M. Peissel schreibt eine knapp gehaltene Momentaufnahme über die ständische Gesellschaft in Bhutan. Erschreckend und faszinierend zugleich ist die Botschaft an der Leser, dass es dort zwar keinen Geldkreislauf gibt, dafür aber Leibeigene und Sklaven. In einem antiken Regierungsstil herrschen Lamas und Regierungsangehörige wie anno dazumal die Kirche und Fürsten im Europa des Mittelalters. Der Umgang des Autors mit den Eigenheiten dieser vorneuzeitlichen Gesellschaft ist eher oberflächlich und nachlässig. So will er in knapp über 40 Tagen mit einer weitreichenden wissenschaftlichen Erforschung diese Landes und seiner Sprachen aufwarten. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich sein Buch leider als ein eher an seinen eigenen Bedürfnissen ausgerichteter Reisereport. Die Kriterien einer systematischen anthropologischen oder soziologischen Erforschung kann man leider nicht anlegen, meine ich.
Trotzdem ist das Buch lesenswert, weil es einen ersten Einblick in gesellschaftlich Zustände gewährt, die ich mir für die zweiten Hälfte das 20. Jahrhundert in meinen kühnsten Phantasien hätte nicht ausmalen können. Ein Fall für eine internationale Menschenrechtskommission.