Von Carl McCoy, dem Sänger der legendären Goth Rocker "Fields Of The Nephilim" hatte man viel erwartet, aber nicht das: ein waschechtes und knallhartes Metal-Album, welches Goth Rock mit Industrial, Death und Thrash Metal verbindet. Und mit diesem Album lässt er einige der Bands, die sich schon vor Jahren auf diesen Stil spazialisiert haben, aber einkalt nackend im Wind stehen!
Und nur für die Leute, die es immer noch nicht glauben können: manche Lieder erinnern schwer an altes Zeugs von Thrash-Bands, wie Sepultura (und ich meine die Beneath/Arise-Ära, Mädels) oder Slayer. Gewürzt wird das ganze durch Stücke, die irgendwie nach "Death/Black Metaller covern Goth Rocker" rüberkommen. Alles ganz exquisit, kein Thrash-Metaller wird irgendwas an Tracks, wie Xodus, Penetration, Venus Decomposing oder Pazuzu (Black Rain) zu motzen finden.
Leider ist dieses Album stark unterbewertet. Von einer Gothic-Ikone, wie Carl McCoy erwartet man vielleicht einen Ausrutscher in die Metalgefilde von Sentenced oder HIM, aber ein derartiges Gegrunze, Gerubbel und Geknüppel passt nun wirklich gar nicht zu der restlichen Discographie der "Fields Of The Nephilim"; auch, wenn sie immer wieder deutliche Metaleinflüsse durchscheinen liessen. Und deswegen kennt's keiner. Die Grufties hassen das Album, weil's ihnen zu hart ist, die Metaller meiden es, weil sie meinen, hier gäb's wieder nur weinerlichen Gothrock. So ist, trotz des prominenten Namens, ein absoluter Geheimtip entstanden.
Das Album geht aber auch nicht sofort ins Ohr. Der Stil ist eigenwillig, es sind Stücke der unterschiedlichsten Gangart vorhanden. Still Life lässt schon ordentlich Gitarren und Schlagzeug rappeln und stimmt mit Grunzerei ein. Xodus ist das ein kurzer Death-Hammer. Shine ist das eine Art "Halbballade", und, wie oben angesprochen, klingt das, wie 'ne Death Metal-Band, die ein typisches Nephilimstück aufpoliert. Mit Penetration gibt's dann postwendend eines mit der melodic Death-Keule. Sehr rockig und eingängig. Melt ist ein düstereres, atmosphärisches Stück Industrial, auf das Venus Decomposing und Black Rain folgen, die doch schon schwer an Slayer und alte Seppelultra erinnern. Thrash, der sofort in den Nacken geht. Dann folgt Zoon 1+2 (Saturtaion), welches ähnlich gehalten wurde, wie Melt. Ein tiefdüsterer Song, der über 9 Minuten zwischen Melancholie und Aggressivität hin und herschwingt. Zoon 3 (Wake World) fällt dann wieder in die gleiche Kathegorie, wie "Shine", und der einzige Track, mit dem ich überhaupt nichts anfangen kann, ist "coma". Kein Lied, sondern nur ein Outro, bestehend aus Keyboardgedudel.
Alles in allem: ein grossartiges Metal-Album, dass dem Hörer einiges abverlangt, aber auch eine derart intensive und tiefdüstere Atmosphäre erzeugen kann, wie man sie selten zu hören bekommt. Einige Songs haben auch trotz den unterschiedlich angegrunzten Gesanges regelrechten Ohrwurmcharakter, wie Shine, Penetration oder Wake World.
Wer auf härteren Metal, aber auch die Kombi von Melancholie und Aggressivität steht, der macht nichts falsches, wenn er sich dieses Album zur Gemüte führt.