BORIS BUDEN
ZONE DES ÜBERGANGS
Vom Ende des Postkommunismus
Es gibt wenig Literatur über die Ideologie nach 1989. Zu gerne wurde der Slogan vom Ende der Geschichte übernommen, die nach 1989 in ruhigen Bahnen und ohne weitere Brüche und Störungen in ein nicht mehr veränderbares Idyll auslaufen würde. Die letzen Demonstrationen, Aufstände und Revolten, die den Sturz der realsozialistischen Länder begleiteten, wurden noch mit blumigen Namen etikettiert: die samtene, die orange, die Rosenrevolutionen, etc; wie Kränze, die man auf Gräber legt.
Boris Buden analysiert scharf und pointiert die Standpunkte am Beginn des so genannten Postkommunismus: Er zitiert Habermas mit dem Satz : 'der Fall des Kommunismus 1989/90 hat nichts Neues in die Welt gebracht, nur den Wunsch der einen (im Osten) das anderswo schon Erreichte nachzuholen', und Buden fügt hinzu, dass 'die anderen (im Westen) vom angeblichen Mut zur Veränderung (derer im Osten) schwärmten, nur weil sie darin nichts als die Bejahung der eigenen Kriecherei vor dem Bestehenden erkannten'.
Jene Oppositionellen, die wirklich aus dem starren System ausbrechen wollten, und demokratische Reformen anstreben, blieben auf der Strecke. Leider wird im Rahmen dieses Buches diese vage als *dritter Weg* bezeichnete Richtung nicht genauer definiert oder durch Nennung von Proponenten verdeutlicht.
Heute wird die politische Entwicklung bis 1989 'mit einem forensischen Interesse untersucht, als Leichnam, der nützliche Aufschlüsse in einem Gerichtsverfahren gibt'. Das ausführliche Kapitel über das *Haus des Terrors* in Budapest, eine Ausstellung die gleichzeitig über Kommunismus und Nationalsozialismus Gericht hält, macht das am deutlichsten. 'Hier stellt man nicht nur den Terror zur Schau, sondern den Terror als das Vergangene schlechthin. Gott, Kirche, Heimat bleiben die reine Unschuld für die Zukunft, egal welche Verbrechen in ihrem Namen begangen wurden'.
Sehr interessant sind auch die Kapitel in denen Buden nachweist, dass die Bedeutung der Religionen zugenommen hat obwohl immer weniger Menschen daran glauben. Weniger nachvollziehbar sind für mich die einzelnen Beispiele aus Theater, Film und Musik, mit denen Buden Positionen unserer Zeit verdeutlicht. Seine eigenen Worte sind deutlich genug, und sind auch aufgrund der gelungenen sprachlichen Wendungen und Sprachbilder vergnüglich zu lesen.
Ein unbedingt empfehlenswertes Buch, ein Buch das durch Aufklärung die *Zone des Übergangs* transparenter und passierbarer macht.