Wenn ein Verlag normalerweise damit wirbt, einen "deutschen Grisham" herausgebracht zu haben, ist Vorsicht angesagt. Doch diesmal darf man dem Grafit-Verlag uneingeschränkt glauben, denn Andreas Hopperts vierter Kriminalroman (wiederum mit seinem "Helden" Marc Hagen) schafft es auf der Grundlage deutschen Rechts einen verwickelten und wendungsreichen Gerichtsfall zu schildern, in dem nichts ist, wie es scheint.
In der Manier eines Gerichtsthrillers wie "Zwielicht" (verfilmt mit Richard Gere) wirft der knapp 350 Seiten starke Krimi "ganz nebenbei" die Frage nach Recht und Gerechtigkeit auf, die Hoppert (hauptberuflich als Richter an einem Sozialgericht tätig) auf seine Weise beantwortet.
"Zug um Zug" - der Titel nimmt Bezug auf den Aufbau eines Schachspiels mit Vorbereitung, Eröffnung, Mittel- und Endspiel, das Hoppert auf den Verlauf des Prozesses überträgt - kann ich nur uneingeschränkt als Lektüre für Krimi-Fans empfehlen.
Auch wenn die vier Bücher mit dem Protagonisten Marc Hagen nicht unbedingt aufeinander aufbauen, rate ich jedoch jedem, die Bücher in der Reihenfolge zu lesen ("Der Fall Helms", "Erbfall", "Die Medwedew-Variante" und aktuell "Zug um Zug"). Auch wenn die mittleren beiden Fälle etwas an Klasse verlieren, kann sich das bisherige Gesamtwerk - nicht zuletzt wegen des starken "Zug um Zug" - wirklich sehen lassen!