Ich habe mich für diesen Recorder entschieden, weil er der einzige war, den man über Kopfhöhe auf dem Stativ montiert noch ohne Leiter bedienen kann.
Wegen des "analogen" Einstellrads für die Aussteuerung darf man sich aber keinen Täuschungen hingeben. Die Verstärkung der bis zu 4 Aufnahmekanäle wird durch digitale Potentiometer mit 100 Stellungen gesteuert, die durch das "analoge" Einstellrad gemeinsam gesteuert werden. Der Einstellbereich ist 39 dB, am "line"-Eingang von 5,5 mV bis 500mV. Das digitale Potentiometer ist in der üblichen Weise realisiert und erreicht damit ein Eingangsrauschen von nicht weniger als 2,5 µV, ist damit mit dynamischen Mikrofonen nicht nutzbar.
Die eingebauten Elektret-Mikrofone rauschen noch stärker als die digitalen Potentiometer.
Man kann zwar zwischen 16 und 24 bit Aufzeichnung wählen, aber der ADC schafft kaum mehr als 14 bit.
Bei der Einstellung 3,5 des Pegelreglers ist das Rauschen des Potentiometers etwa gleich dem Rauschen des ADC. Höhere Stellungen des Pegelreglers heben Signal und Rauschen miteinander an, verringern also nur noch den Dynamikbereich.
Durch Kombination des Dynamikbereichs des ADC (14 bit) mit dem Stellbereich der digitalen Pegelregler (5 bit) hätte mit einer transparenten AGC der Dynamikbereich auf 19 bit erweitert werden können, aber diese Funktion wurde nicht implementiert. Es gibt nur konventionelle Begrenzer und Kompressoren, die den Dynamikbereich des aufgezeichneten Signals weiter reduzieren. Ich bin so gesehen etwas enttäuscht, muss man doch wie bei konventionellen Potentiometern immer noch vor der Aufnahme genau den Punkt treffen. Ist der H2n für die Aufnahme eines großen Chores auf einem hohen Stativ montiert, kann man ja nicht mal sehen, ob die Aussteuerung stimmt. So gesehen finde ich das Fehlen der nicht komprimierenden automatischen Aussteuerung noch als den größten Mangel.
Wozu ist das Gerät gut:
- nicht für ernsthafte Aufnahmen, dafür reicht die Qualität nicht, war bei dem Preis auch nicht zu erwarten
- nicht für Kontrollaufnahmen, bei denen man selbst mitspielt und man sich definitiv nicht um die Aussteuerung kümmern kann
Ich habe das Gerät letztlich dazu zweckentfremdet, die akustische Kommunikation zwischen Dirigent (vor dem Chor auf den Stufen des Altars) und Organist (an der Hauptorgel) zu ermöglichen. Als batteriebetriebene Kombination aus Mikrofon, Mikrofonverstärker und Kopfhörerverstärker hat es den Aufbau sehr vereinfacht und gut funktioniert.
Echte Mikrofon-Vorverstärker brauchen mechanische Schalter für die Grundeinstellung der Verstärkung, möglichst mit 3 Stellungen. Sonst bekommt man das Rauschen dieser Verstärker nicht in den professionellen Bereich runter. Wenn man diesen Schalter falsch eingestellt hat, ist die Aufnahme hin, da hilft leider nichts. Wenn es diesen Schalter nicht gibt, dann ist man effektiv auf eine Einstellung festgelegt, die zur Vermeidung von Übersteuerung nur auf der Seite der niedrigsten Empfindlichkeit liegen kann. So gesehen hat der ZOOM H2n gar keine Mikrofon-Vorverstärker sondern macht "leere" Verstärkung in dem Verstärker, der in besseren Geräten in der 2. Stufe sitzt.