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© Audio -- Audio
Was um Himmels Willen ist von einem U2-Album zu halten, auf dem Johnny Cash als Gaststar mitwirkt? Nahezu im Alleingang bestreitet der Country & Western-Haudegen mit "The Wanderer" das Finale von "Zooropa", und spätestens da beschleicht einen der Verdacht, Bono & Co. könnten sich mit dieser neuen Platte einfach einen Witz erlaubt haben. Doch ganz so eindeutig liegen die Dinge nicht. Thematisch stehen die zehn neuen U2- Songs in der Tradition der multimedialen "Zooropa"-Liveshows, und auch dort war ja allerhand Platz für Doppelbödigkeiten. Zu ernst nehmen sollte man das "Zooropa"-Plattenprojekt freilich auch wieder nicht. Die aus Schlagwörtern und Reizformeln zusammengeschusterten Texte von "Numb" oder "Zooropa" vertragen gewiß kein Übermaß an Interpretation. Es beginnt mit dem Titelstück und sphärischem Satellitengezirpe, doch dann mündet der Song dank der psychedelischen Gitarre von The Edge in eine typische U2- Komposition, die mit zunehmender Dauer hypnotische Qualitäten gewinnt. In der Folgezeit jedoch driftet die Musik deutlicher vom vertrauten U2-Profil fort. Unter der Produktionsregie von Flood, The Edge und Brian Eno (der auch einige Instrumentalparts beisteuerte) gerieten die Gitarren scharfkantiger, die Rhythmen elektronischer. Der gesamte Sound ist technokratischer und mit Effekten vollgestopft. Dazu betreibt Euer Merkwürden Bono allerhand Stimmbandakrobatik, mal tönt sein Gesang elektronisch verfremdet, mal flötet er divenhaft exaltiert. Mit "Zooropa" leisten sich die Iren den Luxus, die Hörerwartungen ihrer Fanggemeinde drastisch zu konterkarieren, und offenbaren schräge Facetten ihrer Kreativität. Einen eigenartigen Reiz freilich kann man diesem spacigen Psychopop nicht absprechen. ** Interpret.: 06-08 ** Klang.: 06-07
© Stereoplay -- Stereoplay
U2 klingen hier zum ersten Mal wirklich schwermütig. Bedenkt man, dass die Band in ihren Texten dies im Großen und Ganzen eigentlich schon immer war und sie oft genug damit in Konflikt zu ihrer musikalischen Darbeitung gerieten ( man denke nur an " sunday bloody sunday"- eine Stadionhymne mit einem im wahrsten Sinne des Wortes todernsten Thema...), so muß man feststellen, dass U2 über ein gesamtes Album hinweg niemals so ehrlich zu sich selbst waren, wie auf "Zooropa". Ich bin mir nicht sicher ob U2 das überhaupt realisiert haben. Wie sonst kann man sich erklären, dass diesem Album von der Band selbst so wenig Zeit eingeräumt wurde, um sich kompositorisch zu entwickeln. Gerade "Zooropa" hätte kein Schnellschuß werden dürfen. Beinahe jeder Song des Albums deutet es an: Hier waren U2 ihrem Meisterwerk auf der Spur. Hätte man bei "Zooropa" im Songwriting ein wenig mehr Sorgfalt an den Tag gelegt, es wäre ihre künstlerisch und musikalisch wichtigste Veröffentlichung geworden.
Einen bestimmten Song hervorheben zu wollen erscheint sinnlos, erstrahlt "Zooropa" doch nur in seiner Gesamtheit. Trotzdem kann ich es nicht lassen. Hört euch einfach einmal " the first time " an. Wenn euch die Grundstimmung dieses Tracks zusagt, dann zögert nicht und legt euch diesen düsteren, nicht eben unumstrittenen Zwilling des Vorgängeralbums zu.
Wenn " Achtung Baby ! " die Party war, so ist " zooropa " der unruhige Schlaf, der dem Kater voraus geht.
4 Sterne für ein Album, das so viel mehr hätte sein können....
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