Was die Autorin Lenka Reinerová in ihrem Dasein gesehen und durchlitten hat, dafür reicht ein einziges Leben normalerweise nicht aus. Die Tochter einer Deutschen und eines Tschechen wuchs in Prag auf. Schon dort lernte sie in ihrem bürgerlichen Umfeld Menschen großen Namens, wie zum Beispiel Egon Erwin Kisch, kennen. Als Jüdin mußte sie jedoch während des Nazi-Regimes aus der damaligen Tschechoslowakei flüchten. Sie ging zunächst nach Paris. Von dort aus verschlug es die Exilantin nach Marokko, bevor sie endlich nach Mexiko gelangte. Hier lernte sie ihren späteren Mann, den jugoslawischen Arzt und Schriftsteller Theodor Balk kennen. Nach Kriegsende kehrte sie mit ihm nach Europa zurück, verbrachte erst einige Jahre in Belgrad, bis sie schließlich wieder in ihr geliebtes Prag kam. Doch auch in ihrer Heimatstadt war an Ruhe nicht zu denken: Zunächst wurde die Schriftstellerin ein Opfer der stalinistischen Säuberungen, dann erhielt sie nach dem Ende des "Prager Frühlings" Schreibverbot.
Doch trotz all dieser Widernisse und Leidenszeiten gab Lenka Reinerová nie auf, wurde zu keiner Zeit verbittert. Im Gegenteil. Ausgestattet mit einer großen Beobachtungsgabe und einem scharfsinnigen Verstand gelang und gelingt es der Autorin, selbst den schlimmsten Momente ihres turbulenten Lebens etwas abzugewinnen. Ihre Erzählungen, in die sie ihre Erlebnisse verpackt, versprühen Lebensfreude. Mal strahlen sie Besinnlichlichkeit und Phantasie aus, mal zeigt die Schriftstellerin in humorvollen Ausführungen die Absurdität so mancher Situation auf, in die sie während all der Jahre immer wieder geraten ist. Ihre Bücher sind nicht zum schnellen Durchlesen geeignet, sondern erfordern ein entspanntes Sich-Zurücklehnen. Nur dann ist ein wirklicher Genuß der sprachlichen Feinheiten von Lenka Reinerová gewährleistet.