Zu Grabe
von Daniela Larcher
Wien. Ein Student findet an der Universität den abgetrennten Kopf des Archäologen Vitus Novak, ausgestellt in den Arkaden, einem Gang, gesäumt mit den Büsten bedeutender Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung.
Schnell ist ein Verdächtiger gefunden. Leander Lorentz, ebenfalls Archäologe an der Universität, wird wegen Mordes an Vitus Novak verhaftet. Seine Freundin Nina, Gerichtsmedizinerin, weiß sich keinen Rat und ruft den befreundeten Chefinspektor Otto Morell zu Hilfe. Dessen Einsatzgebiet ist zwar nicht Wien, jedoch nimmt er eigene Ermittlungen auf, in denen er auch seltsame Wege geht um seinen Vermutungen nachzugehen. Er trifft auf mehrere Kollegen des Ermordeten und stellt bald fest, dass alles seinen Ursprung weit zurück in den 70er Jahren haben muss. Dort waren Novak und inzwischen aus der Wissenschaft ausgeschiedene Kollegen Mitarbeiter bei einer Ausgrabung in Syrien. Der Ausgrabungsleiter kehrte aus Syrien nie zurück, und es hieß er habe dort mit einer Einheimischen eine Familie gegründet.
Morell versucht herauszufinden ob dies tatsächlich der Fall war, denn nach und nach werden die ehemaligen Mitglieder dieser Ausgrabung ermordet. Ihm läuft die Zeit davon, denn seine einstigen Kollegen in Wien sind überzeugt von Lorentz' Schuld, und eigentlich hat er keinerlei Befugnis sich in die Ermittlungen einzumischen.
Dies ist bereits der zweite Fall in dem Otto Morell ermittelt, und direkt der Klappentext klingt mystisch und sagenumwoben. Jedes neue Kapitel beginnt mit einem Zitat, das sich in irgendeiner Weise auf das Thema 'Grab' bezieht, und bildet die Überschrift des Kapitels. Die Zitate sind passend gewählt und unterstreichen den Hauch von Mystik, der über der Handlung liegt. Der Einstieg ist rasant, denn sofort wird der abgetrennte Kopf des Archäologen präsentiert, und ich war gespannt, ob sich dieses Tempo halten würde. Ohne große Schnörkel geht die Ermittlung dann auch tatsächlich voran, und es wird schnell klar, dass Morell hier eher Privatmann als Ermittler ist, auch wenn er sich bei jeder Gelegenheit als Inspektor vorstellt. Er ist, wie die Ermittler so oft sind, ein gemütlicher, ruhiger und bedächtiger Mann, der ein paar Kilo zu viel auf den Rippen hat, für den Kochen eine Passion ist, und der sich mit Frauen in seinem Leben schwer tut. Er kämpft mit Selbstzweifeln und erkennt im Laufe der Handlung, dass er nicht nur die Ermittlungen, sondern alle Bereiche in seinem Leben mit mehr Biss angehen muss. Tappte er zu Beginn ein wenig im Dunklen, so bringt die Nachbarin des verhafteten Leanders, Frau Horsky, die Sache ins Rollen, indem sie Morell als Ermittler wieder erkennt, der den Fall ihres verschwundenen Sohnes bearbeitet hatte. Dieser war Bestatter, und als dessen Mutter Morell quasi zwingt sich mit dem Verbleib des noch immer Vermissten auseinanderzusetzen, landet er als Mitarbeiter unter falschem Namen in einem Bestattungsunternehmen. Dort kommt er nicht nur dem Fall Novak, sondern auch einer Reihe von Bestattungsvergehen auf die Spur. Die Lösung letztlich ist einfach und überraschend. Hatte ich eher angenommen, dass der Ausgrabungsleiter sich an seinen Kollegen rächen wollte, die ihn verletzt in einer Höhle zurückließen und die Geschichte der Familiengründung streuten, wird ein Mann zum Täter, der in der Handlung lediglich dreimal kurz zu Wort kommt, und sich als unehelicher Sohn des Ausgrabungsleiters herausstellt, und nun Rache im Namen des toten Vaters üben will. Die Lösung erfolgt über nicht einmal zwei Seiten und ich hätte sie fast überlesen. So spektakulär der Krimi beginnt, so einfach endet er. Ich hatte mir ein Ende gewünscht, in dem die hohen Erwartungen, die ich im Vorfeld an das Buch hatte auch erfüllt werden. Leider ist dies hier nicht der Fall.