Johannes Groschupf Zu weit draussen Eichborn
ISBN3 821857744
Dieses Buch ist als Roman deklariert. Unschwer aber ist zu erkennen, dass hier jemand aus tiefster eigener Erfahrung berichtet.
J. Groschupf hat beschrieben, was er selbst einst erlebt hat.
Er machte als Reisejournalist eine wunderbare Reise in die Wüste der Sahara im Süden Algeriens. Nach der Besichtigung uralter Höhlenmalereien soll es im Hubschrauber zurück zum Ausgangspunkt der Oase Djanet gehen.
Der Hubschrauber, in dem Groschupf saß, stürzte kurz nach dem Start ab. Er ist der einzige, der lebend herauskommt mit zu 80% verbrannter Haut.
Von Beginn der Erzählung an ist man in Bann geschlagen.
Erinnerungsfetzen an die eigenen kleinen Kinder befassen sich mit seinem Leben vor dem Unfall. Die beiden Kinder sind die ersten Bezugspersonen, die das ganze Buch hindurch immer wieder Erwähnung finden und als ganz wichtiges Band zum Leben bestehen bleiben.
Während seines Krankenhausaufenthaltes spielen Gedanken an seine gescheiterte Beziehung zur Mutter der Kinder, eine hässliche Arbeitswohnung in Berlin, Erinnerungen an die Kindheit und an die gestrengen und unverständigen Eltern eine Rolle. Abwechselnd mit dem Grauen während der Behandlungen seiner Wunden im Krankenhaus erblühen herrliche Bilder über den Mond und die unerbittliche Sonne in der Wüste, über die Sterne und immer wieder die faszinierende Stille an diesem entlegenen Ort.
Sehr anrührend wird die stumme, ein Jahr dauernde schmerzhafte Behandlung der Wunden zu einem einmaligen poetisch - realistischen Erfahrungsbericht in diesem Buch.
Der tiefe soziale Fall nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zum Sozialhilfeempfänger mit allen damit verbundenen Erniedrigungen, der Kälte und Trostlosigkeit eines aus allen Bezügen des Lebens heraus Gefallenen kommt ebenso zur Sprache, wie das Unvermögen seiner Freunde, ihn zu verstehen. Er ist nicht mehr derselbe, der er vor dem Unfall war, und die Freunde können die Verwandlung eines so zu einem Neuanfang Verdammten nicht nachvollziehen.
Insgesamt wird das körperliche und seelische Leiden in einer so reflektierten, hochsensiblen und poetischen Sprache beschrieben, dass es den Leser tief berührt.
J.G. ist ein ungewöhnlicher Mann, der seine Erfahrungen in einem ganz eigenen Stil beschreibt: es sind nüchterne Beobachtungen und gefühlsmäßig stark ausgeprägte Eindrücke, die er in diesem Buch zu Papier gebracht hat. Möglich, sogar wahrscheinlich, hat er sich mit diesem Buch seine Erfahrungen und Leidenszeit von der Seele geschrieben.
Ein höchst anrührenden Buch!
Cl.B.