Um es gleich am Anfang zu sagen, dieser Film hat mir von allen, die ich über den Jakobsweg gesehen habe, am allerbesten gefallen. Ein junger Graubündner, Roman Weishaupt, macht sich 2007, nach Ende seines Studiums und vor der 1. Berufstätigkeit, auf eine achzigtägige Wanderung von Degen in der Schweiz durch Frankreich bis nach Santiago und noch an den spanischen Atlantik, nach Finisterre. Dieser junge Mensch mit dem offenen Gesicht nimmt jeden Morgen seinen Rucksack auf die Schultern, egal bei welchem Wetter und macht sich auf den Weg. Er berichtet uneitel und nicht geschwätzig, was er denkt und wie es ihm geht. Er bewertet keinen der Menschen, die ihm begegnen- obwohl sehr kuriose Begegnungen darunter sind: auf einem sehr steilen Bergpfad in Frankreich kommt ihm ein Herrenreiter in eleganter Reitermontur entgegen, der sein Pferd am Halfter führt. Der Mann bittet Roman, ob er sein Pferd halten könne, damit er wieder aufsitzen kann. Roman streichelt das Pferd und fragt nach dessen Namen. Der Franzose antwortet, dass das Pferd keinen extra Namen habe, es heiße nur das Schwarze Pferd. Roman sagt in die Kamera: Das arme Pferd. Diese Szene hat mir in dem, was ungesagt blieb, besonders gut gefallen. Einmal wurde er von zwei Hoteliers abgewiesen, deren Häuser angeblich voll waren. Auch Romans Bitte, ob er in der Küche oder im Keller schlafen könne, wurde abgelehnt. Er ging weiter und schlief schlußendlich im Schlafsack unter freiem Himmel. Auch hier- keine Bewertung.Eine meiner Lieblingsszenen ist, als ihm ein spanischer Masseur die malträtierten Füße massiert und dabei erklärt, was es mit der Lymphe, den Blasen und der Verbindung zur Psyche des Wanderers auf sich hat. Der Film zeigt viel von den Landschaften, die der Wanderer durchquert und er zeigt viel von diesem ungemein sympathischen Menschen.Die Kirchen und Kapellen in Frankreich, in die Roman auf seinem Weg einkehrt, sind großartig fotografiert und machen Lust aufs selber Anschauen.Das Rätoromanisch, das der Schweizer mit dem Kameramann Bruno Moll spricht, wird von einem Sprecher ins Deutsche übersetzt. Gerade das Unspektakuläre dieses feinen Films ist das Bemerkenswerte,die Musik von Wädi Gysi ist es auch.