Erst einmal ein lautes "HALLO????"
In Anbetracht des Verkaufsrangs, den dieses Buch belegt, erstaunt es mich über alle Maßen, wo die negativen Bewertungen bleiben. Es ist einfach nicht möglich, dass ich und einige wenige andere, allein so denken und dieses Buch dermaßen hochgelobt wird. Wahrscheinlich trauen sich die meisten nicht zuzugeben, soetwas gelesen zu haben.
"Zuckermond" war mein zweites erotisches Buch, auch dieses habe ich nicht zu Ende gebracht, habe im letzten Teil aufgehört, weil es einfach unerträglich wurde.
Es gibt zwei Hände voll guter Gründe, warum dieser Roman weder markttauglich noch daseinsberechtigt ist... nichts gegen BoD an dieser Stelle.
1. Die Aufmachung: Schlichtweg billig. Vom seltsamen A5 Format angefangen, bis hin zum Text, der dirket auf die Seiten gequetscht wurde, der die Seitenzahlen küsst und soweit in die Buchmitte gedruckt wurde, dass man es beinahe auseinanderreißen muss, um die letzten und ersten Wörter lesen zu können.
Allein dieser Punkt lässt das Buch seinem Preis nicht gerecht werden.
2. Die Sprache: Riesiges Manko. Ständige Wortwiederholungen (Liebslingsworte der Autorin scheinen 'erneut' und 'schließlich' zu sein, letzteres wiederholt sich allein fünfmal auf einer Seite). Zudem werden zu viele Redewendungen benutzt, sodass die Dialoge der ohnehin künstlich wirkenden Nebenhandlungen noch platter wirken als sie sowieso sind. Auch Interpunktion und Orthographie sind nicht fehlerlos. Beim Lesen stieß ich weiterhin auf verwirrende sprachliche Bilder, die zwar gut gemeint waren, ihre Wirkung jedoch weit verfehlten.
3. Die Handlung: Einfach nur schlecht, schlecht, schlecht. Welche beruflich erfolgreiche Frau lässt sich von ihren Eltern (gekünstelten Aristokraten, deren Wirkungsbereich der Leser nicht einmal erfährt) zu einer Hochzeit zwingen?? Nur um sie nicht zu verletzten?? Und wie realistisch ist es, dass ein Callboy beim ersten Versuch, seine Lyrik an einen Verlag zu bringen, erfolgreich ist?? Diese Beispiele seien stellvertretend für weitere Grotesken dahingestellt. Den Schluss möchte ich mir lieber gar nicht erst vorstellen.
4. Das Satzbild: Drei verschiedene Schriftarten. Times New Roman für den normalen Text, eine schwammige Schnörkelschrift für die Headlines, ein Art kursive Schreibschrift für die persönlichen Gedanken der Protagonisten. Letztere trennt oftmals nicht einmal ein Absatz von den Ausführungen des Allwissenden Erzählers. Hinzu kommt, dass keine Gedanken an eine gewisse Einheitlichkeit vergeudet wurden. Mal werden betonte Wörter kursiv gedruckt, mal stehen sie in einfachen, mal in doppelten Gedankenstrichen. Ein absolutes Chaos.
5. Lektorat: War offenbar auch nicht allzu gründlich. Zuerst feiern die Eltern Goldene Hochzeit, dann Silberne. Zuerst fährt der Protagonist einen Sportwagen, plötzlich aber einen, in den mühelos vier Erwachsene reinpassen. Gut, vielleicht hat er auch zwei Autos. Das wurde nicht näher erläutert, wenn dem Leser auch sonst alles haarklein und doppelt und dreifach erklärt wurde (Jaaaaa... die Liegewiese war auch nach drei Seiten noch offen und man konnte von überall her beobachten, was dort vor sich geht.)
6. Die Protagonisten: Hier hätten wir einen Callboy, der grundstäzlich in Lederhose ohne Unterwäsche herumläuft und mit Vorliebe verschiedenfarbige Rüschenhemdchen trägt. Alles in einem ist er so oberflächlich gezeichnet, dass ich ihm die Gefühlsregungen für die Protagonistin nur schwer abkaufen kann. Allenfalls sind sie mir völlig egal, berühren mich nicht im Mindesten. Gegen diesen Alphamann steht die Protagonistin... eine erfolgreiche Malerin (die nicht einmal weiß, dass man verunglückte Farbkleckse am besten trocknen lässt, bevor man sie korrigiert). Auch ihre Beweggründe sind schwer nachzuvollziehen. Außerdem wirkt sie total naiv, was sicher auch auf die schlechte Erzählweise zurückzuführen ist. Sie denkt und spricht nicht wie die gestandene Frau, die sie darstellen soll.
Beiden Protagonisten ging - trotz kurzer optischer Vorstellung zu Beginn - bald das Erscheinungsbild flöten, sodass ich es mit Gesichtslosen zu tun hatte.
7. Die Erotik: Der Grund warum ich mir dieses Buch gekauft habe. Was meine Erwartungen betraf, hatte ich mir einfach etwas Stilvolleres vorgestellt. Erotik, die sich in eine anspruchsvolle, glaubwürdige Handlung einbettet. Ich habe nicht damit gerechnet, einen Porno vorgesetzt zu bekommen, der den billigen Filmchen in nichts nachsteht. Wenn man sich also aufheizen will, bitte... dann kann man das Buch lesen. Mehr darf man davon nicht erwarten.
Ich maße mir jedoch an, zu sagen, dass jeder so etwas schreiben könnte. Jeder könnte seine erotischen Gedanken mehr oder weniger detailliert zu Papier bringen und würde mehr oder weniger anspruchsvolle Leser eventuell sexuell erregen. Nichts weiter als eine Reaktion des Körpes auf bestimmte Wörter und Beschreibungen.
Die wenigsten schreiben solch detaillierte Erotik. Es wäre nett, wenn es Autoren täten, denen das Schreibhandwerk auch wirklich liegt.
SUMMA SUMMARUM: Wer Pornos mag und sich an den deutlichen Defiziten des Buches nicht stört, für den ist "Zuckermond" richtig.
Alle die mehr wollen, sollten sich von den überwiegend postitiven Berwertungen (die sich hauptsächlich auf den geschilderten Sex beziehen) nicht verwirren lassen, wie auch nicht vom Verkaufsrang.
Ich bedauere es, einen Stern vergeben zu müssen.