Anfang des 19. Jh war die Zeit der "großen" Entdeckungen vorbei, und Russland hatte, mit sich selbst beschäftigt, an ihnen keinen Anteil gehabt. Von 1803-1806 unternahm der estnische Marineoffizier von Krusenstern mit Billigung des Zaren eine Weltreise, die dem Ausbau der russischen Niederlassungen im Nordmeer (Kamtschatka), der Förderung des Handels mit Asien und dem Aufbau der Beziehungen zu Japan dienen sollte. Die Mission war nicht sehr erfolgreich, aber einen jungen Volontär bewegte sie zum Eintritt in die russische Marine und zu dem Wunsch, selbst auf Entdeckungsfahrt zu gehen.
Otto von Kotzebue, 1787 als Sohn des deutschen Dramatikers August von Kotzebue und einer baltischen Adligen in Reval (heute Tallinn) geboren, wuchs nach dem frühen Tod seiner Mutter und der Wiederverheiratung des Vaters fern von diesem in Reval und St. Petersburg auf, ehe er 1801 zum Kadettenkorps nach Kronstadt und 1803 auf ein Bittgesuch seines Vaters hin an Bord der Nadeschda kam. 1812 nahm Kotzebue von Archangelsk aus an einer Umsegelung Skandinaviens teil.
Nach Ende der Napoleonischen Kriege erwachte in Russland wieder das Interesse an der Verstärkung seiner Handelsbeziehungen zu Asien, wobei die Frage der Nordostpassage - dem nördlichen Zugang zum Stillen Ozean - in den Vordergrund trat. Initiator und Geldgeber der Expedition war Reichskanzler Graf Rumanzoff; aufgrund der Empfehlungen Krusensterns wurde Kotzebue zum Leiter der Expedition ernannt, für die eigens im finnisch-schwedigen Abo (heute Turku) nach Plänen Kotzebues ein Schiff gebaut wurde - ein Zweimaster mit 180 Tonnen, eine wahre Nussschale, auf der 33 Mann vom 30. Juli 1815 bis 3. August 1818 unterwegs sein sollten. Kotzebue hatte den Auftrag, alles ihm wichtig Erscheinende aufzuzeichnen und zu vermessen, damit man es später, so die Hoffnung,im Interesse russischer Handelsbeziehungen verwenden könnte.
Der Weg nach Norden führte erst nach Süden - der Atlantik musste durchquert, Südamerika umrundet und dann die ganze amerikanische Küste nach Norden verfolgt werden. Erst im Juni 1816 ankerte die Rurik in einem Hafen auf der Halbinsel Kamtschatka. Seinen Versuch, eine Rinne durch das Eis nach Osten zu finden, musste Kotzebue schon nach wenigen Monaten aufgeben - die Eisdecke war zu dick, das Schiff geriet in Gefahr, vom Eis eingeschlossen zu werden.
Kotzebue segelte nach Süden, machte in Kalifornien Zwischenstation und verbrachte den Winter in der Südsee (Marshall-Inseln, Hawaii-Inseln), ehe er im Frühsommer 1817 einen zweiten Anlauf zur Suche nach der Nordostpassage nahm, der allerdings wegen des schlechten Gesundheitszustands des Kapitäns (er hatte sich bei einem Sturm innere Verletzungen im Brustkorb zugezogen) und der dichten Eisdecke abgebrochen werden musste.
Nach einem weiteren Abstecher zu den Hawaii- und Marshall-Inseln kehrte Kotzebue über die Philippinen, Kapstadt und Plymouth nach Reval zurück.
Kotzebue ist ein guter, unvoreingenommener Beobachter und schreibt lebendig und ungekünstelt. Besonders den Südseeinsulanern begegnet er mit Respekt und häufig Bewunderung. Es freut ihn, dass er mit seiner Mannschaft an vielen "zivilisierten" Orten Eindruck macht, weil man dort noch nie zuvor ein russisches Schiff gesehen hat und sich seine Leute vorbildlich verhalten, was er mehrfach lobend hervorhebt. Er ist dankbar für die Hilfe, die er an vielen Orten erhält und empört über die Unterdrückung der Eingeborenen durch die Spanier.
Ein eher distanziertes Verhältnis scheint er zu dem dänischen Botaniker und dem deutschen Naturforscher Adelbert von Chamisso an Bord gehabt zu haben - meistens erwähnt er sie nur als Kollektiv: "die Herren Gelehrten". Man erfährt nur beiläufig, dass die Reise zumindest zeitweise eine große Strapaze gewesen sein muss: Kotzebue hatte nur einen weiteren Offizier an Bord, mit dem er sich die Leitung und Aufsicht des Schiffes, Erkundungen an Land und Messarbeiten teilen musste. Die Verpflegung war mitunter knapp und schlecht (Stockfisch in allen Variationen), Stürme brachten das Schiff mehr als einmal an den Rand des Untergangs, und Kotzebue selbst wurde einmal über Bod gespült und konnte sich nur mit Mühe an einem Seil wieder hochziehen.
Sofern ein derartiger Bericht einen Eindruck von seinem Autor vermitteln kann, ist es ein durchaus positiver: Otto von Kotzebue scheint ein optimistischer, offener und liebenswürdiger Mensch und seiner Mannschaft ein besorgter, guter Kapitän gewesen zu sein. Laut einem Urteil von Dietmar Henze in seiner Enzyklopädie der Entdecker und Erforscher der Erde sollten Kotzebues Aufzeichnungen "den Grundbestand des volkskundlichen Wissens von den Marshall-Inseln bilden".