Neben den Gesangsperformances einer Ulita Knaus, Lisa Bassenge, Esther Kaiser oder Lyambiko als Botschafterinnnen des "Young German Female Vocal Jazz" ist es nicht zuletzt den Einflüssen der "Arrivierten" zu verdanken, dass es in der Jazzwüste Deutschland an vereinzelten Ecken und Enden zu sprießen beginnt. Ein Beispiel dafür ist Klaus Doldingers Passport. Auch wenn der Altmeister selbst kaum noch bereit ist, expressive Momente eigenhändig zu setzen, seine „Zöglinge" tun dies stellvertretend über zum Teil eindrucksvolle Einzelprojekte. Hat ein Roberto di Gioia mit seinem Projekt "Marsmobil" das sichere Mainstreamufer noch nicht verlassen wollen, wirkt Johannes Enders mit seiner Veröffentlichung „Human radio" schon um einiges innovativer. Den vorläufigen Höhepunkt aus der Gilde der Ex-Passporter bildet der fränkische Schlagzeuger Wolfgang Haffner mit seinem Album „Zooming". Dass Jazzdrummer als Folge der Pionierarbeiten eines Max Roach oder Jack DeJohnette eigenständige Konzeptionen und Arrangements kreieren, denen man den reinen Rhythmusgeber kaum noch anmerkt, wird auch auf "Zooming" von Beginn an deutlich. Haffners Drum-Grooves sind weich eingebettet in melodische Linienführung, die dem Album einen markanten Chillout-Touch geben. Was "Zooming" von den uniformen Werken á la Café del Mar oder Buddha Bar letztlich abhebt ist nicht zuletzt den individuellen Beiträgen des engagierten Begleitensembles zu verdanken. Das Saxophon von Johannes Enders, die Gesangseinlage von Rebekka Bakken, sowie die Kurzeinsätze eines Till Brönners oder Niels Landgren wirken sparsam eingesetzt als Stilmittel zur Abrundung einer Erlebnisreise durch den Modern-Jazz des 21.Jahrhunderts. Sei es der Metheny-Klassiker "Facing west" oder der Opener "Zooming", das Album schwebt und mit ihm der bleibende Eindruck, dass Deutschland seinen Einfluss zur Emanzipation der europäischen Jazzszene zunehmend ausdehnt