Manchmal mit Ironie, manchmal mit Sarkasmus- aber immer sachlich und human analysiert Bichlmaier >Geld und Ökonomie<. Hervorragend recherchiert, mit einem über 20 Seiten langen, kommentiertem (!) Literaturverzeichnis, greift er auf 550 Seiten die Themen auf, um die sich die Experten drücken. Unter seinem Motto: >...es geht um richtig oder falsch< liest er Politikern, Professoren, Bankern und Medien die Leviten, dass es eine Freude ist, und läßt es nicht dabei bewenden. Vielmehr macht Bichlmaier dort mit Fragen, Antworten und Perspektiven weiter, wo Medien und die von ihnen Befragten regelmäßig ins Off schalten. Er belegt die Tabuisierung der wesentlichen ökonomischen Themen, und präsentiert aus frei zugänglichen Quellen (wie A. Greenspans Autobiographie) eigentlich Unglaubliches.
Dass Bichlmaier in einem System umlaufgesicherten Geldes (Stichwort Freiwirtschaftslehre) die Lösung für die drängenden Probleme einer am Wohl der Menschen orientierten Ökonomie sieht, verwundert nicht. Meines Wissens ist er aber der Erste, der hier (erfolgreich) versucht, das 'große Ganze' aufzuzeigen, von Euro bis Dollar, verbunden mit pointierter Ideologiekritik an der Volkswirtschaftslehre, und ihren Protagonisten.
Wie schon in einem seiner Artikel in 'Humane Wirtschaft' zeigt sich Bichlmaier insbesondere besorgt darüber, dass Europa durch die Etablierung des Euros als neuer globaler Leitwährung 'den USA als ruinierte Ex-Weltmacht nachfolgen' könnte. Da greift er in meinen Augen allerdings zu weit: Meines Erachtens ist die ökonomische Vormachtstellung der USA nicht Grundlage, sondern Resultat ihrer militärischen Vormachtstellung. Aber das ist ein anderes Buch.
Fazit: Anspruchsvoll, streckenweise faszinierend. Sinnvolle Lektüre für jeden mit der Thematik befaßten Beamten, Studenten, Redakteur, und Politiker.