Endlich wieder ein neuer Felix&Gotrek-Roman, der nunmehr das Dutzend voll macht, und der fünfte aus der Feder von Nathan Long, der mit Orcslayer die Reihe von William King übernahm.
Der Vorgänger, Shamanslayer, bot einen waschechten Cliffhanger. Nachdem die Gefährten zusammen mit den Slayern Snorri und Rodi sowie der Waldläuferin Katerina die Gefahr durch die Tiermenschen gebannt hatten, sahen sie sich einer gewaltigen Untoten-Horde gegenüber. In diesem Roman nun hält sich Long erst gar nicht mit irgendeiner Einleitung auf, sondern setzt die Erzählung nahtlos fort. Entsprechend kann man dieses Buch eigentlich gar nicht separat betrachten, aber die Macher der Reihe gehen wohl ohnehin davon aus, dass ihre Fans alle Bücher kennen und die Anzahl der Quereinsteiger vernachlässigbar ist.
Titel und Klappentext sind in mehrfacher Hinsicht interessant. Zum zweiten Mal gibt es eine gewisse Überschneidung, was die Herausforderung betrifft, der sich Felix und Gotrek stellen müssen. Mit Beast- und Shamanslayer wurde ein Tiermenschen-Motiv verfolgt; das Untoten-Thema, auf das dieser Titel verweist, gab es wiederum bereits bei Vampireslayer. Entsprechend kann man auf neue Aspekte gespannt sein. Allerdings - wenn man die Warhammer-Welt kennt, dann weiß man, dass Zombies zu den ziemlich schwächsten Gegnern zählen, mit denen sich ein Held messen muss, wohingegen die beiden erfahrenen Kämpfer schon so manche mächtige Bestie inklusive einem Großen Dämonen und einem Drachen besiegt haben. Es kann also nur heißen, dass diesmal wahre Horden gegen Felix und Gotrek losgelassen werden und ein reiner Zermürbungskampf entbrennt - was dann auch eintritt.
Der Klappentext verrät, dass niemand Geringeres als der Erz-Nekromant Heinrich Kemmler hinter dem Spuk steckt, und entsprechend wird auch sein Champion Krell nicht fehlen. Dieses Vorwissen erzeugte bei mir einerseits Spannung, denn eine bekannten Figur aus der Warhammer-Historie direkt erleben zu können war schon in anderen Romanen das Salz in der Suppe - man denke nur an Thanquol oder Teclis. Andererseits, und ich denke ich verrate damit nicht zu viel, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass am Ende des Romans die namhaften Widersacher mit ihrem (Un-)Leben davonkommen werden, um weiterhin eine Rolle spielen zu können. Das ist sehr schade, und ich würde mir mehr Mut bei der Black Library und Games Workshop wünschen, die interessante Geschichte von Warhammer mal weiterzuspinnen, einige wichtige Personen abtreten zu lassen und neue ins Geschehen zu bringen.
Alles in allem ist Zombieslayer solide und gut und lässt sich spannend weglesen. Long hat wieder etwas mehr Witz zurück in die Reihe gebracht, den ich nach seiner Übernahme in den neueren Büchern oft vermisst hatte. Da nicht unwesentlich Snorri diesen trägt, hoffe ich, dass dieser alte Slayer noch lange brauchen wird, bis sich für ihn die Hallen Grimnirs öffnen.
Dennoch wird eine gewisse Routine offensichtlich. Wir haben Gotrek und Felix, eine ungeheure Bedrohung, verschiedenes Kanonenfutter und am Ende einen Sieg des Duos (wenn das auch bedeutet, dass Gotrek sein Schicksal wieder nicht findet). Dass Zombieslayer aus diesem Rahmen nicht ausbricht, ist klar, aber innerhalb desselben wirklich Spannendes und überraschend Neues zu bieten gelingt leider nicht. Eine gewisse Strecke lang sorgt die Suche nach einem Verräter in den eigenen Reihen für Abwechslung, aber auch dieses Thema ist an sich nicht tragend. Kurz, Zombieslayer ist auf die Reihe bezogen Standardware. Das ist kein schöner Begriff, aber er bedeutet hier absolut nicht, dass das Buch schlecht ist! Ich habe alle anderen Bücher für dieses beiseite gelegt und es keinen Moment lang bedauert. Und ich warte gespannt auf das Nächste, das ich wieder so früh wie möglich vorbestellen werde. Aber man bekommt eben nur das, was man erwarten kann, wie eine Folge aus einer sehr guten Fernsehserie. Entsprechend ist weniger wichtig, was passiert, und mehr, welche der bekannten Personen wir das nächste Mal erwarten dürfen und wie sich alle Protagonisten zusammenraufen werden.
Eine kurze Information zum Schluss: William King, der Vater von Felix und Gotrek und Autor der ersten sieben Bücher, ist nach mehreren Jahren wieder zur Black Library zurückgekehrt. Auch wenn ich nicht glaube, dass er nun die Führungsflagge zurückfordern wird, bin ich gespannt, welche Auswirkungen dies auf meine Lieblingsreihe haben wird.