder Herztransplatationen noch sonstige medizinische Superkniffe gab, hörte wie eine nicht mehr aufgedrehte Uhr das Herz des Königsbergers nach 80 Jahren leise auf zu schlagen...
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